Rückblick Dezember 2016

Rückblick Dezember 2016: Happy End für Zebrastreifen?

Jüdenberg - Die Jüdenberger kämpfen seit Jahrzehnten um eine Verkehrsberuhigung vor der Kita. Es fehlt nur noch eine Unterschrift - von einem Landesvertreter.

Von Michael Hübner

Siegfried Borgwardt hat in seinem politischen Leben schon viel erlebt. Als CDU-Fraktionschef im Magdeburger Landtag muss er sich um Millionen, um die innere Sicherheit und um das Funktionieren der Kenia-Koalition kümmern. Der Profi beweist diplomatischen Geschick und lässt sich durch nichts aus der Ruhe bringen.

Doch bei einem Thema ringt er um seine Contenance. Es geht um einen Zebrastreifen in Jüdenberg. Die Einwohner fordern seit Jahrzehnten einen Fußgängerüberweg über die B 107 im Interesse der Sicherheit der Kita- und Schulkinder.

„Ich habe mir so den Ar... aufgerissen“, berichtet der Abgeordnete. Und nichts sei passiert. „Darüber könnt ich Bücher schreiben“, so der Parlamentarier, für den Jüdenberg ein Beispiel sei, wie Politikverdrossenheit geschürt werde. „Und die Politik kann gar nichts dafür“, so Borgwardt, der „von Verwaltungshandeln“ spricht.

Tatsächlich sind es Landesbehörden, die sich gegen den Fußgängerüberweg sperren. Dabei wird der kommen, weil die Verkehrsminister der Länder 2016 ein Gesetz auf den Weg gebracht haben, die die Verkehrsberuhigung vor Kitas vorsieht.

„Vorauseilenden Gehorsam gibt es bei uns nicht“, erklärt dazu eine Sprecherin einer Behörde. Im Klartext: Es wird ein Happy End in Jüdenberg geben. Der große Tag kann nur noch hinausgezögert werden. Das wird mit Erfolg getan.

Im Dezember schlägt die Stunde der Bürokraten. Der Landkreis - das ist die eigentlich zuständige Behörde - hat die „Verkehrsrechtliche Anordnung“ für die benötigte Farbe und die zwei Schilder getroffen. Die Freude währt aber nur kurz in Jüdenberg.

Von der Landesstraßenbaubehörde kommt ein Widerspruch und vom Landesverwaltungsamt noch eine Regieanweisung für das weitere Procedere: „Eine Abhilfeprüfung ist einzuleiten und das Ergebnis dem Landesverwaltungsamt zur Entscheidung vorzulegen.“

Also, alles wieder auf Anfang? „Ich lege meine Entscheidung nicht in die Hände des Landesverwaltungsamtes“, sagt Wittenbergs Vizelandrat Jörg Hartmann (CDU) deutlich. Borgwardt handelt hinter den Kulissen eine Vertragsunterzeichnung für den Fußgängerüberweg aus und klärt auch gleich noch die Finanzierung.

Gräfenhainichen beteiligt sich an den Kosten. Das sagt Bürgermeister Enrico Schilling (CDU) sofort zu. Jetzt fehlt nur noch die Unterschrift des Landesvertreters. „Ich versuche heute wieder eine Terminabsprache“, erklärt der Bürgermeister am Montag, der sich seit Anfang Dezember darum bemüht.

Wolfgang Zemelka (Linke) wundert sich nicht mehr. Der Ortsbürgermeister kennt die Geschichte schließlich von Beginn an. „Anfang der 1990er Jahre wollten wir eine Ampel. Wir waren auch bereit, sie zu bezahlen und haben das Geld in den Haushalt eingestellt“, erinnert er sich. Es hilft nichts. Die Ampel wird genauso wie später eine Tempo-30-Zone abgelehnt.

Die Wittenberger Stadtwerke kündigen eine Strompreiserhöhung an. Der Aufsichtsrat hat die Pläne des Unternehmens abgenickt. Demnach steigt die Grundversorgung ab 1. Februar um 60 Cent. Sei beträgt monatlich 7,57 Euro netto beziehungsweise 9,01 Euro brutto.

In Gräfenhainichen gibt es erstmals eine Ehrenamtsmedaille. 39 Frauen und Männer erhalten die Auszeichnung.

Der traditionsreiche „Piesteritzer Hof“ kündigt seine Schließung an. Silvester ist Schluss. Als Grund werden Personalprobleme genannt.

Das Reformationsjubiläum in Wittenberg wird nicht zum Sicherheitsrisiko, erklären die Organisatoren. Ein umfassendes Konzept soll bis zum 28. Februar vorliegen.

Mehrere Hundert Wittenberger und Gäste sind bei der Eröffnung der „Green Station“ dabei. Das neue Bahnhofs-Empfangsgebäude bekommt gute Noten.

Tragödie bei Bülzig: Zwei Mitarbeiter der Bahn werden bei Gleisarbeiten von einem Schnellzug überrollt und tödlich verletzt.

Großer Tag für die Wittenberger Helfer: Es wird Richtfest gefeiert für eine neues Wasserrettungszentrum. Es ersetzt die Baracke, die beim Hochwasser 2013 zerstört wurde.

Eine Schülerin darf in Wittenberg während des Unterrichts nicht auf die Toilette gehen. Die Mutter stellt Strafanzeige.

Die Diebe werden auch immer dreister: Unbekannte entwenden die Lichterkette vom Tannenbaum auf dem Pratauer Marktplatz. Die Einwohner sind empört.

Großer Jubel in Möhlau: Es gibt nach langen Debatten grünes Licht für ein neues Millionenprojekt. Künftig sollen Krippen-, Kindergarten- und Hortkinder in einem Haus betreut werden. Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) überbringt persönlich den Fördermittelbescheid.

Ulrich Kase behauptet, der Piesteritzer Fußball-Verbandsliga-Keeper habe sich für seine Lehre eine Auszeit genommen. Die beginnt bereits Wochen zuvor nach der Weihnachtsfete des Vereins. Hier fallen im Gespräch zwischen dem Schatzmeister und einem Sponsor anzügliche Bemerkungen zur Freundin des Torwarts. Der 21-Jährige schreitet ein und hat seit dem nicht mehr für Piesteritz gespielt.

Oberligist Apolda gewinnt die Premiere eines Handball-Männerturniers vom SV Grün-Weiß Piesteritz. Die Gastgeber belegen Rang drei. Die zweite Auflage ist für 2017 geplant.

Zemelka schlägt vor 18 Jahren im Gemeinderat einen Kompromiss vor: den Fußgängerüberweg. Seitdem kämpft er für diese Lösung und hat großen Rückhalt im Dorf. Das belegen Unterschriftensammlungen und eine Demo. 150 Menschen sperren die B 107.

Auf den Transparente steht „Schulwegsicherung gebt alle an“ und „Auch Rentner benötigen Verständnis“. Vor Ort erklärt niemand den Menschen, warum sich Landes-Behörden mit aller Macht gegen einen sicheren Weg zur Schule oder Kita sperren. Die MZ hört auf Nachfragen seit Jahrzehnten immer den selben Satz: „Es geht um ein laufendes Verfahren.“ Dann folgt: Schweigen! (mz)