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0340 Newsletter Dessau 27. Februar 2026 #139 Warum die AfD nicht nur in Dessau-Roßlau öffentlich Wasser predigt und heimlich Wein trinkt

Wie Dessau-Roßlau ins Kurt-Weill-Fest startet - Wie eine Krähenkolonie die Anwohner von Ziebigk ärgert

27.02.2026, 08:00
0340 Newsletter Dessau Steffen Brachert
0340 Newsletter Dessau Steffen Brachert Thomas Ruttke

der Postillon ist weit vorn, wenn es darum geht, die AfD-Vetternaffäre in Sachsen-Anhalt auf den Punkt zu bringen. „Brauche gerade Abstand von meiner Familie – AfD-Abgeordneter macht heute Homeoffice“ meldete das Satire-Magazin Mitte Februar. „AfD setzt Kommission gegen Vetternwirtschaft ein – bestehend aus Tino Chrupalla, Tim Chrupalla, Tabea Chrupalla-Schmidt und Till Chrupalla“ hieß die Überschrift in dieser Woche. „Ich glaube ja, da findet man nix“, zitierte der „Postillon“ den AfD-Parteichef Tino Chrupalla bei der Vorstellung der Kommission. „Aber Nachschauen schadet sicher nicht.“

Nachgeschaut hätten wir auch gern. In der Muldstraße 88, wo die beiden AfD-Landtagsabgeordneten Nadine Koppehel und Margret Wendt ihr Bürgerbüro betreiben und wo auch die AfD-Stadtratsfraktion ihren Sitz hat. Bürger scheinen dort eher weniger erwünscht. Es gibt keinerlei Hinweisschilder, nicht einmal ein vertrauenswürdiges Klingelschild.

Hier hat die AfD in Dessau-Roßlau ein Wahlkreisbüro.
Hier hat die AfD in Dessau-Roßlau ein Wahlkreisbüro.
Foto: Thomas Ruttke

16 eigene Mitarbeiter hatte Nadine Koppehel. Sieben ihre Mutter Margret Wendt. Sind Verwandte darunter? Vielleicht sogar Fußballer? Hat man Fraktionskollegen aus dem Stadtrat angestellt? Und was tun eigentlich die vielen Mitarbeiter im Büro? Und wann tun sie das? Nachbarn haben dort nicht gerade ein Kommen und Gehen beobachtet. Da sind einige Fragen offen - und bleiben es.

Koppehel hat alle Fragen der MZ unbeantwortet gelassen - dafür aber unter einen Text der MZ auf Facebook kommentiert. „Ich habe mich an Recht und Gesetz gehalten.“ Was erst einmal keiner bestritten hat. Was aber ohne Antworten auch keiner überprüfen kann. Will die AfD nicht anders sein als die anderen Parteien?

Die Facebook-Kommentare zu Koppehel und Wendt sind faszinierend. Natürlich werden die Medien beschimpft. Natürlich werden andere Skandale hinterfragt. Zurecht. Am Donnerstag meldete die MZ, dass der CDU-Fraktionschef Guido Heuer die Mutter vom Landesrechnungshofchef Kay Barthel beschäftigt und in Barthels Haus ein Büro gemietet hat. Eine bizarre Überkreuzbeziehung. Was beweist: Die Medien schauen nicht nur auf die AfD. Was aber auffällt ist die völlige Kritiklosigkeit der AfD-Anhänger gegenüber der eigenen Spitze.

Was die längst registriert hat. Nach anfänglicher Konfusion tut man inzwischen einfach so, als wäre die Queranstellung von Verwandten das normalste der Welt.

Beim Bürgerdialog in Köthen in dieser Woche ging es beispielsweise kurz um den Vater von AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund, der Büroleiter bei einem Bundestagsabgeordneten in Berlin ist und zumindest eine Zeitlang über 7.700 Euro im Monat verdient hat.

In Köthen also wählte der Anhalt-Bitterfelder AfD-Kreischef Daniel Roi einen klassischen Politikertrick und dementierte, was niemand behauptet hat. „Es wird immer gesagt, Uli Siegmund hat seinen Vater eingestellt“, behauptete Roi vor 440 Zuhörern. Das sei „völliger Blödsinn“. Denn: „Wenn der Vater sich in Berlin bewirbt, wo ist das bitte Vetternwirtschaft?“, fragt Roi. „Das ist freier Arbeitsmarkt.“ Derber kann man die eigenen Wähler nicht verhöhnen. In Anhalt-Wittenberg waren im Januar 14.700 Personen ohne Arbeit. Für wie viele bietet der freie Arbeitsmarkt Perspektiven auf einen 7.700-Euro-Job?

In Köthen feierte sich Roi, im Landkreis Anhalt-Bitterfeld das Netzwerk „Demokratie leben“ gestoppt zu haben. Eine „staatlich finanzierte Zivilgesellschaft“ kritisierte der AfD-Politiker und sah einen Familienfilz. Man werde denen den Geldhahn zudrehen. Wir lernen: Das eine muss man aufklären - und das andere nicht. Man könnten auch sagen: Sie predigen öffentlich Wasser und trinken heimlich Wein. Wobei „heimlich“ ja gar nicht mehr stimmt. Viele Grüße, Steffen Brachert.

RÜCKBLICK

Dessauerin der Woche

Als Schülerpraktikantin sammelte Michaela Ewald erste Erfahrungen im Krankenhaus in Dessau-Alten, damals, als es noch Bezirkskrankenhaus war. Mit dem Krankenhaus ist Ewald noch immer verbunden – und nun als Pflegedirektorin Teil des dreiköpfigen Leitungsteams im Städtischen Klinikum Dessau.

Dass Ewald, 1972 in Roßlau geboren und in Dessau aufgewachsen, diesen Weg gehen würde, war nicht von Anfang an abzusehen. „Ausschlaggebend, in die Pflege zu gehen, war die Krankheit meines Großvaters. Er lag im Krankenhaus in Roßlau“, erzählt die 53-Jährige. Eigentlich habe sie Grundschullehrerin werden wollen, begann in Köthen Pädagogik zu studieren.

Michaela Ewald ist die Pflegedirektorin im Dessauer Klinikum.
Michaela Ewald ist die Pflegedirektorin im Dessauer Klinikum.
Foto: Thomas Ruttke

Doch dann kam die Wende, sie sattelte um und drückte fortan drei Jahre in der früheren Berufsschule am Dessauer Schlossplatz die Schulbank. Die Praxis holte sie sich im Bezirkskrankenhaus, wo sie als frisch Ausgelernte in der Kardiologie anfing. 2017 wurde Ewald stellvertretende Pflegedienstleiterin.

Als Daniel Behrendt das Klinikum ebenso verlassen musste wie zuvor Verwaltungsdirektor André Dyrna und der Ärztliche Direktor Joachim Zagrodnick, übernahm Ewald erst die kommissarische Leitung. „Ich bin seit über 35 Jahren hier, ich kenne jeden Stein im Haus und jeden Mitarbeiter“, sagt sie rückblickend. „Tief im Herzen bin ich mit dem Haus verwurzelt.“ Als die Stelle ausgeschrieben wurde, bewarb sich Ewald. „Es hätte sich falsch angefühlt, wenn ich es nicht getan hätte“, blickt sie zurück.

Nun ist die 53-Jährige hauptverantwortlich für die 850 Mitarbeiter im Pflegebereich, die auf insgesamt 27 Stationen sowie in Funktionsbereichen und Ambulanzen arbeiten. „Wir gehen gemeinsam durch diese Zeit“, sagt Ewald. Das Haus, weiß sie, muss und werde sich strukturell verändern. Ihr Wunsch ist klar. „Ich hoffe, dass wir immer bedarfsgerecht pflegen können.“

MZ-Geschichten der Woche

+++Sie sind laut, werden immer mehr und lassen sich nicht vertreiben: Anwohner der Donaustraße in Dessau-Ziebigk beklagen zunehmend Belästigungen durch eine Krähenkolonie und haben sich an die Naturschutzbehörde gewandt. Was beim Vor-Ort-Termin herausgekommen ist, das hat MZ-Kollegin Heidi Thiemann aufgeschrieben.

+++In einem Lager in Roßlau stapeln sich Hilfsgüter für die Ukraine: Kleidung, medizinische Technik – und 70 ausrangierte Feuerlöscher. Trotz sinkender Unterstützung arbeiten die wenigen verbliebenen Ehrenamtlichen weiter unermüdlich für Menschen im Kriegsgebiet. MZ-Reporter Julius Lukas hat sich mit den Organisatoren in Roßlau getroffen.

+++Die Stadt zieht im Umweltausschuss Bilanz zur Arbeit der Dessau-Roßlauer Umweltdetektive. Wo das Team Erfolge vorweisen kann und in welchen Bereichen die Anstrengungen verstärkt werden müssen, das hat MZ-Kollege Robert Horvath notiert.

AUSBLICK

Fest und Bühne

+++Dessaus bedeutendstes Festival steht an: Am Freitag wird das Kurt-Weill-Fest offiziell eröffnet und wird die Stadt unter dem Motto „In Bewegung“ drei Wochenenden in ihren Bann ziehen. Neben dem bereits ausverkauften Eröffnungskonzert am Freitag steht am größtenteils schon ausverkauften Eröffnungswochenende am Sonnabend, 17 Uhr, die Premiere der Oper „Alma“ auf dem Programm. Ein paar Karten gibt es noch. Ebenso für Jocelyn B. Smith & Band, die am Sonntag, 17 Uhr, in der Dessauer Tischlerei Reinecke auftritt.

Die Oper „Alma“ hat am Sonnabend im Anhaltischen Theater Premiere.
Die Oper „Alma“ hat am Sonnabend im Anhaltischen Theater Premiere.
Foto: Thomas Ruttke

+++Thomas Meixner fuhr mit seinem Fahrrad 11.000 Kilometer von Bitterfeld bis in die Arktis. Am Freitag, 28. Februar, berichtet der Weltenradler im Schwabehaus in der Dessauer Johannisstraße von seiner fünfmonatigen Reise. Und das gleich zwei Mal - 16 Uhr und 19.30 Uhr. Karten gibt es an der Abendkasse.

+++Rock und Folk mit Uli Kirsch gibt es am Sonnabend, 28. Februar, im Shamrock in der Zerbster Straße. Los geht das Konzert wie immer um 21 Uhr. Der Eintritt ist frei.

+++In der Turnhalle des Dessauer Berufsschulzentrums findet am Samstag, 28. Februar, ein 3x3-Streetballturnier statt. Los geht es 9 Uhr. Organisiert wird es von den BBC Red Eagles Zerbst, 3x3 Leipzig Hoops und dem Dessauer Verein „Anhalt Sport“ um Sportchef Ralph Hirsch.

+++Es ist das Duell zweier Partnerstädte: Handball-Zweitligist Dessau-Roßlauer HV erwartet am Sonnabend, 28. Februar, 19.30 Uhr, auf die Eulen Ludwigshafen, das Team vom ehemaligen DRHV-Kapitän Vincent Bülow, der nach einer schweren Verletzung in der Hinrunde aber weiter ausfällt.

Topf und Pfanne

+++Das „Erste Dessauer Kartoffelhaus“ in der Zerbster Straße setzt am Sonnabend, 28. Februar, auf Livemusik. Die“Krause Band“ ist ab 19.30 Uhr zu Gast und verspricht Live-Hits von Phil Collins & Genesis. Die Tickets kosten im Vorverkauf zehn Euro und an der Abendkasse 15 Euro.

+++Mit Beginn des Kurt Weill Festes in Dessau wird das „fein.herb“ auch in diesem Jahre wieder zur Piano Lounge: Am Sonnabend, 28. Februar, am Freitag, 6. März, am Sonnabend, 7. März, am Freitag, 13. März, und am Sonnabend, 14. März, öffnet die Weinbar ab 22 Uhr zum Festival-Absacker.

+++„Girls just wanna have Brunch“ heißt es am Sonntag, 8. März, bei einem Frauentagsbrunch in der „Seensucht“ an der Goitzsche. Versprochen sind ein Buffet von 10 bis 14 Uhr, Livemusik und Sekt. Die Kosten liegen bei 49 Euro pro Person.

EINBLICK

Erfolgreichster Social Media Post der Woche

+++Straßenbahngleise zu begrünen und damit auch die Innenstadt etwas schicker zu machen, gegen ein solches Modellprojekt kann man eigentlich nicht viel haben, wenn es technisch machbar ist. Dachte ich. Der MZ-Beitrag (Lesen Sie hier) hat bei Facebook über 100 Kommentare eingesammelt - und wieder zu Hass und Hetze geführt, weil die Idee von den Grünen kam. Die Reichweite liegt über 13.000. Richtig freuen kann man sich darüber nicht.

Der Facebook-Post zum geplanten grünen Modellprojekt.
Der Facebook-Post zum geplanten grünen Modellprojekt.
(Screenshot: Facebook/MZ Dessau)

Meist geklickter Text der Woche

+++In der Hauptpost in der Dessauer Friedrichstraße ist am Montag ein Stück Postgeschichte geendet: Zum letzten Mal konnte man dort Dienstleistungen der Post erledigen. Die Meldung dazu interessierte 20.100 Personen.

QUERBLICK

+++Die AfD wirbt per Leitfaden dafür, das Programm „Demokratie Leben“ auszutrocknen oder für sich zu nutzen. Vorbild: eine Blockade in Bitterfeld-Wolfen, die nun wahrscheinlich dazu führt, dass es 2026 keine Veranstaltungen gibt. Die TAZ hat das Papier ausgewertet.

+++Mehr als fünf Millionen Euro fließen in die Sanierung des historischen Bahnhofsgebäudes in Zerbst. Nun sind die Bauarbeiten in vollem Gange und haben manche Überraschung parat, wie die Kollegen der „Zerbster Volksstimme“ berichten.

+++In der Schultheiss Brauerei in Dessau wird schon lange kein Bier mehr gebraut. Mittlerweile ist sie dank engagierter Menschen ein Industriedenkmal, das allerdings dringend Hilfe braucht, damit der Neustart gelingen kann. Der MDR hat sich vor Ort umgeschaut.

MZ-FOTO DER WOCHE

In der Antoinettenstraße in Dessau haben Bauarbeiten begonnen. Die Straße ist die nächsten Monate gesperrt.
In der Antoinettenstraße in Dessau haben Bauarbeiten begonnen. Die Straße ist die nächsten Monate gesperrt.
Foto: Thomas Ruttke

Wer Anregungen oder Hinweise hat, her damit: [email protected]