„Er hat sich mit den Falschen angelegt“

„Er hat sich mit den Falschen angelegt“: Applaus im Gericht für Überlebende

Magdeburg - Im Prozess um das Attentat von Halle hat erstmals eine Überlebende ausgesagt. Eine US-Amerikanerin sprach dabei ein jüdisches Gebet und gab ein emotionales Statement ab. „Ich werde nicht direkt zum Angeklagten sprechen“, sagte die 32-Jährige. „Aber er hat sich mit den Falschen angelegt. Er hat sich mit der falschen Person angelegt, mit der falschen Familie, mit den falschen ...

01.09.2020, 11:11

Im Prozess um das Attentat von Halle hat erstmals eine Überlebende ausgesagt. Eine US-Amerikanerin sprach dabei ein jüdisches Gebet und gab ein emotionales Statement ab. „Ich werde nicht direkt zum Angeklagten sprechen“, sagte die 32-Jährige. „Aber er hat sich mit den Falschen angelegt. Er hat sich mit der falschen Person angelegt, mit der falschen Familie, mit den falschen Menschen.“

Ihr Großvater habe als einziger in der Familie den Holocaust überlebt, sagte die Frau, die in Berlin für eine jüdische Nichtregierungsorganisation arbeitet und dort seit eineinhalb Jahren lebt.

Die Zeugin berichtete von einer posttraumatischen Belastungsstörung, die nach dem Attentat bei ihr diagnostiziert worden sein. Diese habe sie inzwischen aber überwunden. „Nach dem heutigen Tag wird er mir keine Qualen mehr bereiten. Das endet hier und heute“, sagte die Frau. Besucher und Nebenkläger applaudierten. Sie werde Berlin wegen des Attentats nicht verlassen.

Die 32-Jährige hatte zuvor berichtet, dass sie die Synagoge kurz vor dem Anschlag für einen Spaziergang verlassen hatte. Dann hörte sie laute Geräusche und kehrte zur Synagoge zurück, wo inzwischen schon die Polizei eingetroffen war. (dpa)