MZ-Wirtschaftsnewsletter vom 8. Januar 2026 Blackout in Berlin: Wo die Stromversorgung verwundbar ist
Weitere Themen: Chemiefirma Domo insolvent / Gewinner und Verlierer 2025 / Rekord bei BMW / IHK-Chef sieht tiefe Krise / Wurstfabrik schließt / Neues Algenzentrum

ins neue Jahr sollte der Wirtschaftsnewsletter eigentlich mit einem positiven Thema starten. Doch daraus wurde leider nichts: Blackout.
In einigen südwestlichen Stadtteilen Berlins fiel am vergangenen Samstag nach einem Anschlag von mutmaßlich linken Öko-Terroristen für mehrere Tage der Strom aus. Medial wurde, aus nachvollziehbaren Gründen, zunächst über die 45.000 Berliner Haushalte in den Stadtbezirken Nikolassee, Zehlendorf, Wannsee und Lichterfelde berichtet, die bei klirrender Kälte in ihren Wohnungen ausharten oder teilweise in Notunterkünfte gehen mussten. Betroffen waren auch 2.000 Unternehmen, die teilweise erhebliche Produktionsausfälle hatten.
Stromausfälle infolge beschädigter Leitungen, etwa durch umgestürzte Bäume oder Blitzeinschläge, gibt es immer wieder. Meist dauern die Unterbrechungen nur wenige Stunden. Warum dauert es in Berlin so lange?

Um diese Frage zu beantworten, muss man schon etwas tiefgreifender mit dem Stromnetz beschäftigen. Es gibt vier Netzarten: Niederspannung für Privathaushalte (400 Volt), Mittelspannung zur Verteilung innerhalb der Stadt (10.000 Volt), Hochspannung für regionale Netze (110.000 Volt) und Höchstspannung für die nationale Verteilung mit mehr als 125.000 Volt.
Schäden im Niederspannungs- und Mittelspannungsnetz lassen sich durch das Umschalten von Leitungen recht schnell beheben. Störungen im Hochspannungsnetz sind dagegen problematischer. In Berlin wurde nach Angaben der Behörden eine sogenannte Kabelbrücke über den Teltowkanal durch einen Brand zerstört.
Dort wurde nicht nur eine Hochspannungsleitung zerstört, sondern gleich fünf. Der Energieexperte Kai Strunz von der TU-Berlin wundert sich, dass der Südwesten Berlins an einer einzigen Kabelbrücke hängt, „das sollte so eigentlich nicht sein.“ „Das war ein neuralgischer Punkt, da es für die Brücke selbst keine Redundanz gab“, sagte der Fachmann der Süddeutschen Zeitung.
170 Techniker des Netzbetreibers „Stromnetz Berlin“ sind fieberhaft damit beschäftigt, die Strombrücke zu reparieren und „Bypässe“ zu legen. Das heißt: Verbindungen von anderen Hochspannungsleitungen in das betroffene Mittelspannungsnetz. So konnten in den vergangenen Tagen nach und nach tausende Haushalte wieder beliefert werden. Am Mittwochnachmittag waren die letzten Haushalte am Netz.

Zu dem Brandanschlag bekannte sich die linksextremistische „Vulkangruppe“. Seit 2011 verübte die Gruppierung nach Einschätzung des Bundesamtes für Verfassungsschutz in Berlin und Brandenburg insgesamt 13 Anschläge auf Infrastruktureinrichtungen. Die Saboteure sind technisch bestens informiert. Mit einem Brandanschlag auf einen Strommast im brandenburgischen Grünheide legte die Gruppe im vergangenen Jahr die Energieversorgung mehrerer Ortschaften und des Tesla-Automobilwerks lahm. Es gab erhebliche Produktionsausfälle bei Tesla.
Die Frage ist: Lassen sich solche Anschläge verhindern? Laut Netzbetreiber verläuft ein Prozent des 35.000 Kilometer umfassenden Berliner Stromnetzes überirdisch, ist also besonders angreifbar. Nach Angaben der für Energie zuständigen Senatorin Franziska Giffey (SPD) ist schon länger beabsichtigt, weitere Kabel unter die Erde zu bringen. Zudem will der Berliner Senat nun neuralgische Punkte stärker per Video und Künstlicher Intelligenz (KI) überwachen. Ob das potenzielle Täter wie die „Vulkangruppe“ abschreckt? Ich bezweifle es.
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Bis kommende Woche, herzlich Steffen Höhne
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