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MZ-Wirtschaftsnewsletter vom 29. Januar 2026 Neuer Ministerpräsident - Alte Probleme

Weitere Themen: Verkaufsboom beim Altgold / Bahn rettet Tochter / Heimkosten stiegen / Rheinmetall investiert / Schulbuchverlag insolvent / Winzer mit Sorgen

29.01.2026, 08:00
Newsletter Schulze-Wahl
Newsletter Schulze-Wahl IMAGO/Metodi Popow

gleich im ersten Wahlgang ist Sven Schulze (CDU) am Mittwoch zum neuen Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt gewählt worden. Sieben Monate vor der Landtagswahl beerbt der bisherige Wirtschaftsminister des Landes Regierungschef Reiner Haseloff (CDU). Als MP hat Schulze bessere Chancen, im Land bekannt zu werden. Die AfD liegt in Umfragen bei knapp 40 Prozent, die CDU mit 26 Prozent deutlich dahinter.

Schulze muss im Wahlkampf also kräftig punkten. Er nutzte seine erste Ansprache als Regierungschef auch gleich, um klare Statements zu setzen. Angriffe auf andere werde er nicht tolerieren. „Wer sich mit unserer Polizei, mit unseren Rettungskräften anlegt, der legt sich in Zukunft auch mit mir an“, erklärte Schulze. Am vergangenen Wochenende hatten FCM-Fans in Magdeburg Dutzende Polizeibeamte verletzt, in drei Fällen wird wegen versuchten Mordes ermittelt.

Amtsübergabe: Reiner Haseloff (von links) mit seinem Nachfolger Sven Schulze und dessen Ehefrau Kati vor der Magdeburger Staatskanzlei.
Amtsübergabe: Reiner Haseloff (von links) mit seinem Nachfolger Sven Schulze und dessen Ehefrau Kati vor der Magdeburger Staatskanzlei.
Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Die Regierungspartner von SPD und FDP stehen hinter ihm. Doch was wird aus dem Wirtschaftsministerium? Finanzminister Michael Richter (CDU) soll es bis zur Wahl mitführen. Dem Ressort sind zudem so wichtige Bereiche wie Landwirtschaft und Tourismus zugeordnet. Und das schafft Richter, der durchaus als Aktenfresser bekannt ist, in Teilzeit?

Die Wirtschaftsentwicklung in Sachsen-Anhalt ist alles andere als gut. Die beiden großen Industriezweige Chemie und Automobilzulieferer stecken in der Krise. In der energieintensiven Chemieindustrie sind es die hohen Strom- und Gaspreise sowie eine starke asiatische Konkurrenz, die dazu führen, dass die Werke nicht ausgelastet sind.

Zuletzt hatte der große Chemiebetrieb Domo in Leuna Insolvenz angemeldet. Schulze ordnete den Weiterbetrieb der Anlagen von Domo bis Ende März an und begründete das mit der Abwehr von Gefahren für Leib und Leben, die bei einem unkontrollierten Herunterfahren der Anlagen drohten. Die sogenannte Ersatzvornahme kostet das Land Millionen. Doch so soll der vorläufige Insolvenzverwalter Lucas Flöther Zeit bekommen, für den Chemiebetrieb mit 500 Mitarbeitern einen Investor zu finden. „Wir sind in ständigem Kontakt“, sagt Schulze. Er hat Sorge, dass bei einer Produktionseinstellung auch regionale Zulieferer aus der Chemie in Mitleidenschaft gezogen werden.

Das Beispiel zeigt, wie tief Minister mitunter im Maschinenraum der Wirtschaft arbeiten müssen, um den Motor am Laufen zu halten. Als Kapitän wird Schulze dafür künftig keine Zeit haben – auch wenn er das Gegenteil behauptet.

Das wäre die Chance für seine Staatssekretäre Stefanie Pötzsch und Gert Zender, stärker in die Öffentlichkeit zu treten. Pötzsch ist die Frau für die Wirtschaftsförderung und Zender der Mann für die Landwirtschaft. Haseloff machte einst als Wirtschaftsstaatssekretär unter FDP-Minister Rehberger auf sich aufmerksam. Gerade Pötzsch könnte die Beinfreiheit jetzt nutzen ­– wenn sie will und man sie lässt.

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Bis kommende Woche, herzlich Steffen Höhne

Weitere wichtige Wirtschaftsthemen aus Mitteldeutschland in dieser Woche:

Gold-Schmuck wird verkauft

Der Goldpreis ist über 5.000 US-Dollar gestiegen. Viele Sachsen-Anhalter verkaufen jetzt ihren geerbten Schmuck, berichten Sparkassen und Händler. Was Privatpersonen dabei beachten sollten. (MZ)

Die Entwicklung des Goldpreises
Die Entwicklung des Goldpreises
Grafik: Kroschel

Sanierer für Hotelgruppe

Insolvenzexperte Lucas Flöther aus Halle soll Teile der Hotel-Gruppe Revo sanieren. 140 Gesellschaften (!) sind in Schieflage. In Sachsen-Anhalt betreibt das Berliner Unternehmen Hotels in Halle, Magdeburg und Landsberg - in Leipzig sieben Hotels. (MZ)

Das Ibis Style in Halle gehört zu der Hotel-Gruppe.
Das Ibis Style in Halle gehört zu der Hotel-Gruppe.
Foto: Matzulla

Bahn rettet Tochter

Der Zugbetreiber „Start“ sollte der Retter sein für zahlreiche Regionalbahnlinien in Sachsen-Anhalt. Warum die Bahn-Tochter jetzt selbst gerettet werden muss – und was das für die Fahrgäste und die Beschäftigten bedeutet. (MZ)

Viele Aufstocker

Knapp 25.000 Erwerbstätige in Sachsen-Anhalt müssen trotz Job Bürgergeld beziehen. Was steckt hinter den Zahlen und warum trifft es besonders Alleinerziehende? (MZ)

Heimkosten steigen weiter

Die Kosten für einen Platz im Pflegeheim liegen in Sachsen-Anhalt auf einem neuen Höchstwert. Der Eigenanteil im ersten Jahr liegt jetzt bei 2.720 Euro. (MZ)

Erzieher auf Jobsuche

Vor wenigen Jahren gab es bei der Erzieherausbildung noch eine Jobgarantie. Nun werden ganze Abschlussklassen nicht mehr übernommen. Berufsanfänger haben es immer schwerer. (MZ)

Große Solar-Firma baut ab

Der Solar-Boom schwächt sich ab. Einer der größten deutschen Installateure, die Energiekonzepte Deutschland, muss nun 80 Stellen streichen. Wie das Unternehmen die Wende schaffen will. (LVZ)

Intersport im Ex-Kaufhof

Der Sportriese Intersport hat sich auf seiner Jahrespressekonferenz auch zum neuen Standort Halle geäußert. Ein Superstore soll in den ehemaligen Kaufhof am Markt eröffnen. (MZ)

TV-Koch mit Start-up

Eine arabische Spezialität mit deutschem Twist soll „Stella Moses“ an die Spitze der gesunden Küche führen. Kreativ-Chef der Firma mit Sitz an der Goitzsche ist Starkoch Stefan Marquard. Was er mit der Falafel vor hat.

Im Pop-Up-Shop im halleschen Hauptbahnhof können Kunden erstmals die gefüllten Falafel von Stefan Marquard genießen.
Im Pop-Up-Shop im halleschen Hauptbahnhof können Kunden erstmals die gefüllten Falafel von Stefan Marquard genießen.
Foto: Jan Wätzold

Zehn Euro pro Mitarbeiter

Mehr als 300 Unternehmen sind in Bitterfeld-Wolfen zu Hause. Wie Firmen und Mitarbeiter künftig einen größeren Beitrag zur Entwicklung des Lebens in der Stadt leisten sollen. (MZ)

Rheinmetall baut Standort aus

Weitere Grundstücke, mehr Mitarbeiter und erhöhte Produktionskapazität: Am Standort Silberhütte im Harz soll sich in den kommenden Jahren viel tun. 40 Millionen Euro werden zunächst investiert. (MZ)

Armin Papperger (l), Vorstandsvorsitzender des Rüstungskonzerns Rheinmetall, besichtigt vergangene Woche mit dem bisherigen Wirtschaftsminister Sven Schulze die Produktion des Rheinmetallstandorts in Silberhütte.
Armin Papperger (l), Vorstandsvorsitzender des Rüstungskonzerns Rheinmetall, besichtigt vergangene Woche mit dem bisherigen Wirtschaftsminister Sven Schulze die Produktion des Rheinmetallstandorts in Silberhütte.
Foto: Matthias Bein/dpa

Schulbuchverlag ist pleite

Schulbücher vor allem für Ethik und Philosophie, von der Grundschule bis zur Oberstufe des Gymnasiums: Der Militzke-Verlag hat Insolvenz angemeldet und begründet das mit Problemen an den Schulen. (MZ)

Wallnuss für 155 Euro

Wegen einer Walnuss im Wert von 0,07 Euro, die sie im Markt in Halle gefunden haben will und einsteckte, schickte Netto einer 72-jährigen Rentnerin einen Anwaltsbrief. Die Frau sollte 155 Euro zahlen und der Markt erstattete Strafanzeige. (MZ)

Das Walnuss-Gold im Netto in der Silberhöhe in Halle,
Das Walnuss-Gold im Netto in der Silberhöhe in Halle,
Foto: Marvin Matzulla

Probleme beim Hauskauf

Mehr Angebot, mehr Nachfrage, aber trotzdem wird der Hauskauf nicht einfacher. Makler Dirk Radde vom Immobilienverband nennt es im Interview „das neue Normal“. Warum sich Banken aus seiner Sicht heute mit Krediten deutlich schwerer tun und was aus Sicht der Makler anders werden muss.

Dirk Radde ist Immobilienmarkler in Halle
Dirk Radde ist Immobilienmarkler in Halle
Foto: Gerrit Tharann

Sorgen trotz voller Keller

Wie reagieren Winzer an Saale-Unstrut auf sinkende Nachfrage bei vollen Lagern? Der Verband fordert ein Umdenken bei Produktion und Vermarktung. (VS)