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MZ-Wirtschaftsnewsletter vom 5. Januar 2026 Marode Einkaufstempel: Halle will Center schließen

Weitere Themen: IWH wappnet sich für AfD-Sieg / Maschinenbauer schließt / Domo sucht Investor / Städter nutzen Deutschlandticket / Cannabisfirma baut aus

Aktualisiert: 05.02.2026, 09:10
Maroder Einkaufstempel: Das Südstadtcenter in Halle.
Maroder Einkaufstempel: Das Südstadtcenter in Halle. Foto: Stedtler

es ist ein in Mitteldeutschland einmaliger Fall: Aufgrund erheblicher Brandschutzmängel hat die Stadt Halle dem Betreiber des Einkaufszentrums Südstadtcenter in Halle die Nutzung untersagt. Betroffen sind unter anderem große Einzelhändler wie Kaufland, Tedi und dm.

Der Eigentümer hat offenbar kein Geld, um die notwendigen Investitionen zu tätigen – oder will diese nicht mehr tätigen. Einige Mieter sind bereits geflüchtet, andere stehen kurz vor dem Absprung.

Das Südstadtcenter in Halle soll wegen Brandschutzmängeln schließen.
Das Südstadtcenter in Halle soll wegen Brandschutzmängeln schließen.
Foto: Steffen Schellhorn

Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die insgesamt schwierige Situation vieler Einkaufszentren. Im Dessau-Center stehen ganze Ladenzeilen leer, Rolltreppen sind stillgelegt. „Die Leerstände im Dessau Center sind uns selbstverständlich bewusst“, sagt eine Sprecherin des Verwalters. Gemeinsam mit dem Eigentümer werde aktuell eine „Umnutzung und Teilumnutzung“ geprüft.

In der Bauhausstadt wird darüber diskutiert, ob in das Center Behörden oder Schulen einziehen könnten. Auch ein Abriss des erst 2008 errichteten Einkaufstempels wird nicht ausgeschlossen. Selbst noble Einkaufsmeilen wie das Neo im erst neu umgebauten Karstadt-Einkaufszentrum in der Leipziger Innenstadt stehen zum großen Teil leer.

Eine Rolltreppe in Dessau-Center ist abgestellt.
Eine Rolltreppe in Dessau-Center ist abgestellt.
Foto: Thomas Ruttke

Die Krise der Malls hat viel mit der Krise des Modehandels zu tun. Die Liste mit Insolvenzen ist lang: Esprit, Ahlers-Konzern (Baldessarini, Pierre Cardin, Pioneer, Otto Kern). Hallhuber. Gerry Weber, Orsay, Görtz, Bonita, Pimkie, Dollinger, Onygo, Scotch & Soda und einige mehr. Etliche Händler sind verschwunden oder deutlich geschrumpft.

Nur gut ein Fünftel der Einzelhändler in Deutschland rechnet in diesem Jahr mit einem Umsatzplus. Laut einer Umfrage, die der deutsche Handelsverband im Januar durchgeführt hatte, schätzen Bekleidungs- und Schuhhändler ihre Geschäftslage schlechter ein, als beispielsweise Lebensmittel-, Kosmetik- oder Möbelhändler.

Nach Angaben von Handelsexpertin Antje Bauer von der IHK Halle-Dessau haben Modehändler bundesweit einerseits mit Kostenexplosionen bei gleichzeitig stagnierenden Umsätzen zu kämpfen. Viel Geschäft wandert in den Online-Handel ab.

Doch das ist kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Es gibt auch positive Beispiele: Die Leipziger Immobilienfirma Norkon lässt aktuell einen Teil des ehemaligen Kaufhofs in Halle umbauen. Der große Sporthändler Intersport wird dort einen Superstore einrichten.

Wettbewerber Decathlon will im Sommer ins Halle-Center in Peißen einziehen. Shopping, Gastronomie und Freizeitangebote, wie Kletterhalle oder Fitnesscenter, unter einem Dach ziehen weiter Menschen an. Die Kunden wollen nicht nur einkaufen, sie wollen Erlebnisse.

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Der Newsletter legt in der kommenden Woche ein Pause ein. Die nächste Ausgabe erscheint am 19. Februar. Bis dahin, herzlich Steffen Höhne

Weitere wichtige Wirtschaftsthemen aus Mitteldeutschland in dieser Woche:

IWH wappnet sich für AfD-Sieg

Schon jetzt denkt das IWH über Vorkehrungen für den Fall nach, dass die AfD im September die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt gewinnt, sagt dessen Präsident Reint Gropp. Was würde ein Wahlsieg denn für die Forschung und die Wirtschaft bedeuten? Gropp im MZ-Interview (MZ)

Wirtschaftsforscher Reint Gropp führt das IWH. Er hat immer eine klare Meinung.
Wirtschaftsforscher Reint Gropp führt das IWH. Er hat immer eine klare Meinung.
Foto: imago/Jakob Hoff

Gasreserve gegen leere Speicher

Wegen der niedrigen Temperaturen leeren sich die Erdgasspeicher – auch in Mitteldeutschland. Netzagenturchef Müller plädiert nun für Reserven wie beim Öl. (MZ)

Die Füllstände der Erdgasspeicher liegen deutlich unter dem Niveau von 2025.
Die Füllstände der Erdgasspeicher liegen deutlich unter dem Niveau von 2025.
Foto: Kroschel

Rotkäppchen bleibt nüchtern

Die Sektkellerei aus Fryburg bringt im März einen alkoholfreien Rotkäppchen-Wein (rot, rosé, weiß) heraus. Der Markt wächst stark. Kommt 0,0-Wein aus der Nische?

Rotkäppchen-Chefin Silvia Wiesner sieht alkoholfreie Genussgetränke nicht mehr als Nischenprodukte.
Rotkäppchen-Chefin Silvia Wiesner sieht alkoholfreie Genussgetränke nicht mehr als Nischenprodukte.
Foto: Torsten Biel

Wasserstoffprojekt auf Eis

Ein Elektrolyseur zur Produktion von grünem Wasserstoff in Mansfeld-Südharz sollte in Helbra entstehen. Unternehmen wie die Großbäckerei Aryzta in Eisleben unterstützten das Vorhaben, das nun aber plötzlich nicht weiterverfolgt wird. (MZ)

So wird das Deutschlandticket genutzt

Daten für Sachsen-Anhalt zeigen erstmals konkret, wo das Deutschlandticket vor allem genutzt wird – und wo nicht. Warum der Fahrschein wieder teurer werden könnte. (MZ)

So wird das Deutschlandticket in den Landkreisen genutzt.
So wird das Deutschlandticket in den Landkreisen genutzt.
Grafik: Tobias Büttner

Maschinenbauer schließt

Der Automation-, Sonder- und Werkzeugmaschinen-Hersteller aus Naumburg schließt. Nach der Insolvenz sollte der Traditionsbetrieb eigentlich gerettet werden. Doch der Sanierungsversuch ist trotz gefüllter Auftragsbücher gescheitert. Was die Gründe dafür sind. (MZ)

Heizungsverkauf bricht ein

2025 wurden so wenige Heizungen verkauft und eingebaut wie in 15 Jahren nicht mehr. Öl und Gas erleben einen deutlichen Rückgang, Wärmepumpen bleiben hingegen stabil. Branchenexperten fordern nun Klarheit von der Bundesregierung. (MZ)

Der Absatz neuer Heizungen ist in Deutschland 2025 eingebrochen.
Der Absatz neuer Heizungen ist in Deutschland 2025 eingebrochen.
Grafik: Adobe Stock; Grafik: MRM/Büttner

Lost Place im Harz erwacht

Mit ambitionierten Plänen wollen Investoren das ehemalige Ferienheim „Fritz-Heckert“ in Gernrode in ein attraktives Touristenziel verwandeln. Der Startschuss für das Großprojekt soll in wenigen Wochen fallen. (MZ)

Häfen mit mehr Umschlag

Trotz Baustellen und Brückeneinsturz: Die sächsischen Häfen legen beim Güterumschlag zu. Die Aussichten für 2026 bleiben dennoch verhalten. (MZ)

Cannabis-Hersteller erweitert

Menschen mit Multipler Sklerose, ADHS und anderen Krankheiten konsumieren teils medizinisches Cannabis, um sich besser zu fühlen. Der Hersteller Aurora investiert weiter im Chemiepark in Leuna. (MZ)

 Stephan Kaster, Produktionsleiter beim Cannabis-Hersteller Aurora im Chemiepark Leuna, begutachtet Cannabispflanzen in einem Blütenraum der Produktion.
Stephan Kaster, Produktionsleiter beim Cannabis-Hersteller Aurora im Chemiepark Leuna, begutachtet Cannabispflanzen in einem Blütenraum der Produktion.
Foto: Hendrik Schmidt/dpa

Brauereien verkaufen weniger Bier

In Sachsen-Anhalt wird weniger Bier getrunken. Anders als im Bundesschnitt fällt der Rückgang aber gering aus. Was die Gründe für den Trend sind – und wo in Deutschland der Bierverkauf deutlich stärker einbricht. (VS)

Bierabsatz in Deutschland geht zurück
Bierabsatz in Deutschland geht zurück
Grafik: Kroschel/MRM/DPA

Leuchten Manufaktur gibt auf

Handgefertigte Kronleuchter aus Wurzen hängen in historischen Gebäuden in ganz Deutschland. Doch nach einer Insolvenz kommt jetzt das Aus für den Betrieb. (MZ)

Sachsens Autobauer legen zu

Trotz der Absatzschwäche am Automarkt hat Sachsens Autoindustrie 2025 mehr Fahrzeuge produziert. An welchen Standorten es besonders gut läuft und wo der Produktionsmotor stottert. (MZ)

Domo sucht Investoren

An seinen deutschen Standorten ist Domo Chemicals zahlungsunfähig. Auch einigen Mitbewerbern geht es schlecht. Womit das Chemieunternehmen mögliche Investoren dennoch überzeugen könnte. (MZ)