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MZ-Wirtschaftsnewsletter vom 15.1.2026 Preisverfall: Bauer verschenkt riesigen Kartoffelberg

Weitere Themen: Gasspeicher leeren sich rasant /Tech-Firmen im Aufwind / Zalando schließt Standort / Heizkosten steigen / Chemiewerk bald Ruine?

Aktualisiert: 15.01.2026, 10:27
Newsletter Bauern - Kartoffelkrise
Newsletter Bauern - Kartoffelkrise Foto: IMAGO/ABACAPRESS

in den vergangenen Tage sorgte ein sächsisches Agrar-Unternehmen für Schlagzeilen. Die „Osterland Agrar“ aus Frohburg gibt bis zu 4.000 Tonnen Kartoffeln kostenlos ab. „Wir hatten zwar feste Lieferverträge mit Händlern, doch aufgrund der enormen Mengen im Markt und niedriger Preise mussten wir diese auflösen“, sagt Geschäftsführer Hans-Joachim von Massow der MZ. In seinen Hallen lagert nun ein riesiger Kartoffelberg.

Daraus entstand eine ungewöhnliche Aktion. Gemeinsam mit der „Berliner Morgenpost“ und der grünen Suchmaschine Ecosia werden die Kartoffeln jetzt in der Hauptstadt, unter anderem an kirchliche Einrichtungen und Vereine, kostenlos verteilt. „Leipziger Volkszeitung“ und „Sächsische Zeitung“ sprangen auf den Kartoffel-Anhänger auf und verteilen die Erdäpfel an sächsische Tafeln, die Bedürftige unterstützen.

Der Kartoffelberg in einem Lager der Osterland Agrar GmbH in Frohburg.
Der Kartoffelberg in einem Lager der Osterland Agrar GmbH in Frohburg.
Foto: Osterland Agrar GmbH

Der Hintergrund: Aufgrund der Ausweitung der Anbaufläche und einer guten Ernte sind die Preise um bis zu 60 Prozent gefallen. „Mit der Aktion wollen wir auch auf die schwierige Lage in der Landwirtschaft aufmerksam machen und für die Kartoffel werben“, sagt von Massow. Das ist ihm auf jeden Fall gelungen.

Das große Problem in der deutschen Landwirtschaft ist aktuell: Nicht nur die Kartoffelpreise sind in den Keller gerutscht. „Auch die Getreidepreise sind deutlich gesunken“, sagt Landwirtin Katy Spanjer aus Freckleben (Salzlandkreis). Sie bewirtschaftet 500 Hektar Ackerfläche. Gleiches gelte für Zuckerrüben und Raps.

Landwirtin Katy Spanjer steht neben einem ihrer Traktoren. Dieser kostet neu mehr als 250.000 Euro.
Landwirtin Katy Spanjer steht neben einem ihrer Traktoren. Dieser kostet neu mehr als 250.000 Euro.
Foto: Höhne

Das lässt sich mit Zahlen belegen. Die Erzeugerpreise landwirtschaftlicher Produkte waren im November 2025 insgesamt um 5,7 % niedriger als ein Jahr zuvor.

Es gibt mehrere Gründe dafür: 1. Aufgrund vergleichsweise hoher Preise in den Vorjahren wurde die Produktion ausgeweitet. 2. Die Verbraucher schauen aufgrund der allgemeinen Teuerung jetzt beim Einkauf besonders auf die Preise. 3. Aldi, Lidl & Co. haben daher Preissenkungen bei den Lebensmittel-Herstellern durchgesetzt, die das an die Bauern durchreichen. 4. Zudem wandeln sich die Verbrauchsgewohnheiten. Der Absatz von Milch und Fleischerzeugnissen sinkt.

Gleichzeitig steigen bei vielen Bauern die Kosten: 1. Mindestlohnerhöhung, 2. höhere Pachten, 3. steigende Preise für Dünger und Pflanzenschutzmittel. 4. teurere Landtechnik

Anders als in der Industrie gibt es kaum Pleiten. Etliche Betriebe im Osten verkaufen Ackerland oder werden von größeren Agrargesellschaften geschluckt. Der Einfluss von großen Investoren in der Landwirtschaft nimmt zu, zudem spezialisieren sich die Betriebe weiter. Den politisch und gesellschaftlich gewünschten Bauernhof mit Feldern, Schweinen, Hühnern und Kühen gibt es ohnehin nur noch als touristischen Erlebnisbauernhof.

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Bis kommende Woche, herzlich Steffen Höhne

Weitere wichtige Wirtschaftsthemen aus Mitteldeutschland in dieser Woche:

Gasspeicher leeren sich rasant

Aufgrund der Kälte sinken die Füllstände bereits Mitte Januar auf unter 50 Prozent. Die meisten Energieunternehmen sehen die Versorgung im Winter gesichert. Doch es gibt Risiken. (MZ)

Der aktuelle Füllstand liegt unter 50 Prozent.
Der aktuelle Füllstand liegt unter 50 Prozent.
Grafik: Kroschel

Heizkosten 2025 gestiegen

Obwohl die Preise für Erdgas und Heizöl sinken, sind die Heizkosten 2025 in Sachsen-Anhalt im Schnitt um 17 Prozent gestiegen. Die Heizperiode ist spürbar kälter gewesen. (MZ)

Chemiewerk bald eine Ruine?

Beim insolventen Chemie-Unternehmen Domo in Leuna ist die Zwischenfinanzierung geplatzt. Ausgerechnet der Eigentümer stellt sich quer. Nun sollen die Anlagen abgeschaltet werden, dabei könnte es große technische Schäden geben. Auch zahlreiche Zulieferer sind betroffen. (MZ)

Dem Domo-Werk droht die Abschaltung.
Dem Domo-Werk droht die Abschaltung.
Foto: Katrin Sieler

Tech-Firmen im Aufwind

Die Zahl der neuen Start-ups hat in Deutschland 2025 einen neuen Höchststand erreicht. Auch in Sachsen-Anhalt gibt es mehr junge Technologiefirmen. Sachsen führt im Osten. (MZ)

Auch in Ostdeutschland steig die Zahl der neuen Start-ups.
Auch in Ostdeutschland steig die Zahl der neuen Start-ups.
Grafik: Kroschel

Zalando schließt Logistikstandort in Erfurt

Der Modehändler schließt seinen 2012 eröffneten Logistikstandort in Erfurt Ende September. 2.700 Mitarbeiter sind betroffen. Grund dafür ist ein Umbau nach der Übernahme des Konkurrenten About You im vergangenen Jahr. Der Schock in Erfurt ist groß. (MZ)

Bald dicht: Das Erfurter Zalando-Lager ist der aktuellste Sorgenfall.
Bald dicht: Das Erfurter Zalando-Lager ist der aktuellste Sorgenfall.
Foto: Jacob Schröter/dpa

BMW-Werk Leipzig mit Rekord

Gegen den Trend in der deutschen Autobranche: 259.430 Fahrzeuge liefen 2025 im Leipziger BMW-Werk vom Band – ein neuer Höchstwert in der 20-jährigen Werksgeschichte. Werkchefin Petra Peterhänsel erklärt den Grund. (MZ)

Rohkarossen fahren durch das BMW-Werk in Leipzig. In der sächsischen Metropole fertigen rund 6.800 Mitarbeiter im Moment die Modelle 1er, das 2er Gran Coupé, den 2er Active Tourer und den Mini Countryman
Rohkarossen fahren durch das BMW-Werk in Leipzig. In der sächsischen Metropole fertigen rund 6.800 Mitarbeiter im Moment die Modelle 1er, das 2er Gran Coupé, den 2er Active Tourer und den Mini Countryman
Foto: Jan Woitas/dpa

Möbelriese Höffner plant Qutlet

Ende März ist Schluss für Möbel Kraft in Halle-Peißen. Nun äußert sich Inhaber Kurt Krieger detailliert zur Zukunft des Standorts. Es soll ein erstes Höffner-Outlet entstehen. Die Planungen übernimmt sein Sohn. (MZ)

Stahl auch für Panzer

Stahl aus Ilsenburg landet in Windrädern, Baggern – und verstärkt auch in Geldtransportern und Panzern. Mit welchen Strategien die Salzgitter-Tochter Ilsenburger Grobblech GmbH dem Weltmarkt begegnet. (MZ)

Straßenbahnbauer gerettet

Aufatmen in Leipzig: Das polnische Unternehmen Pesa übernimmt Heiterblick, sichert Jobs und will die Produktion kräftig ankurbeln. Was das für laufende Aufträge und die Zukunft des Standorts bedeutet. (MZ)

In Leipzig werden weiter Straßenbahnen gebaut
In Leipzig werden weiter Straßenbahnen gebaut
Foto: Heiterblick

Streit beim Versandhändler

Der Online-Händler Momox mit über 1300 Beschäftigten in Leipzig steht stark in der Kritik. Hoher Druck, schlechte Arbeitsbedingungen und ein angebliches „Klima der Angst”: Die Vorwürfe haben es in sich. Das Unternehmen verteidigt sich. Was steckt hinter der Aufregung? (LVZ)