MZ-Wirtschaftsnewsletter vom 22. Januar 2026 „Lexikon der Ausreden“: Airports Leipzig/Halle und Dresden brauchen weiter Staatshilfe
Weitere Themen: Romonta investiert / Große Hotelgruppe insolvent / Absatzkrise bei Porsche / Kunststofffirma verdoppelt Kapazität / Merz ruft zur Zuversicht auf

am liebsten würde ich Ihnen gern mal in diesem Newsletter verkünden, dass Ryanair seine Flüge von Leipzig/Halle nach London wieder aufnimmt, Eurowings ab dem Sommer Rom anfliegt und die spanische Billigfluggesellschaft Vueling Linien nach Barcelona und Lissabon eröffnet.
Stattdessen geht es wieder einmal um die Krise der Mitteldeutschen Flughafen AG, die aber viel mit fehlenden, attraktiven Flugverbindungen zu tun hat. Nachdem die Hauptanteilseigner, der Freistaat Sachsen und Sachsen-Anhalt, bereits von 2024 bis Ende 2026 etwa 100 Millionen Euro zur Sanierung des Geschäfts stecken, berichtete die MZ in dieser Woche exklusiv, dass von 2027 bis 2030 noch einmal 71 Millionen Euro fließen sollen.
MFAG-Finanzchefin Anke Förster betonte, dass die Sanierung erfolgreich laufe. Ab 2027 sollen die Airports operativ wieder schwarze Zahlen schreiben. „Das ist kein Verlustausgleich“, betonte Förster. Das Geld werde für hoheitliche Aufgaben wie für die Feuerwehr oder die Sicherheit verwendet. Auch andere Flughäfen erhielten solche Unterstützung.
Merkwürdigerweise konnte die MFAG vor der Corona-Krise diese Kosten selbst tragen. Wie man die Staatszuschüsse auch immer deklariert, am Ende benötigt die Flughafenholding Steuergeld, damit die Banken nicht unruhig werden.
Es gibt zwei große Probleme.1. Unattraktive Rahmenbedingungen: Die staatlichen Abgaben (u.a. Ticketsteuer) haben sich in den vergangenen Jahren für die Airlines verdoppelt. Lufthansa-Chef Carsten Spohr hat das 2024 bei einem Besuch in Dresden anschaulich erläutert: Aufgrund von Steuern und Gebühren würde der Start eines Lufthansa-Airbus am Flughafen Dresden inzwischen 4.500 Euro kosten. Im benachbarten Prag seien es dagegen nur 500 Euro. „Allein dadurch ist es für die Lufthansa attraktiver, von Prag zu starten“, so Spohr.
2. Zu hohe Kosten an den Airports: Die Passagierzahlen in Leipzig/Halle liegen noch immer 15 Prozent unter dem Vor-Corona-Niveau. In Dresden lagen die Fluggastzahlen im November 2025 sogar 43 Prozent unter dem Niveau von 2019. Andere deutsche Regionalflughäfen wie Dortmund, Niederrhein/Weeze (beide Nordrhein-Westfalen), Frankfurt-Hahn (Hessen) oder Nürnberg (Bayern) wachsen und liegen deutlich über dem Niveau im Jahr 2019.
Der Ryanair-Marketingchef für Deutschland, Marcel Meyer, beklagte zuletzt in der MZ auch zu hohe Landegebühren und zu hohe Kosten für die Sicherheitskontrolle in Leipzig/Halle. Kurz: Die Kosten der mitteldeutschen Flughäfen sind zu hoch. Im vergangenen Jahr wurden daher im Rahmen des Sanierungsprogramms auch 172 Stellen abgebaut.
Flughafen-Chef Götz Ahmelmann hat sich zuletzt mehrmals öffentlich dazu geäußert, wie schwierig die Lage auf dem deutschen Luftverkehrsmarkt ist. Wie der ehemalige Air-Berlin-Manager neue Passagierairlines anlocken will, darüber hört man wenig. Ein Branchenkenner sagte mir letztens: „Die haben immer ein Lexikon der Ausreden unter dem Arm.“
Fakt ist: Ohne neue Airlines und damit Wachstum werden die mitteldeutschen Flughäfen nicht aus der Krise kommen.
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Bis kommende Woche, herzlich Steffen Höhne
Weitere wichtige Wirtschaftsthemen aus Mitteldeutschland in dieser Woche:
200-Millionen-Investition
Der Wachshersteller Romonta aus Amsdorf investiert kräftig: Die Braunkohle wird bei der Energieversorgung ersetzt, die eigene Förderung reduziert und ein Industriepark geschaffen. Dahinter steht Investor Karl Gerhold. (MZ)

Hohe Nachzahlungen drohen
Die Strom- und Gaspreise sinken wieder. Doch die Heizperiode 2025 war spürbar kälter gewesen. In Sachsen-Anhalt sind die Heizkosten um 17 Prozent gestiegen – in Sachsen noch stärker. (MZ)
Große Hotel-Gruppe insolvent
Die Hotel-Gruppe Revo hat für 140 Häuser Insolvenz angemeldet. In Sachsen-Anhalt betreibt das Berliner Unternehmen Hotels in Halle, Magdeburg und Landsberg. In Leipzig sind es gleich sieben Häuser. Firmenchef Husry hat zur Messestadt eine besondere Verbindung. (MZ)

Stellenstreichungen bei Entwickler
Die IG Metall bangt um 1.500 Jobs beim Entwicklungsdienstleister IAV. Das könnte auch den Standort Stollberg im Erzgebirge treffen. Dort regt sich Protest. (MZ)
Absatzkrise bei Porsche
Der Sportwagenbauer hat im vergangenen Jahr weltweit zehn Prozent weniger Autos verkauft. Vor allem in China gibt es Absatzeinbrüche. Der Macan rettet bisher im Leipziger Werk die Bilanz. (MZ)

Ost-Produkte beliebt
Zum 100. Geburtstag der Grünen Woche in Berlin zeigt sich Sachsen-Anhalt in seiner ganzen kulinarischen Vielfalt. Von eher klassischen bis hin zu ziemlich exotischen Produkten ist alles dabei. (VS)

Merz ruft zur Zuversicht auf
In Halle attestiert Bundeskanzler Friedrich Merz der deutschen Wirtschaft echte Wachstumsprobleme. Zugleich ruft er Unternehmen aber zu Zuversicht auf – und verabschiedet sich emotional vom scheidenden Ministerpräsidenten Reiner Haseloff. (MZ)

Chemiepark-Chef kritisiert Domo-Eigner
Beim insolventen Chemiebetrieb Domo stehen mehr als 500 Arbeitsplätze auf dem Spiel. Christof Günther, Chef des Chemiestandorts Leuna, macht dafür die belgischen Eigentümer verantwortlich. Wie konkret sind Übernahmeabsichten? (MZ)

Fernholz verdoppelt Kapazität
Die Produkte von Fernholz in Schkopau sehen viele täglich im Supermarkt, ohne es zu wissen. Das Unternehmen hat nun seinen Standort in Schkopau deutlich erweitert. Der Chef hadert aber mit den aktuellen Bedingungen. (MZ)
Abverkauf bei Traditionsbrauerei
Die Produktion ist beendet, der Abverkauf in vollem Gange: Die MZ war erneut in der Landsberger Brauerei vor Ort und sprach mit Geschäftsführerin Jenny Thormann über die Zukunft – und die Veränderungen, die auf sie und die Fabrik warten. (MZ)

Leipziger Messe stabil
Knapp 200 Veranstaltungen, neue Formate und stabile Umsätze: Die Leipziger Messe sieht sich für die Zukunft gut aufgestellt. (MZ)
Autozulieferer schließt
Valeo schließt seinen Standort in Mühlhausen. 163 Beschäftigte sind betroffen. Der Konzern nennt hohe Verluste bei Teilen für Verbrennerautos als Grund. (MDR)
Mehr Geschäft in Fernost
Premiere für Elbe-Flugzeugwerke: Acht Passagierjets werden in Dresden zu Frachtriesen umgebaut und nach China geliefert. Das Geschäft in Fernost soll ausgebaut werden. (MZ)
Zalando lagert aus
Der Berliner Online-Mode-Händler Zalando löst den Bereich "Zalando Lounge Content Solutions" auf und lagert die Produktion für Produkt-Bilder für den Online-Verkazúf an externe Partner aus. 180 Stellen sollen wegfallen. (RBB)