Aktion wegen Niedrigpreisen Sächsischer Bauer bleibt auf Ernte sitzen: Jetzt wird ein riesiger Kartoffelberg verschenkt
Die „Osterland Agrar“ gibt bis zu 4.000 Tonnen Kartoffeln kostenlos ab. Zeitungen und die grüne Suchmaschine Ecosia unterstützen die Aktion

Halle/MZ. - Eine gute Kartoffelernte lässt einige Bauern verzweifeln. Um bis zu 60 Prozent sind die Preise für die Erzeuger gefallen, einige bleiben auch ganz auf ihrer Ware sitzen. So auch der große Betrieb „Osterland Agrar“ im sächsischen Frohburg.
Suchmaschine und Zeitungen bezahlen Transport und Logistik
„Wir hatten zwar feste Lieferverträge mit Händlern, doch aufgrund der enormen Mengen im Markt und niedriger Preise mussten wir diese auflösen“, sagt Geschäftsführer Hans-Joachim von Massow. In seinen Hallen lagert nun ein riesiger Kartoffelberg von 4.000 Tonnen.
Damit die Kartoffeln nicht verderben oder untergepflügt werden müssen, entschloss sich von Massow zu einer ungewöhnlichen Aktion. Gemeinsam mit der Zeitung „Berliner Morgenpost“ und der grünen Suchmaschine Ecosia werden die Erdäpfel in Berlin kostenlos, etwa an kirchliche Einrichtungen oder Vereine, geliefert. Ecosia übernimmt die Transportkosten und Logistikkosten von Osterland, die Zeitung hilft bei der Verteilung in Berlin.
Die Tafeln in Sachsen profitieren
„Mit der Aktion wollen wir auch auf die schwierige Lage in der Landwirtschaft aufmerksam machen und für die Kartoffel werben“, sagt von Massow. Es könne nicht sein, dass wertvolle Lebensmittel verderben, weil es keine Abnehmer gebe. Die „Leipziger Volkszeitung “ und die „Sächsische Zeitung“ haben sich der Aktion angeschlossen. In Sachsen sollen nun die Tafeln die Kartoffeln an Bedürftige verteilen. Die Zeitungen übernehmen laut von Massow die Transportkosten.
Der Grund für den Preisabsturz: Es herrscht ein krasses Überangebot. „Die Anbaufläche in ganz Europa ist in den vergangenen Jahren deutlich größer geworden“, sagte Sachsen-Anhalts Bauernbund-Chef Martin Dippe zuletzt der Volksstimme.
Erzeugerpreise um bis zu 60 Prozent gesunken
Allein in Deutschland wuchs sie laut Bundeslandwirtschaftsministerium im Vergleich zum vergangenen Jahr um 6,7 Prozent auf 310.000 Hektar. Entsprechend liegen die Erträge um bis zu fünf Prozent höher als im langjährigen Durchschnitt.
Nach Schätzungen des Bauernbundes Sachsen-Anhalt lag der Ladenpreis für Speisekartoffeln im November 2025 bei durchschnittlich einem Euro pro Kilogramm – deutlich weniger als in der jüngeren Vergangenheit. „Zuletzt sind die Kartoffelpreise im Lebensmitteleinzelhandel um bis zu 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken. Landwirte hingegen bekommen für ihr Produkt mindestens 60 Prozent weniger als im Vorjahr“, sagte Landwirt Philipp von Bodenhausen dem Blatt. Denn sie verkaufen ihr Produkt in der Regel über einen Zwischenhändler an den Lebensmitteleinzelhandel. Und der drückt diese Erzeugerpreise auf ein niedriges Niveau.