1. MZ.de
  2. >
  3. Newsletter
  4. >
  5. Halle
  6. >
  7. Hier in Halle, Newsletter vom 28. Februar 2026: Alles andere als sprachlos war Halle in dieser Woche

Hier in Halle, Newsletter vom 28. Februar 2026 Alles andere als sprachlos war Halle in dieser Woche

Das Zukunftszentrum wird nun doch viel teurer, die freien Träger kämpfen um Geld für die Existenz ihrer Einrichtungen, Möbel Kraft verkauft bald wieder Einrichtungsgegenstände.

28.02.2026, 06:00
Hier in Halle schreibt Ihnen heute Frank Klemmer.
Hier in Halle schreibt Ihnen heute Frank Klemmer. (Grafik: Tobias Büttner)

mal ehrlich, reden Sie auch schon mal mit sich selbst? Wegen des kompetenten Gesprächspartners? Oder weil ausnahmsweise mal keiner widerspricht? Soll es tatsächlich geben. Doch gerade erst habe ich festgestellt, dass nicht jedes Gespräch ohne Gegenüber ein Selbstgespräch sein muss.

Wie das sein kann? Ich stand mal wieder am Hauptbahnhof und wunderte mich, wie viele Menschen mir vor sich hin sprechend entgegenkamen. Nun wollte ich natürlich niemandem zu nahe treten - es kann ja dafür immer einen guten Grund geben. Das finde ich zumindest.

Selbstgespräche? Oder Telefonat? Oder einfach nur Stimmengewirr?

Erst auf den zweiten Blick stellte ich dann allerdings fest, dass das alles damit gar nichts zu tun hatte: Ich sah nämlich den Knopf im Ohr. Will heißen: Keiner von denen, die da an mir vorbeiliefen, war wirklich mit sich selbst im Gespräch, sondern über Bluetooth mit seinem Handy verbunden - und am anderen Ende war jemand, der zuhörte.

Wer so durch Welt geht, sieht aus, als führe er Selbstgespräche, macht es aber gar nicht. Warum eigentlich nicht?
Wer so durch Welt geht, sieht aus, als führe er Selbstgespräche, macht es aber gar nicht. Warum eigentlich nicht?
(Symbolfoto: dpa)

Und so erzählten sie sich alle etwas, während sie da auf die Tram warteten - nur eben nicht untereinander, sondern mit ihren fernen Verbindungen. Von außen betrachtet eine ziemlich gesprächige Runde, sagte ich zu mir selbst - und musste schmunzeln. Weil das kein anderer zu hören bekam. Außer Ihnen jetzt hier, wenn Sie das lesen.

Das Zukunftszentrum wird doch viel teurer

Was noch keiner zu hören bekommen hat, war das, was unser stellvertretender Chefredakteur Kai Gauselmann in dieser Woche exklusiv berichtet hat: Das Zukunftszentrum in Halle dürfte erheblich werden als ursprünglich geplant. Erste Sorgen machen sich breit, dass dies das Projekt gefährden könnte, wie Kollege Dirk Skrzypczak in Erfahrung gebracht - eventuell weil Halle keine Lobby in Berlin haben könnte.

Teurer Spaß: Das Zukunftszentrum soll deutlich teurer werden als ursprünglich geplant.
Teurer Spaß: Das Zukunftszentrum soll deutlich teurer werden als ursprünglich geplant.
(Repro: Marvin Matzulla)

Andererseits hatte Kollege Skrzypczak erst jüngst auch darüber berichtet, dass das ganze Projekt noch immer eher wie ein Fremdkörper in der Stadt wirkt, weil bisher viele sich nicht wirklich etwas darunter vorstellen können. Für diese vielen ist die Kostenentwicklung da natürlich ein gefundenes Fressen.

Da bleibt tatsächlich die Frage, ob das größte Problem die Lobby von Halle in Berlin ist oder nicht eher die des Zukunftszentrums in Halle.

Wie teuer darf die Kinder- und Jugendarbeit in der Stadt sein?

Denn dass es gerade in Halle ohnehin ums Geld geht und dabei ans Eingemachte, das durften die Stadträte und der Oberbürgermeister am Mittwoch vor der Ratssitzung erleben: Über 1.000 Menschen waren auf den Marktplatz gekommen, um gegen die prekäre Lage der von freien Trägern betriebenen sozialen Einrichtungen auch und vor allem für Kinder- und Jugendliche in der Stadt zu protestieren.

Das Licht ist aus. Paula Herzog, Robert Saß und viele Mitstreiter haben viel Kraft in das Offspace gesteckt. War alles umsonst?
Das Licht ist aus. Paula Herzog, Robert Saß und viele Mitstreiter haben viel Kraft in das Offspace gesteckt. War alles umsonst?
(Foto: Dirk Skrzypczak)

Immer mehr dieser Einrichtungen stehen vor dem Aus. Immer größere, früher gefeierte, weil für die Entwicklung der Stadt bedeutende sind betroffen - wie Congrav, 2022 noch mit dem Goldenen Stern des Sports ausgezeichnet.

Viel wurde in den vergangenen Wochen darüber gemunkelt, nach und nach brodelte es nach oben - und am Mittwoch zeigte der Protest auf dem Marktplatz, wie viele Menschen das in Halle bewegt.

Etwas mitzuteilen hatte Halles Oberbürgermeister Alexander Vogt  den Teilnehmern der Demo auf dem Marktplatz.
Etwas mitzuteilen hatte Halles Oberbürgermeister Alexander Vogt den Teilnehmern der Demo auf dem Marktplatz.
(Foto: Steffen Schellhorn)

Die Stimmung dabei, auch als OB Alexander Vogt der Menge plötzlich eine kurzfristige Lösung präsentieren konnte, haben meine Kollegen Jonas Nayda, Isabell Sparfeld und Marvin Matzulla auf dem Marktplatz und in der Ratssitzung eingefangen.

Und einmal mehr haben wir festgestellt, wie sehr Stadtpolitik die Menschen bewegt, wenn es ans Eingemachte geht - ans Geld.

Möbel Kraft macht zu - aber bald doch wieder auf

Ums Geld geht es auch beim Möbelkauf - und genauso auch beim Verkauf. Dass in Peißen bei Möbel Kraft jetzt keine Möbel mehr verkauft werden, hatten die Kollegen schon häufiger berichtet. Anfangs war es eine Überraschung, das Schluss sein wird. Dann war überraschend, was Höffner-Chef Kurt Krieger, dem auch Möbel Kraft gehört, dort wirklich vorhat: unter anderem ein Höffner-Outlet soll entstehen.

Erst zu, bald wieder auf: Möbel Kraft öffnet in Peißen doch wieder.
Erst zu, bald wieder auf: Möbel Kraft öffnet in Peißen doch wieder.
(Foto: Dirk Skrzypczak)

Mindestens genauso überraschend wie die erste und die zweite Nachricht war dann das, was Kollege Dirk Skrzypczak in dieser Woche in Taucha erfuhr, als er Krieger bei der Eröffnung des dortigen neuen Höffners traf: Das Höffner-Outlet in Peißen lässt erstmal auf sich warten, stattdessen macht Möbel Kraft jetzt doch noch mal auf.

Angesichts der bisherigen Überraschungen frage ich mich jetzt aber wirklich ernsthaft, welche überraschende Wendung die Sache mit den Möbeln in Peißen noch nehmen kann. Bisher habe ich keine Lösung gefunden - weder in Selbstgesprächen noch in denen mit den Kollegen.

Ein wunderschönes Wochenende wünscht Ihnen

Ihr Frank Klemmer