Dorffest Jüdenberg

Dorffest Jüdenberg: Geschenke im Doppelpack

Jüdenberg - Es gibt Tage, da passt alles. „Ich freue mich riesig. Aber an den Zebrastreifen glaube ich erst, wenn die Striche gemalt sind.“ Jüdenbergs Ortsbürgermeister Wolfgang Zemelka (Linke) war beim Doppelfest am Wochenende voll in seinem Element. „Jüdenberg feiert“, erklärte er und schob dann einen Satz hinterher. „Für dieses Jahr ist die Arbeit ...

Von Ulf Rostalsky

Es gibt Tage, da passt alles. „Ich freue mich riesig. Aber an den Zebrastreifen glaube ich erst, wenn die Striche gemalt sind.“ Jüdenbergs Ortsbürgermeister Wolfgang Zemelka (Linke) war beim Doppelfest am Wochenende voll in seinem Element. „Jüdenberg feiert“, erklärte er und schob dann einen Satz hinterher. „Für dieses Jahr ist die Arbeit getan.“

Auf den ersten Blick sieht es wirklich so aus. Die Feuerwehr durfte sich am 90. Geburtstag über ein neues Auto freuen. Das Tanklöschfahrzeug mit 3000 Litern Wasser an Bord ist der langersehnte Ersatz für einen Tanker Marke W 50, der mehr als 40 Jahre auf dem Buckel hat und vor 19 Jahren als Zwischenlösung nach Jüdenberg verfrachtet worden war.

Nicht weniger lang kämpft der Ort um einen Fußgängerüberweg über die viel befahrene Bundesstraße 107. Es gab diverse Ablehnungen, Verkehrszählungen, Begründungen für die Unmöglichkeit. Jetzt sieht alles anders aus. Landtagsabgeordneter Siegfried Borgwardt und Gräfenhainichens Bürgermeister Enrico Schilling (beide CDU) hatten zur Geburtstagsfete Post aus dem Landratsamt dabei.

Die frohe Botschaft unterschrieb Vize-Landrat Jörg Hartmann (CDU). Vom Bedarf und einer Ausnahmesituation ist die Rede. Vor allen Dingen aber auch davon, dass der Kreis die Landesstraßenbaubehörde um einen entsprechenden Beschilderungsplan gebeten habe. Noch in diesem Jahr soll der Fußgängerüberweg über die Bundesstraße Realität werden.

Der 90. Feuerwehrgeburtstag und das Dorffest wurden in Jüdenberg groß gefeiert. Dem Umzug der Wehren und der Übergabe des neuen Fahrzeugs schloss sich eine Abseilübung der Dessauer Berufsfeuerwehr an. Es gab Wettbewerbe im Luftgewehrschießen, Informationen der Pilzsammler, Auftritte der Tanzgirls und -boys, der Authausener Blasmusikanten sowie des Puppentheaters des Gräfenhainicher Carneval Clubs.

In Sachen Verkehrsberuhigung haben die Jüdenberger Kreativität nie vermissen lassen. Letzten Herbst demonstrierten sie auf der Bundesstraße. Die wichtige Trasse war für eine Stunde voll gesperrt. Jetzt legten sie nach. Zum 90. Geburtstag der Feuerwehr setzten sie eine rote Karawane in Bewegung. Vorneweg das neue Feuerwehrfahrzeug und die Jüdenberger Kameraden um Wehrleiter Egon Kliemann. Zeit zum Luftholen hatte der nicht wirklich. Alles sollte perfekt laufen. Das war sein Plan. Der Plan ging auf.

Mit Pauken und Trompeten feierten die Jüdenberger auf den Tag genau neun Jahrzehnte, nachdem im Hauptort und im Ortsteil Zschiesewitz der Entschluss zur Bildung der Feuerwehr getroffen worden war. „Es war genau am 4. Juni“, erinnert Ortsbürgermeister Zemelka, während Wehrleiter Kliemann die Zeit zur Bestandsaufnahme nutzt.

Der Ortsfeuerwehr gehören demnach heute 48 Kameraden an. 23 davon sind in der Einsatzabteilung aktiv. Die Jugendwehr hat sechs Mitglieder. 19 Kameraden sind in der Alters- und Ehrenabteilung unterwegs. „Eine ordentliche Größe und eine gute Truppe“, ist Kliemann überzeugt. Er hatte vor Jahresfrist einen prominenten Politiker an Bord des alten W 50 begrüßt. Damals lenkte Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) den Oldie durch die Stadt. Stadt- und Ortswehr machten auf ihre Nöte aufmerksam. „Fördermittel gab es trotzdem nicht“, erinnert Gräfenhainichens Rathauschef Enrico Schilling.

Dennoch wurde eine Punktlandung hingelegt. 220.000 Euro hatte der Gräfenhainichener Stadtrat für das neue Auto in Aussicht gestellt. Schon Anfang des Jahres konnte an die Ausschreibung gegangen werden. „Es hat alles gepasst. Der Zeitpunkt war einfach günstig für uns“, so Schilling. „Das Auto ist wirklich top“, schiebt Wolfgang Zemelka hinterher. „Hoffen wir, dass der Fußgängerüberweg auch so wird.“

Das nächste Dorffest wird in Jüdenberg erst 2018 gefeiert. Es bleibt spannend, was bis dahin passiert. Vielleicht wird aus dem Fußgängerüberweg vor der Kita noch eine Tempo-30-Zone. In Deutschland soll künftig nämlich vor Schulen, Kitas, Krankenhäusern und Seniorenheimen generell Tempo 30 gelten. Eine Initiative für eine entsprechende Änderung der Straßenverkehrsordnung haben die Verkehrsminister der Bundesländer im April beschlossen. Mit der neuen Regelung sollen die Verkehrssicherheit vor allem für Kinder und Ältere sowie der Lärmschutz verbessert werden. Bisher habe bei der Einrichtung von 30er-Zonen nachgewiesen werden müssen, dass es sich um Unfallschwerpunkte handelt. Allein in Halle gibt es insgesamt 272 Standorte, die für die Neuerung im Gespräch sind. (mz)