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Eil

0340 Newsletter Dessau 30. Januar 2026 Warum die Debatte um den Umzug der Rundbogenhalle mehr Ehrlichkeit braucht

Wie Adetayo Manuwa mit Hass und Hetze umgeht - Was am Sonnabend in der Villa Krötenhof zu erleben ist

Aktualisiert: 30.01.2026, 09:33
0340 Newsletter Dessau
0340 Newsletter Dessau Thomas Ruttke

es sind Sätze, die in Dessau-Roßlau immer wieder fallen, wenn es um den städtischen Haushalt geht. „Wir müssen uns ehrlich machen“, sagt man zum Anfang der Beratungen. „Wir müssen Prioritäten setzen.“ Oder auch. „Wir müssen uns auf das Wichtige und Leistbare konzentrieren.“ Der Haken: Die Sätze stimmen meistens aber nur so lange, bis Stadträte ein eigenes, ihrer Meinung nach wichtiges Projekt entdecken.

Seit ein paar Wochen wirbt das Technikmuseum für ein Prestigeprojekt: Die historische Rundbogenhalle in der Junkersstraße soll umziehen. Auf das Gelände des Technikmuseums in Dessau. Dass das technische Denkmal dort besser steht, ist unbestritten. Und doch bleiben Fragen offen.

Das Projekt wurde vor vielen Jahren schon einmal diskutiert. Damals gab es noch das, was man Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen nannte. Der Name war Programm: Menschen ohne Arbeit wurden beschäftigt. Nicht immer sinnvoll. Egal. Der Umzug scheiterte damals an den Kosten.

Nun gibt es neue Ideen und neue Befürworter. Die Halle soll am besten mit Hubschraubern der Bundeswehr die paar hundert Meter in Richtung Museum umgesetzt werden. Nun bin ich Laie. Aber zwei Fragen bleiben doch: 1. Fällt die stark sanierungsbedürftige Halle nicht einfach zusammen, wenn man sie an allen vier Ecken hochhebt und ausfliegt? Und 2. Hat die Bundeswehr nicht gerade andere, wichtigere Aufgaben?

Diese Rundbogenhalle von Junkers soll umziehen.
Diese Rundbogenhalle von Junkers soll umziehen.
Foto: Thomas Ruttke

2,65 Millionen Euro soll der Umzug kosten und vielleicht - so die Idee der Befürworter - aus dem Sondervermögen des Bundes finanziert werden, über das die Stadt 60 Millionen Euro bekommt und bei dem sie richtigerweise zuallererst an den Neubau der Regenbogenschule denkt. Die kostet zwischen 30 und 40 Millionen Euro und bislang wusste die Stadt nicht so richtig, wie man das finanzieren soll.

Für 2,65 Millionen Euro hätte man die Halle übrigens nur umgesetzt. Über die Kosten der Sanierung hat noch keiner geredet.

Im 2026er Haushalt fehlen Dessau-Roßlau über 50 Millionen Euro. Weshalb des Landesverwaltungsamt gerade die Daumenschrauben anzieht.

Und gerade in dieser Woche haben sich die Stadträte unter der Überschrift „Nivellierung des Gesamtmaßnahmebeschlusses“ mit zwei anderen Bauprojekten auseinanderzusetzen. Die Sanierung der Kita „Buratino“ in Meinsdorf wird zum dritten Mal teurer. Statt 4,9 sind nun 5,7 Millionen Euro bereitzustellen. Bei der Sanierung der Wissenschaftlichen Bibliothek in der Zerbster Straße kommt es zum vierten Kostenaufschlag. Die Gesamtausgaben steigen von 10,4 auf 12,3 Millionen Euro. Zuletzt hat man übrigens auch die Sanierung der maroden „Villa Krötenhof“ diskutiert. Die Minimalvariante soll 4,6 Millionen Euro kosten. Wir wissen, wo das endet?!

All das zeigt, die Stadt Dessau-Roßlau muss mit ihren finanziellen Ressourcen haushalten. Die Rundbogenhalle mag historisch wertvoll sein, eine Umsetzung kann sich die Stadt nicht leisten. Es ist übrigens Aufgabe von Stadträten, auch solche Wahrheiten auszusprechen und keine leichtfertigen Versprechen zu machen. Viele Grüße, Steffen Brachert

RÜCKBLICK

Dessauer der Woche

Nachdem er das Amt verlassen hatte, erzählt Adetayo Manuwa meinem Kollegen Julius Lukas, sei er erst einmal durch Dessau-Roßlau gelaufen: „Ich war voller Glücksgefühle, die Tränen liefen mir über das Gesicht.“ Kurz zuvor hatte er in einem Büro der Stadtverwaltung seine Einbürgerungsurkunde überreicht bekommen.

Der 32-jährige gebürtige Nigerianer veröffentlichte ein Foto im Internet, das ihn kurz nach seiner Einbürgerung zeigt . Die Reaktionen auf das Bild: äußerst gemischt. Es gab viele Gratulationen, Zuspruch und Herzen – aber auch Ablehnung, Hass und Hetze. Einer kommentierte auf der Plattform Instagram: „Man kann nicht sein, was man nicht ist“. Weitere Nutzer schrieben einfach nur „Remigration“ in die Kommentare. Deutschland 2026.

2017 kam Manuwa nach Dessau-Roßlau. Zuvor lebte er in der Millionenstadt Lagos, die er für das Bauhaus, die Hochschule Anhalt und den Masterstudiengang „Architektonisches und kulturelles Erbe“ verließ. Eine Zufallsbegegnung habe sein Leben verändert. „Bei einer Weihnachtsfeier der Hochschule sang ich auf der Toilette so vor mich hin“, erzählt Manuwa. Seinen Gesang hörte ein Professor. „Der brachte mich dann sofort auf die Bühne der Weihnachtsfeier.“ Mit Folgen.

Denn das Video seines Auftritts sah auch eine andere Studentin der Hochschule, die gerade für ihre Abschlussarbeit ein generationenübergreifendes Projekt plante. Dessen Name: „Homies und Omies“. Junge Menschen sollten gemeinsam mit Bewohnern des Marienheims – einer Pflegeeinrichtung in Dessau – singen. Das war in gewisser Weise der Start von „One Community“.

2019 gewann „One Community“ den Landesintegrationspreis, der Bundespräsident lud Manuwa wegen seines ehrenamtlichen Engagements zum Bürgerfest nach Berlin ein. 2023 wurde ein Film über das Projekt veröffentlicht – „Noch einmal Walzer“.

Adetayo Manuwa nach der Einbürgerung in Dessau.
Adetayo Manuwa nach der Einbürgerung in Dessau.
Foto: Julius Lukas

Deutschland und insbesondere Dessau-Roßlau ist für Manuwa zu einer zweiten Heimat geworden. „Auch wenn es nicht immer einfach war“, sagt er. Als Student habe er regelmäßig nur befristete Aufenthaltstitel erhalten. Anfang 2024 sei die Frage, wie es weitergehen solle, dringlicher geworden. Mittlerweile arbeitete und lebte er überwiegend in Hessen, wo er in der Marketing- und Kommunikationsabteilung einer Fluglinie angestellt ist.

Deutscher zu werden, war für ihn möglich, weil er bereits mehr als fünf Jahre im Land verbracht, keine Straftaten begangen und zudem seinen Lebensunterhalt selbst finanziert hatte. „Für mich war es nie so, dass ich meinem Geburtsland Nigeria den Rücken kehre, sondern vielmehr, dass ich eine neue Heimat dazugewinne.“ Dass er dafür so viel Ablehnung in Form negativer Äußerungen in den sozialen Medien erlebte, habe ihn anfangs ratlos gemacht. „Dann habe ich aber geschaut, wer da kommentiert hat – und das waren alles Menschen, die mich überhaupt nicht kennen, die nicht wissen, wer ich bin und was ich tue.“

MZ-Geschichten der Woche

+++Im Jahr 2022 wurde er nach Umbau für den Verkehr freigegeben: der Kreisverkehr in der Dessauer Albrechtstraße. Unerwartet kommt es hier seit einiger Zeit vermehrt zu Unfällen. Für die Polizei ist der Kreisel sogar ein offizieller Unfallschwerpunkt. Woran das liegt und was die Stadt plant, das hat MZ-Kollege Robert Horvath erfragt.

Was läuft am Kreisverkehr Albrechtsplatz falsch? Die Unfälle nehmen zu.
Was läuft am Kreisverkehr Albrechtsplatz falsch? Die Unfälle nehmen zu.
Foto: Thomas Ruttke

+++Christian Wieloch ist vor einem Jahr in den Dessau-Roßlauer Ortsteil Kleutsch gezogen. Der Notfallretter war mit der Bundeswehr in Afghanistan im Einsatz und kümmert sich in seiner neuen Heimat nun um Denkmale für Gefallene in Kleutsch. Die Beweggründe hat Wieloch meiner Kollegin Heidi Thiemann erzählt.

+++Seit Anfang Januar stand in Dessau ein ehemaliger Karatetrainer vor Gericht. Am Dienstag fiel das Urteil gegen den Mann, der mehrere Kinder über viele Jahre sexuell missbraucht hat. Den bedrückenden Prozess hat MZ-Kollege Thomas Steinberg verfolgt.

+++Auf dem Parkplatz der Dessauer Wagnerpassage gelten ab Sonntag neue Regeln. Die Kennzeichen werden per Kamera erfasst. Was dann notwendig ist, ist vielen Besuchern nicht ganz klar, wie MZ-Kollege Robert Horvath vor Ort bemerkte. Er hat Antworten eingeholt.

AUSBLICK

+++Besucher der Villa „Krötenhof“ in Dessau erwartet am Sonnabend, 31. Januar, ein kulturelles Doppelpack. Der Autor und Musiker Stefan Gliwitzki präsentiert gleich zwei seiner Talente. Den Auftakt macht um 16 Uhr eine Lesung, die als „Comedy-Show in Buchform“ beschrieben wird. Gliwitzki, der unter anderem durch seinen Roman „Quitt“ bekannt ist, liest aus seinem neuen Werk „Ooge“. Nach einer kleinen Pause wechselt Gliwitzki vom Pult zum Mikrofon. Der Bandleader und Songwriter der erfolgreichen Folk-Band „Tone Fish“ präsentiert ab 20 Uhr sein Soloprogramm unter dem Motto: „Wie würde Johnny Cash Hannes Wader spielen?“.

Der Tanzabend „Valses / Der Grüne Tisch“ wird am Wochenende im Anhaltischen Theater gezeigt.
Der Tanzabend „Valses / Der Grüne Tisch“ wird am Wochenende im Anhaltischen Theater gezeigt.
Foto: Claudia Heysel

+++„Valses / Der Grüne Tisch“ heißt es am Wochenende zum letzten Mal im Anhaltischen Theater. Der Tanzabend mit Choreografien von Stefano Giannetti und Kurt Jooss wird am Freitag, 19.30 Uhr, am Sonnabend, 17 Uhr, und am Sonntag, 17 Uhr, gezeigt. Angekündigt ist ein Ballettabend, „der die Vergangenheit mit der Gegenwart verknüpft und nach der Zukunft fragt“.

+++Dessau-Roßlaus Ehrenbürger Dieter Hallervorden steht mal wieder auf der Bühne seines Mitteldeutschen Theaters in der Marienkirche: In „Stationen eines Komödianten“ blickt der 90-Jährige auf seinen 65-jährigen Bühnenkarriere zurück. Die Aufführungen sind Freitag, 19 Uhr, sowie Sonnabend und Sonntag jeweils 15 Uhr geplant.

+++„Rock und Blues mit „Mercato“ gibt es am Sonnabend, 31. Januar, im „Shamrock“ in der Zerbster Straße. Los geht es 20 Uhr. Der Eintritt ist - wie fast immer im ehemaligen Ratskeller der Stadt - frei.

+++„Club Dance meets Karneval“ heißt es am Sonnabend, 31. Januar, im Golfpark in der Junkersstraße. Die Erste Große Dessauer Karnevalsgesellschaft Gelb-Rot lädt ein - und hat neben einigen DJs „Sidney King“ als Special Guest verpflicht. Los geht es um 20.31 Uhr. Die Karten an der Abendkasse kosten 20 Euro.

Topf und Pfanne

+++„Herz und Seele“ heißt das Drei-Gang-Menü, das das „Hugo“ in der Dessauer Junkersstraße zum Valentinstag am 14. Februar kreiert hat. Beim Hauptgang können die Verliebten zwischen einem Flanksteak von der Külbs Farm in Namibia, Tafelspitz vom Lamm oder einem Thunfischsteak wählen. Das Menü kostet 59 Euro. Reservierungen sind ab sofort möglich.

+++Ein Champagner-Frühstück unter dem Namen „ Royal Brunch" bietet die Villa am Bernsteinsee an der Goitzsche am Sonntag, 22. Februar, von 10 bis 14 Uhr an. Zusätzlich zum Champagner gibt es Räucherfischvariationen, Garnelen und Austern ebenso wie französische und spanische Käsevariationen, Schinkenspezialitäten und Omelette und Eierkreationen à la carte Karte und zwei warme Hauptspeisen. Royal ist auch der Preis. 79 Euro kostet der Brunch pro Person.

EINBLICK

Erfolgreichster Social Media Post der Woche

+++Ein Garagenbrand hat am Montag in Ziebigk für bange Minuten gesorgt. Das spektakuläre Foto der Dessauer Feuerwehr verhalf dem Text zu großer Aufmerksamkeit und auf Facebook zu einer Reichweite von über 22.400 Personen.

Der Facebook-Post zum Garagenbrand in Dessau-Ziebigk.
Der Facebook-Post zum Garagenbrand in Dessau-Ziebigk.
(Screenshot: Facebook/MZ Dessau-Roßlau)

Meist geklickter Text der Woche

+++Die 16-jährige Lena Henke wollte unbedingt Tierpflegerin werden. In Dessau. Doch das war im hiesigen Tierpark nicht möglich. Nun hat sie eine Stelle gefunden. In Hessen. Der Text interessierte am Wochenende über 82.000 Leser.

QUERBLICk

+++Vielerorts im Land sind derzeit Waldarbeiter unterwegs. Denn traditionell gibt es im Winter viel zu tun, etwa Bäume fällen und Totholz entfernen. Nicht überall kommt dabei schwere Technik zum Einsatz. Im Hohen Fläming setzt man wie früher auf tierische Helfer mit Pferdestärke. Der MDR berichtet die speziellen Rückepferde, die auch im Dessauer Georgengarten helfen.

MZ-FOTO DER WOCHE

Mit dem neuen Bauhaus-Bier hat die Dessau-Roßlauer Stadtmarketinggesellschaft am Wochenende auf der Grünen Woche in Berlin für das Jubiläum „100 Jahre Bauhaus in Dessau“ geworben - und viel Zuspruch erhalten.
Mit dem neuen Bauhaus-Bier hat die Dessau-Roßlauer Stadtmarketinggesellschaft am Wochenende auf der Grünen Woche in Berlin für das Jubiläum „100 Jahre Bauhaus in Dessau“ geworben - und viel Zuspruch erhalten.
Foto: Müller-Lorey

Wer Hinweise oder Anregungen hat, her damit: [email protected]