10. Prozesstag

Liveticker Anschlag Halle (Saale): Terrorprozess in Magdeburg gegen Neonazi Stephan B.

Halle (Saale) - Es war einer der schlimmsten antisemitischen Anschläge der deutschen Nachkriegsgeschichte:

08.09.2020, 16:42
Max Privorozki, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde in Halle, sagte am Dienstag im Prozess gegen den Halle-Attentäter aus.
Max Privorozki, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde in Halle, sagte am Dienstag im Prozess gegen den Halle-Attentäter aus. ZB

Es war einer der schlimmsten antisemitischen Anschläge der deutschen Nachkriegsgeschichte: Der rechtsterroristische Angriff von Halle am 9. Oktober 2019 machte weltweit Schlagzeilen.

Hier finden Sie die Live-Berichterstattung vom 10. Prozesstag  gegen Stephan B. am 8. September in Magdeburg. Für die MZ berichten heute Jan Schumann und Hagen Eichler aus dem Gericht.

08.09.2020: Tag 10 im Terrorprozess gegen Stephan B.

16.40 Uhr: Der Prozesstag endet

Damit endet dieser Prozesstag. Ab Mittwoch bearbeitet das Gericht einen neuen Komplex: den tödlichen Angriff des Angeklagten auf den Kiez-Döner in Halle. Überlebende dieses Angriffs sollen aussagen. In dem Imbiss hatte Stephan B. den 20-jährigen Kevin S. erschossen, nachdem sein Anschlag auf die Synagoge in der Humboldtstraße gescheitert war.

16.33 Uhr: Waffenbau: Gericht sichtet Fotos der Werkstatt in Helbra

Das Gericht begutachtet Fotos der Metall- und Holzwerkstatt des Vaters des Angeklagten in Helbra. Dort soll Stephan B. seine Schusswaffen für den Anschlag zusammengebaut haben. „Sehr akkurat, haben Sie das so hingelegt?“, fragt Richterin Mertens bei der Sichtung der Arbeitsräume. „Ich denke, ja“, sagt der Angeklagte.

Zu sehen sind Werkbänke, Werkzeuge. Teile seiner Waffen hatte der Angeklagte mit einem 3D-Drucker hergestellt. Wie gefährlich die Waffen tatsächlich waren, hatte das Bundeskriminalamt (BKA) bei aufwendigen Schusstests nachgewiesen.

16.20 Uhr: Hausdurchsuchung: Angeklagter versteckte „Niete“-Zettel für Polizeiermittler

Das Gericht begutachtet nun Fotos von der Hausdurchsuchung in Benndorf, dem Wohnort des Angeklagten. Sein Zimmer ist klein und spärlich eingerichtet. Bilder zeigen ein halbleeres Regal, darin eine Packung Chinaböller, ein Buch über Handwaffen und Unterlagen seines Mietfahrzeugs. Zwei Stahlhelme hatte er als „Deko“ im Zimmer, bestätigt Stephan B. – einen davon habe er „gegen vier Flaschen Bier eingetauscht“.

Bei der Wohnungsdurchsuchung fanden Polizisten am Abend des 9. Oktober mehrere Zettel mit der Aufschrift „Niete“ – eine Art Witz des Angeklagten, der die Ankunft der Ermittler nach dem Anschlag erwartete.

15.47 Uhr: Befragung von Privorozki endet versöhnlich

Privorozki mit versöhnlichem Ton. „Ich kann für mich sagen: Nach dem 9. Oktober fühle ich mich hier mehr zu Hause.“ Die Solidarität nach dem Anschlag habe ihm gezeigt: Die Mehrheit der Menschen sei „gegen Hass, gegen Mord, gegen Nazis“. Es folgt eine viertelstündige Pause.

15.38 Uhr: Privorozki: Solidarität nach dem Anschlag gibt ihm Hoffnung

Eine Nebenklage-Anwältin fragt Privorozki nach den finanziellen Schäden durch den Anschlag. Beziffern könne er das nicht, sagt er. „Das wäre auch falsch“ angesichts zweier Todesopfer. Dem Gemeindechef ist aber wichtig zu betonen: „Wir haben nicht eine Veranstaltung seitdem abgesagt, die jüdischen Kulturtage waren sehr gut besucht.“ Er sagt: „Das Leben geht weiter.“ Die große Solidarität nach dem Anschlag habe ihm Hoffnung gegeben, erklärt er.

15.32 Uhr: Privorozki: Eltern des Attentäters müssen Pläne geahnt haben

Privorozki legt nun dar, wieso er in diesem Prozess Nebenkläger ist. „Für mich war das nicht selbstverständlich. Ich habe überlegt, ob ich das möchte oder nicht.“ Aber er habe sich dafür entschieden – denn er wolle eine gründliche Aufklärung. Es geht ihm vor allem um die Eltern des 28-jährigen Attentäters aus Benndorf (Mansfeld-Südharz).

„Ich kann mir kaum vorstellen, dass jemand jahrelang zusammen bei seiner Mutter lebt, so etwas heimlich vorbereitet, und Mutter und Vater wissen nicht Bescheid“, sagt Privorozki. Er glaubt, die Eltern des antisemitischen Attentäters „wollten nicht wissen, was ihr Sohn vorbereitet hat“.

Privorozki fragt: „Wir kann es sein, dass man so eine Operation vorbereitet, ohne dass sich die Eltern auch nur Gedanken darüber machen.“ Das erinnere ihn daran, dass Menschen in der Vergangenheit „zwei, drei Kilometer von einem Konzentrationslager entfernt lebten und von nichts wissen wollten“. Privorozki appelliert an die Bundesanwaltschaft, dies aufzuklären.

15.18 Uhr: Sprengsatz durchschlug Fenster eines Nachbarhauses

Richterin Mertens geht mit Gemeindechef Privorozki Fotos vom Tatort durch. Darunter auch Bilder der gefundenen Sprengsätze und deren Krater. Ein Sprengsatz des Attentäters war so kraftvoll, dass ein Teil aus dem Synagogenhof bis zum Fenster eines benachbarten Wohnhauses flog und dieses durchschlug.

14.49 Uhr: Privorozki dankt Hallensern für Beistand

Privorozki bringt seinen Dank zum Ausbruch für die Solidarität nach dem Anschlag. „Die Mehrheit sind gute Menschen“, sagt er im Zeugenstand. „Das ist der Unterschied zu 1938, als unsere Synagoge auch angegriffen wurde.“ Menschen wie der angeklagte Attentäter seien die Minderheit, so der Gemeindechef.

14.45 Uhr: Privorozki: Ältere Gemeindemitglieder haben den Anschlag besser verarbeitet

Zur Trauma-Verarbeitung sagt Privorozki: Die ältere Menschen in der Synagoge hätten das Attentat psychisch besser bewältigt als die Jüngeren. Womöglich hätten vor allem die Juden aus der Sowjetunion bereits in der Vergangenheit „Sachen gesehen, die im Gedächtnis bleiben“. Eine Umschreibung für: Früheres Leid hat sie hart gemacht.

Wie habee er all das verkraftet, fragt Richterin Mertens nun. „Am 9. Oktober war ich die ganze Zeit aktiv – aber ich hatte keine Zeit, das zu verarbeiten“, sagt der Gemeindechef. Immer wieder habe er telefoniert – mit Vertretern aus Israel, der Bundesregierung, mit dem Ministerpräsidenten, dem Oberbürgermeister. Mit Regierungschef Reiner Haseloff (CDU) habe er noch am Abend gesprochen. „Als ich dann zum Marktplatz kam, gab es dort schon eine Solidaritätskundgebung“, so Privorozki. „Da habe ich langsam verstanden, was los ist. Dass zwei Menschen gestorben sind. Das ist das Schlimmste.“

14.33 Uhr: Gemeindechef informierte sofort jüdische Organisationen

Sofort barrikadierten Gemeindemitglieder die drei Türen der Synagoge von innen, schildert Privorozki. „Es war eine Erleichterung“, als er die Polizei über die Überwachungskamera erblickt habe. Zügig habe der Gemeindechef auch dafür gesorgt, dass alle jüdischen Organisationen in Deutschland über den Angriff in Halle informiert werden – für den Fall, dass es eine konzertierte Aktion sei. „Die Mitglieder haben dann selber entschieden, dass sie den Gottesdienst fortsetzen. Das war eine gute Entscheidung.“

Dann habe „ununterbrochen“ sein Handy geklingelt, sagt Privorozki. Das US-Konsulat, die israelische Regierung, die Presse. Konkrete Anweisungen von der Polizei habe er ebenfalls per Telefon bekommen, allerdings erst „wesentlich später“. Indes lagen funktionsunfähige Molotov-Cocktails auf dem Hof der Synagoge, die Attentäter Stephan B. über die Mauer geschleudert hatte.

14.21 Uhr: Ausländische Gäste zum Jom Kippur waren eine Besonderheit

Dass die hallesche Gemeinde am 9. Oktober 2019 zahlreiche ausländische Gäste hatte, sei etwas Besonderes gewesen, sagt Gemeindechef Privorozki. „Ich habe mich gefreut, dass Jom Kippur diesmal etwas anders wird.“ Neben Deutschen und Ukrainern waren auch US-Amerikaner in der halleschen Synagoge.

Nun schildert Privorozki den Moment des Angriffs. „Ich werden das niemals vergessen.“ Als Stephan B. auf die Tür schoss, habe er gewusst, „das ist brandgefährlich“. Mit zitternden Händen („Das passiert nicht oft.“) habe er sein Handy angeschaltet und den Notruf gerufen. Zehn Minuten später hatte der erste Streifenwagen dann das Gotteshaus erreicht. „Es kam mir ewig vor“, sagt Privorozki.

14.13 Uhr: Gemeinde-Vorsitzender Max Privorozki im Zeugenstand

Der hallesche Gemeinde-Vorsitzende Max Privorozki kommt in den Zeugenstand – nun geht es auch um die Sicherheit der Synagoge. Am Tag des Anschlags hatte die Polizei das Gotteshaus nicht durchgehend bewacht, das hatte für viel Kritik gesorgt. „Kontakt zur Polizei gab es immer“, sagt der 57-Jährige. „Nicht so wie jetzt, aber Kontakt war immer da.“ Über nötige Sicherheitsmaßnahmen habe allein die Polizei entschieden. Offenbar habe es die Polizei damals für ausreichend befunden, dass eine unregelmäßige Polizeistreife die Synagoge schütze, so Privorozki.

13.32 Uhr: Nach Fluchtversuch: Gericht will JVA-Beamte vernehmen

Organisatorisches zum weiteren Prozessverlauf: Richterin Ursula Mertens will am 30. September nicht nur den Psychologen Norbert Leygraf laden, um eine Einschätzung über den Angeklagten einzuholen. Sie will auch zwei Mitarbeiter der JVA in Burg (Jerichower Land) laden, die den Angeklagten aus dessen aktueller Untersuchungshaft kennen. Auch sie sollen ihren Eindrücke zum Angeklagten schildern.

Stephan B. hatte Ende Mai einen Ausbruchsversuch aus dem Gefängnis unternommen, damals noch in Halle. Daraufhin war er ins Hochsicherheitsgefängnis Burg verlegt worden. Bekannt ist, dass JVA-Mitarbeiter den U-Häftling zunächst als durchaus kooperativ und höflich eingeschätzt hatten – als er während eines Hofgangs unbeobachtet war, hatte er allerdings eine Flucht versucht.

Nach einer kurzen Pause werden weitere Zeugen gehört, darunter der hallesche Gemeindevorsitzende Max Privorozki.

12.07 Uhr: Ständiger Polizeischutz: „Natürlich beeinflusst das das Leben in der Gemeinde“

Der dritte Zeuge, ein 52-Jähriger Jude aus Halle. Richterin Mertens fragt, ob sich das Gemeindeleben seit dem Attentat verändert habe. „Es gibt mehr Sicherheitsmaßnahmen, vor der Synagoge steht jetzt immer die Polizei.“ Das bringe auch „Nervosität“, schildert der Mann, der seit 20 Jahren zur Gemeinde gehört. „Natürlich beeinflusst das das Leben in der Gemeinde.“ Im Rückblick sagt er aber auch: Aus seiner Sicht hätte gerade am Feiertag Jom Kippur ein Polizeiauto vor dem Gotteshaus stehen müssen.

11:55 Uhr: Zeugin fühlt sich in Deutschland nicht mehr sicher

Die 29-jährige Zeugin kritisiert: Das Judentum sei für die meisten Deutschen etwas, das „ausgestorben ist“. Sie würde sich gerne sicher fühlen in Deutschland – das könne sie derzeit allerdings nur in Israel. Die Zeugin fragt die Anwesenden im Saal: Wie wohl würden Sie sich fühlen, wenn Sie hinter schusssicheren Türen und Fenstern leben müssten?

11.43 Uhr: Zeugin kritisierte fehlende Aufklärung durch Behörden

Die zweite Zeugin des Tages ist eine 29-jährige Rabbinerin in Ausbildung, die während des Anschlags in der halleschen Synagoge war. Sie schildert, dass ihre Familie über Jahrhunderte in Deutschland verwurzelt gewesen sei. „Ich wurde in dem Vertrauen aufgezogen, dass Deutschland als Nation aus seiner Vergangenheit gelernt hat“, sagt sie - also dem Antisemitismus, der zum Holocaust führte. „Aber mit der Zeit ging dieses Vertrauen verloren.“ Dazu habe auch dieser Gerichtsprozess beigetragen, sagt die Jüdin. Sie zitiert Heinrich Heine: „Denk ich an Deutschland in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht.“

Die 29-Jährige kritisiert die verbreitete Ansicht, dass es die Synagogentür war, die die betenden Juden in Halle gerettet habe. „Das ist faktisch falsch“, sagt die Zeugin. „Der Angeklagte hat Splitterbomben über die Mauer geworfen, die Menschen hätten töten können.“ Sie kritisierte: „Die Notwendigkeit, einen guten Deutschen zu finden, der jüdisches Leben rettet, hat hier keinen Platz.“

Stattdessen sagt die Zeugin, sie würde „gerne eine Bundesregierung sehen, die ihre Minderheiten“ schütze: „Ich verstehe nicht, wie BKA-Beamte sagen können, dass sie ihr Bestes getan haben.“ Weder seien die Internetseiten detailliert untersucht worden, auf denen der Angeklagte häufig surfte, noch seien die Computerspiele ausprobiert worden. Ermittler hätten auch kaum Parallelen zu anderen Anschlägen untersucht, etwa in El Paso, Christchurch oder Utoya. „Der Angeklagte hat uns des Öfteren klargemacht hat, dass er nur ein kleines Rädchen“ in einer größeren Maschinerie sei.

10.33 Uhr: Zeugin ist nach der Tat weiter in Behandlung

Nach dem Anschlag waren die Juden der Synagoge zur Betreuung ins hallesche Elisabeth-Krankenhaus gebracht worden – wie bereits andere Zeugen dankt die 30-jährige Rabbinerin ausdrücklich der Krankenhaus-Belegschaft. „Das Personal und die Schwestern waren äußerst freundlich“, sagt sie. „Sie hatten wirklich das Gefühl, dass wir gut umsorgt werden, dass wir ihnen wichtig waren.“ Die Jüdin sagt: „Sie haben sich vorbildhaft verhalten und gezeigt, wie man mit traumatisierten Opfern einer Straftat umgeht.“ Im Gegensatz dazu haben einige Zeugen bereits den unsensiblen Umgang der Polizei mit den Opfern kritisiert.

Nach dem Anschlag habe die 30-Jährige unter Schlafstörungen gelitten. Das habe auch über Monate hinweg für ihr Kind gegolten. „Ich befinde mich immer noch in traumatherapeutischer Behandlung“, so die Zeugin. Sie endet mit einem kämpferischen Statement: „Der Täter hatte keinen Erfolg, ich bin der lebende Beweis dafür.“ Nichts werde sie davon abhalten, das Judentum in Deutschland weiterhin zu unterstützen.

10.18 Uhr: Zeugin schildert Tag des Anschlags auf die Synagoge

Nun schildert die 30-Jährige die Ereignisse in Halle am 9. Oktober: Damals kam sie mit ihrem Mann (ebenfalls Rabbiner) und ihrem Kleinkind in die Saalestadt, um Jom Kippur in der jüdischen Gemeinde zu feiern. Als Stephan B. gegen Mittag das Feuer auf die Synagoge eröffnete, sei die Babysitterin gerade mit ihrem Kleinkind außerhalb des Gotteshauses spazieren gegangen. Währenddessen beteten rund 50 Juden in der Synagoge – auch die Zeugin und ihr Mann – als der Anschlag begann. „Wenn ich mich an diesen Moment erinnere, trifft mich mit voller Wucht die Panik“, sagt die 30-Jährige. Sie habe die Babysitterin zunächst nicht auf dem Handy erreicht.

10.05 Uhr: Rabbinerin im Zeugenstand

Die erste Zeugin ist eine 30-jährige Rabbinerin, die während des Anschlags in der halleschen Synagoge war. Die New Yorkerin, die derzeit in Berlin lebt,  stammt aus einer Familie von Holocaust-Überlebenden. Gleich zu Beginn schildert sie, welche Traumata ihre jüdischen Vorfahren durch das Terrorregime der Nationalsozialisten erlitten.

1. Prozesstag:Stephan B. schildert Taten mit unverholener Freude

2. Prozesstag:Terrorist Stephan B. spricht über Spenden und Verschwörungsmythen

3. Prozesstag:Nebenklage beleuchtet familiäre Hintergründe

4. Prozesstag:Zeugen geben Einblicke ins Familienleben von Stephan B.

5. Prozesstag: Nebenklage kritisiert Entscheidung des Gerichts

6. Prozesstag:Ein genauer Blick auf das Waffenarsenal von Stephan B.

7. Prozesstag: Was trieb Stephan B. online - und was fanden die Ermittler?

8. Prozesstag:Zeugen setzen ein Zeichen – Wir lassen uns nicht einschüchtern

9. Prozesstag: Überlebende aus der Synagoge kritisieren Arbeit der Polizei

10. Prozesstag:Noch einmal sprechen die Überlebenden aus der Synagoge

11. Prozesstag: Zeugen schildern Angriff auf den Kiez-Döner in der LuWu

12. Prozesstag:Emotionale Aussage des Vaters von Kevin S. rührt den Gerichtssaal

13. Prozesstag: Polizisten schildern Schusswechsel auf der LuWu

14. Prozesstag: Stephan B.s Flucht aus Halle - fuhr er Somali absichtlich an?

15. Prozesstag: Opfer aus Wiedersdorf schildern Begegnung mit Halle-Attentäter

16. Prozesstag:Polizisten berichten über Flucht und Festnahme von Stephan B.

17. Prozesstag:Psychologe: Stephan B. wäre eine Hinrichtung lieber

18. Prozesstag: Angeklagter Stephan B. hält Psycho-Gutachten für „politisch motiviert“

19. Prozesstag:Tat-Video von B. löst Erdbeben in Online-Foren aus

20. Prozesstag: Weitere Terrorverdächtige speicherten Tatvideo aus Halle

21. Prozesstag:Bundesanwaltschaft fordert Höchststrafe

22. Prozesstag:Anwälte der Nebenklage halten Plädoyers

23. Prozesstag:Weitere Nebenklage-Anwälte halten Plädoyers

24. Prozesstag: Nebenkläger „macht sich für Kevins Tod verantwortlich“

25. Prozesszag:Drei Minuten Hass - Stephan B. leugnet in seinem letzten Wort den Holocaust

Einer ihrer Großväter habe das Ghetto im polnischen Lodz überlebt, ihre Großmutter sei ins Konzentrationslager Auschwitz gebracht worden. „Meine Großmutter ist heute 91 Jahre alt und lebt in New York“, sagt die Zeugin. Nun schildert sie die Auschwitz-Erinnerungen ihrer Großmutter: KZ-Arzt Josef Mengele habe sie im Konzentrationslager von ihrer Mutter getrennt, die Schornsteine hätten Rauch ausgestoßen. „Sie beschrieb den Himmel über Auschwitz als Hölle auf Erden“, sagt die Rabbinerin über die Erinnerungen ihrer Großmutter. Die Zeugin zieht eine Verbindung zum Anschlag in Halle: „Meine Großmutter ist die einzige, die versteht, was ich durchgemacht habe.“

9.46 Uhr: Richterin Mertens will keinen weiteren Applaus

Noch vor der ersten Zeugin gibt Richterin Ursula Mertens einen grundsätzlichen Hinweis zum Prozess. „Ich bitte Sie, von Applaus abzusehen“, sagte sie – das richtet sich an das Publikum, aber auch an Teile der Nebenklage. In den vergangenen Verhandlungstagen hatte es immer wieder Beifall gegeben, wenn Betroffene des Anschlags ausgesagt hatten. „Wir sind hier als Gericht gehalten, dass die Verhandlung in einer ruhigen und neutralen Atmosphäre abläuft“, sagt Mertens. Nun startet die Zeugenbefragung.

9.15 Uhr: Vorsitzender der jüdischen Gemeinde sagt aus

Im Prozess um den rechtsterroristischen Anschlag setzt das Gericht die Befragung der Überlebenden aus der Synagoge fort. Heute ist unter anderem der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Halle, Max Privorozki, als Zeuge geladen. Außerdem stehen am zehnten Verhandlungstag unter anderem weitere Mitglieder der Gruppe junger Juden aus Berlin, die die Gemeinde in Halle zu Jom Kippur besucht hatte, auf der Zeugenliste, darunter eine Rabbinerin.

An den vergangenen Prozesstagen hatten bereits mehrere Menschen, die das Attentat in der Synagoge oder in unmittelbarer Umgebung überlebt hatten, vor Gericht ausgesagt. Fast alle berichteten dabei von psychischen Folgen wie Schlafstörungen und Angstattacken, mit denen sie seit dem Anschlag zu kämpfen hätten. Mehrere Gläubige aus der Synagoge hatten zudem beklagt, dass die Polizei sie nach dem Anschlag unsensibel und respektlos behandelt habe.

8 Uhr: Der Prozess zum Anschlag in Halle geht weiter

Am 10. Prozesstag der Verhandlung gegen Stephan B. sind fünf Zeugen geladen. Die Zeugen sollen sich am 9. Oktober 2019 in der von Stephan B. attackierten Synagoge oder davor befunden haben.

Die MZ berichtet wie immer im Liveticker vom Prozess.

(mz/dpa)

Der Angeklagte Stephan B. (6.v.l.) steht zu Beginn eines Prozesstages neben seinen Verteidigern Hans-Dieter Weber (l.) und Thomas Rutkowski im Landgericht.
Der Angeklagte Stephan B. (6.v.l.) steht zu Beginn eines Prozesstages neben seinen Verteidigern Hans-Dieter Weber (l.) und Thomas Rutkowski im Landgericht.
dpa-Zentralbild