15. Verhandlungstag

Liveticker Anschlag Halle (Saale): Terrorprozess in Magdeburg gegen Neonazi Stephan B. zum Attentag in Halle

Halle (Saale) - Es war einer der schlimmsten antisemitischen Anschläge der deutschen Nachkriegsgeschichte:

23.09.2020, 14:43

Es war einer der schlimmsten antisemitischen Anschläge der deutschen Nachkriegsgeschichte: Der rechtsterroristische Angriff von Halle am 9. Oktober 2019 machte weltweit Schlagzeilen.

Hier finden Sie die Live-Berichterstattung vom 15. Prozesstag  gegen Stephan B. am 23. September in Magdeburg. Vom Prozess berichten heute Hagen Eichler und Oliver Müller-Lorey.

23.09.2020: Tag 15 im Terrorprozess gegen Stephan B. um den Anschlag von Halle

14.42 Uhr: Richterin schließt die Verhandlung

Es werden weitere Bilder vom beschädigten Mietauto gezeigt. Die Reifen auf der linken Seite sind platt, außerdem gibt es Einschusslöcher in der Fahrertür und Beifahrertür. Zwischen dem Fahrersitz und der Mittelkonsole fanden die Ermittler mehrere Patronen. Sie suchten sehr akribisch, dokumentierten jeden Metallsplitter, auch hinter Verkleidungen des Fahrzeugs.

Die Sitzung ist für heute beendet. Am 16. Verhandlungstag sollen die Polizisten gehört werden, die bei der Verhaftung von B. dabei waren.

14.32 Uhr: Attentäter ließ Ausrüstung im Mietwagen zurück

B. hat so viele Dinge im Auto zurückgelassen, weil ihm die Zeit zum Umladen in sein neues Fluchtauto fehlte, wie er aussagt. Dass er nach Wiedersdorf gefahren ist, sei reiner Zufall gewesen, sagt er. „Ich bin einfach nur geradeaus gefahren. Als mir vor Wiedersdorf auch noch mein zweiter Reifen geplatzt ist, konnte ich nur noch mit Schrittgeschwindigkeit in den Ort fahren, mit 20, 30 Kilometern pro Stunde.“

14.28 Uhr: Polizist spricht über Tatfahrzeug

Nun geht es um das Tatfahrzeug, ein Mietwagen, mit dem der Attentäter aus Halle nach Wiedersdorf floh. Der Polizist schildert, wie er und seine Kollegen zunächst nicht näher an das Auto herantreten durften, weil sich explosive Stoffe darin befanden. Im Kofferraum fanden die Ermittler mehrere Eimer, Kanister und Dosen mit Chemikalien, darunter Schwefelsäure, Calziumkarbid und Ammoniumnitrat. Im Fond des Wagens sind ein Eimer mit Sprengkörpern sowie ein Patronengurt und ein Schwert zu sehen. Auch Klebeband, etwas zu Essen und Verbandszeug hatte B. dabei. Die Richterin zeigt Bilder, der Angeklagte erklärt, was darauf zu sehen ist.

14.20 Uhr: Blutspur an Klinke und Gummistiefeln

Die Bilder zeigen immer wieder die Blutspur, die sich von der Garage bis zur Haustür zieht. Auch auf der Türklinke und Gummistiefeln neben der Haustür klebte Blut.

14.16 Uhr: Tatortrekonstruktion zeigt zahlreiche Blutspuren

Jetzt wird ein 360-Grad-Bild aus der Garage des Hofes gezeigt, auf dem das Paar angeschossen wurde. Dort sind zwei Blutflecken zu sehen. Auch auf anderen Bildern, die den Außenbereich des Hofes zeigen, sind Blutspuren zu sehen. „Es handelt sich um Tropfspuren, die sich bis zum Garten hinziehen“, so der Beamte. Mittels der Blutspur können die Polizisten die Wege der verletzten Opfer rekonstruieren. Allerdings setzte vor der Spurensicherung ein heftiger Platzregen ein, der viel Blut weggewaschen habe, so der Polizist. Grund war, dass die Sicherheit auf dem Gelände noch nicht hergestellt war.

14.10 Uhr: Berliner LKA-Beamter im Zeugenstand

Nach der Mittagspause beginnt die Vernehmung des Zeugen N. Er ist Polizist beim LKA Berlin und hat eine 3-D-Rekonstruktion der Taten in Wiedersdorf angelegt. Am Tattag waren er und seine Kollegen für die Unterstützung der Spurensicherung erst nach Halle gerufen worden. Noch auf der Anfahrt wurde das Team aber nach Wiedersdorf umgeleitet, weil sich dort eine Schießerei ereignet haben sollte, was sich später als richtig herausstellte.

Der Polizist schildert dem Gericht, welche Aufnahmen er gemacht hat. Mit einem Programm ist ein digitaler Tatortrundgang möglich. So sehen die Prozessteilnehmer das Umfeld des Hofes, auf dem das Ehepaar verletzt wurde. Auch das Auto, das der Attentäter vergeblich zu rauben versuchte, ist zu sehen. Es handelt sich um einen grünen Kleinwagen, vermutlich ein alter VW Polo. Sogar Patronenhülsen, die die Polizisten fanden, sind auf dem Bild zu sehen.

12.40 Uhr: Detailfragen an den Zeugen

Im Prozess geht es auch immer wieder um Detailfragen, die einem Laien profan vorkommen, für die Juristen aber von Bedeutung sind. So geht es etwa darum, wohin B. mit seiner Waffe zielte und was er genau sagte. Mehrere Zeugen sagten, B. habe beim Taxiraub gewarnt, dass er schon zwei Menschen erschossen habe. Es gibt Nachfragen, ob der Wortlaut so richtig ist und ob B. damit die Opfer vor der Synagoge und im Döner meinte oder das angeschossene Ehepaar in Wiedersdorf. Die Zeugen sind sich einig: B. habe auf das Grundstück gezeigt, auf dem das Paar verletzt wurde und gesagt, dass er dort zwei Menschen er- nicht angeschossen habe.

Die Verhandlung wird bis 14 Uhr unterbrochen. Dann ist noch die Anhörung eines Polizisten geplant.

12.33 Uhr: Nächster Zeuge berichtet über Vorfälle in Wiedersdorf

Nach einer weiteren Unterbrechung von 15 Minuten geht es jetzt mit dem letzten Zeugen vor der Mittagspause weiter. Es ist ein Taxifahrer und der Bruder des davor gehörten Zeugen. Er schildert, wie er am 9. Oktober in Wiedersdorf vom Attentäter nach einem Taxi gefragt wurde. „Ich wollte ihm erst den Schlüssel nicht geben, weil ich die Situation nicht so ernst genommen habe“, sagt er. Erst sein Bruder übergab den Schlüssel an den Attentäter. „Das alles war wie ein Tunnel für mich.“ Erinnern kann er sich noch an einen Streifenwagen, der schnell gekommen sei und dann wieder in Richtung Fluchtroute von B. weggefahren sei.

12.06 Uhr: Taxibesitzer kritisiert Polizeiarbeit am 9. Oktober

Der Krimi geht weiter, und wieder wird Kritik an die Polizeiarbeit laut. Tatsächlich schaffte es der Taxiunternehmer, nach sieben bis acht Minuten mit Hilfe des Mercedeshändlers seinen gestohlenen Wagen auf der B 91 zu orten. Er schildert, wie er mit diesem Erfolg zum Polizisten ging, von diesem aber sehr schroff behandelt wurde.

„Er hat mich angeschnauzt, dass das Orten seine Aufgabe sei. Als er dann mit dem Mercedesmitarbeiter sprechen wollte und ich sagte, dass ich schon aufgelegt habe, habe ich mir den nächsten Anschauzer abgeholt.“ Auf Nachfrage eines Nebenklägeranwalts, ob sich die Polizei für ihr Verhalten bis heute entschuldigt habe, verneint der Unternehmer. „Das habe ich mir gedacht“, so der Anwalt.

12.00 Uhr: Taxibesitzer schildert Verfolgung von Stephan B.

Was der Taxibesitzer jetzt schildert, ist ein echter Krimi. Nach dem Raub verfolgte er in einem zweiten Wagen B.s Fluchtauto, das man orten kann. Dabei kamen die beiden an einem Politzeikontrollpunkt vorbei, der B. einfach passieren lässt. „Ich habe angehalten und dem Polizisten gesagt, dass der da vorne mein Auto geklaut hat. Der Polizist meinte: ,Wir können hier nicht weg, wir sind ein Kontrollposten für Halle‘“.

Offenbar ahnte der Polizist nicht, dass der Straftäter, nachdem im ganzen Land gesucht wird, gerade an ihnen vorbeigekommen war. Doch der Taxiunternehmer ließ nicht locker, wollte sein Auto unbedingt wieder haben. „Also habe ich bei bei einem Mercedes-Vertragshändler angerufen und die gebeten, das Auto zu orten.“ Der Mitarbeiter habe erst gesagt, das der Unternehmer dafür eine Datenschutzerklärung unterschreiben müsse. Als der Zeuge das erzählt, geht Kopfschütteln durch den Gerichtssaal.

11.52 Uhr: Taxibesitzer im Zeugenstand

Jetzt bekommt der Taxibesitzer, der damals bei dem Autoraub in Wiedersdorf in der Werkstatt dabei war, das Wort. Der 41-jährige Unternehmer wollte zusammen mit seinem Bruder seine Reifen in H.s Werkstatt wechseln lassen, als die Männer zwei Knallgeräusche hörten und dem Attentäter gegenüberstanden. Der forderte: „Ich bin ein gesuchter Schwerverbrecher. Ich brauche ein Taxi.“ Doch der Taxibesitzer verstand nicht direkt, was B. meint. „Guck uns doch mal an, von uns kann dich keiner fahren“, sagte er. B. habe dann gesagt, dass es ihm nur um das Fahrzeug gehe. Die Flucht schildert er so wie der Werkstattbesitzer.

11.42 Uhr: Verhinderte der Zufall ein weiteres Todesopfer?

Möglicherweise hat es nur dank eines Zufalls kein weiteres Todesopfer gegeben. Wie Kai H. sagt, habe er einen dunkelhäutigen Lehrling. „Der war an diesem Tag aber nicht da. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn er da gewesen wäre.“ H. eilte, nachdem der Attentäter geflüchtet war, mit einem Verbandskasten zu seinen schwer verletzten Nachbarn und kümmert sich bis zum Eintreffen des Arztes und der Polizei um sie.

Später seien mehrere Hundertschaften der Polizei auf seinen Werkstatthof gekommen. Erst um halb 10 Uhr abends sei der Trubel vorbei gewesen. In der Zwischenzeit hatte H. unzählige Anrufe auf seinem Handy von Journalisten und Personen, die wissen wollten, was passiert ist.“ Aber ich wollte keine Fake News verbreiten“ Selbst als die New York Times angerufen habe, habe er nicht mit den Journalisten sprechen wollen.

11.33 Uhr: Automechaniker berichtet über Stephan B.

Neben Kai H. war auch der Besitzer des Taxis in der Werkstatt. Zu ihm soll B. gesagt haben: „Gib mir den Schlüssel, ich habe zwei Menschen erschossen, das will ich mit euch nicht auch machen.“

„Ich wusste, dass die Situation ernst ist, weil ich den Knall gehört habe“, so H. Der Taxibesitzer habe den Schlüssel daraufhin abgegeben. B. habe zwei 50-Euro-Scheine aus der Hosentasche gezogen, habe sie auf die Straße geworfen und sei dann mit durchdrehenden Reifen davongefahren. Der Taxibesitzer sei mit einem zweiten Taxi hinterhergefahren, weil er das Fluchtauto orten konnte, während sich H. um seine verletzten Nachbarn kümmerte.

11.27 Uhr: Gericht befragt nächsten Zeugen

Der dritte Zeuge wird nun befragt. Es handelt sich um den Automechaniker Kai H. Er wechselte an einem Taxi einen Reifen, als er einen Knall hörte und vermutete, dass jemand von einer Leiter gefallen ist. Doch dann stand B. vor seinem Werkstatttor. „Ich dachte erst, das ist jemand, der Hilfe braucht. Ich habe ein Stahlrohr in seiner Hand gesehen und wusste, das ist eine Waffe. Ich dachte, das ist ein Jungjäger, der sich beim Waffeputzen verletzt hat.“ Doch als B. anfing zu sprechen, sei ihm der Ernst der Lage klar geworden. „Er sagte, er ist ein gesuchter Schwerverbrecher aus Halle, der gerade zwei Leute erschossen hat, als er auf das Nachbargrundstück zeigte.“

11.19 Uhr: Fragen an den Angeklagten

Jetzt werden Fragen an den Angeklagten gestellt. Die Nebenklagevertreter wollen wissen, warum B. von hinten auf die beiden Personen in Wiedersdorf schoss, wenn er sie nicht töten wollte. Er habe nicht gezielt, sondern einfach geschossen, so B. Dass seine Stimme weinerlich gewesen sei, wie die Zeugin es sagte, „kann eventuell zutreffen“.

11.16 Uhr: Kein Versuch einer Entschuldigung

B. will sich nicht entschuldigen, sondern – wieder einmal - sein Handeln technisch erklären. Die Zeugin hatte erklärt, dass sie gesehen hatte, wie B. mit seiner Waffe „herumgefuchtelt“ und etwas auf den Boden geworfen habe. Dieses „Herumfuchteln“, sagt B. sei das Nachladen der Waffe gewesen. Auf den Boden seien „natürlich“ Patronenhülsen gefallen.

B. sagt auch, er habe das Ehepaar aus Wiedersdorf nicht erschießen wollen, er wollte nur das Auto haben. Als er das nicht bekommen habe, habe er gefordert, wenigstens ins Gebäude gelassen zu werden. Da Jens Z. den Attentäter aber nicht einließ, drückte der ab. Auf dessen Frau schoss er nach eigener Aussage, weil sie hineinging, um die Polizei zu rufen. „Dann wäre ich erledigt gewesen“, so B. Er habe außerdem mal gelesen, dass man, wenn man mit der Waffe auf jemanden zielt, und nicht ernstgenommen wird, schnell entwaffnet werden kann.

10.52 Uhr: Zeugin will vom Angeklagten nichts hören

Jetzt ist die Verhandlung für 15 Minuten unterbrochen. Der Verteidiger von Stephan B. kündigt vorher noch an, dass sein Mandant etwas sagen will. Doch die Zeugin, die eben noch ausgesagt hat, will vom Angeklagten nichts hören. „Wenn das jetzt nur eine Entschuldigung wird, will meine Mandantin das nicht hören“, sagt ihr Anwalt.

10.44 Uhr: Wurden Verletzte vergessen?

M. erfuhr nach dem Anschlag Hilfe vom Weißen Ring und einem Mitglied der jüdischen Gemeinde, das ihr anonym einen Hotelgutschein schenkte. „Das tut gut, zu wissen, dass doch jemand an uns denkt. Denn die Verletzten sind irgendwie hinten runtergefallen.“ Auf Nachfrage von Richterin Mertens nennt die Zeugin ein Beispiel. Sie und ihr Mann habe eine Einladung für die Gedenkfeier am 9. Oktober erhalten, auf der von zwei Tatorten die Rede gewesen sei. „Aber es gab drei Tatorte. Wir haben dann eine korrigierte Fassung der Einladung bekommen.“

10.38 Uhr: Opfer aus Wiedersdorf kritsieren Polizeieinsatz

Auch nach dem Eintreffen der Polizeiverstärkung sei nicht alles rund gelaufen, sagt die Zeugin. Schon als sie in einem Krankentransporter lag, nicht in einem Rettungswagen, habe ein Polizist die Tür aufgerissen und nach dem Autoschlüssel gefragt – eine Parallele zum Attentäter. „Ich habe gefragt, wozu er den braucht, er meinte nur, dass mich das nichts angeht.“

Auch bei Toni M. zeigt sich, was die Taten von Stephan B. angerichtet haben. Die Zeugin meidet Menschenansammlungen, traut sich kaum mehr aus dem Haus. Sie habe ihre im August geborene Enkelin bis heute nicht gesehen, weil sie die Strecke dorthin nicht fahren könne. Zur Hochzeit der Tochter habe sie auch nicht fahren können. „Man kann keinen Bus mehr fahren, man möchte am liebsten gar nicht mehr rausgehen, obwohl es zu Hause ja auch nicht schön ist, weil man daran erinnert wird, wo es passiert ist.“

M. telefonierte nach eigener Aussage sämtliche Psychologen in der Region ab, bekam aber überall zu hören, dass man nicht zuständig sei. Erst spät bekam sie psychologische Hilfe.

10.30 Uhr: Zeugin: Er hat rumgejammert wie ein Weichei!

Die Zeugin erinnert sich noch, wie der Attentäter auch sie nach einem Autoschlüssel gefragt hat. „Er hat herumgejammert, wie ein Weichei, wie ein Muttersöhnchen. Er sagte, er braucht den Schlüssel, weil er am Hals verletzt ist.“ Auch diese Zeugin übt harsche Kritik an die Arbeit der Polizei. Sie habe in der Leitstelle 20 Mal ihren Namen sagen müssen.

Ein Polizeihubschrauber sei zwar über den Hof geflogen, aber habe sich dann entfernt. In der Leitstelle habe man ihr nicht helfen können. „Irgendwann kam Gott sei Dank unser Nachbar, dem habe ich mein Handy gegeben mit den Worten , sag du denen, was passiert ist, die glauben mir nicht‘“. Erst um kurz vor 2 Uhr sei ein einzelner Polizist in die Garage gekommen. „Der hat ,ach du Scheiße‘ gesagt und über Funk Bescheid gegeben und den Heli wieder bestellt.“

10.23 Uhr: Zweites Opfer von Wiedersdorf sagt aus

Jetzt sagt die am 9. Oktober ebenfalls angeschossene Toni M., die Partnerin von Jens Z. aus. Den Attentäter hatte sie zunächst gar nicht bemerkt. Ihr Mann habe Holz mit der Kettensäge spalten wollen. „Auf einmal habe ich ein komisches Geräusch gehört und dachte, die Kettensäge ist explodiert. Da bin ich runtergelaufen und habe meinen Mann blutüberströmt gesehen.“ Sie habe hinlaufen wollen, sei dann aber plötzlich hingefallen – wohl wegen des Schusses auf ihre Hüfte. „Als ich auf dem Boden lag, habe ich ihm direkt ins Gesicht gesehen.“

10.01 Uhr: Jens Z. nach Anschlag stark beeinträchtigt

Z. erzählt, wie er seit dem 9. Oktober stark eingeschränkt ist, er spricht von einem „komplett anderen Leben“, das er nun führt. Er meide Menschenmengen und könne es nicht ertragen, wenn sich ein anderer von hinten nähere. „Ich kann nachts nicht mehr schlafen.“ Außerdem habe er Kopfschmerzen und leide unter einem Taubheitsgefühl in der rechten Seite. Auch seine Frau sei eingeschränkt und komme die Treppe im Wohnhaus nicht mehr hinauf.

9.54 Uhr: Polizei glaubte Jens Z. zunächst nicht

Der 52-Jährige schildert weiter, wie es nach der Attacke weiterging. Wie sich später herausstellte, traf die Kugel ihn im Hals und blieb im Körper stecken. „Wir haben meine Wunde am Hals abgebunden und alle Türen abgeschlossen. Dann haben wir die Polizei gerufen.“ Dort habe man ihm aber nicht geglaubt, dass er und seine Frau angeschossen worden sind. Es habe 20 bis 25 Minuten gedauert, bis ein Streifenwagen gekommen sei. Von den Ereignissen in Halle habe er erst später erfahren.

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Z. ist inzwischen arbeitslos, weil sein befristeter Arbeitsvertrag nicht verlängert worden sei. „Einen kranken Menschen übernimmt man nicht“, sagt er. Psychologische Behandlungen hätten ihm bis jetzt nicht wirklich helfen können.

9.46 Uhr: Von Stephan B. niedergeschossen - Opfer sagt aus

Als erster Zeuge sagt Jens Z. aus, der am 9. Oktober dem Angeklagten direkt gegenüberstand, als dieser ein Auto von ihm forderte. Z. fällt es hörbar schwer, über das Geschehen zu berichten. Er schildert, wie es am 9. Oktober an seinem Hoftor geklopft hat. „Da blickte ich in die Pistole. Er hat mir direkt ins Gesicht gezielt und nach dem Autoschlüssel für unser Auto gefragt.“

Doch Z. erklärte ihm damals, dass er keinen Schlüssel für das Auto habe, dann lief er weg, als der Täter am Abzug „herumgespielt“ habe. „Da habe ich schon im Nacken gemerkt, dass ich getroffen wurde.“ Auch seine Frau sei vom Angeklagten in die Hüfte geschossen worden.

9.20 Uhr: Das Rätsel von Wiedersdorf

Am Mittwoch ist vor dem Oberlandesgericht Naumburg, das in Magdeburg tagt, der Prozess gegen den Attentäter von Halle, Stephan B., fortgesetzt worden. Am 15. Verhandlungstag wird es um die Geschehnisse in Wiedersdorf bei Landsberg (Saalekreis) gehen. Dort war der Angeklagte nach seiner Flucht aus Halle ausgestiegen, um sich ein neues Fluchtauto zu erpressen. Mit vorgehaltener Waffe forderte B. von einem Anwohner ein Auto, doch der weigerte sich, es herauszugeben. Der Mann ist als erste Zeuge geladen. Später sollen auch Mitarbeiter einer Werkstatt gehört werden, aus der B. ein Taxi erbeutete und seine Flucht fortsetzte.

9 Uhr: Darum geht es am 15. Tag der Verhandlung

Das Gericht arbeitet sich langsam durch den Ablauf des 9. Oktober 2019. An diesem Mittwoch soll es vor allem um die Geschehnisse in Wiedersdorf bei Landsberg gehen. Hierhin floh Stephan B., nachdem er in Halle zwei Menschen erschossen hatte. In Wiedersdorf wechselte er den Fluchtwagen, verletzte dabei zwei weitere Menschen schwer.

Die MZ berichtet wie immer im Liveticker vom Prozess.

(mz/dpa)