MZ-Wirtschaftsnewsletter vom 5. Januar 2026 Marode Einkaufstempel: Halle will Center schließen
Weitere Themen: IWH wappnet sich für AfD-Sieg / Maschinenbauer schließt / Domo sucht Investor / Städter nutzen Deutschlandticket / Cannabisfirma baut aus

es ist ein in Mitteldeutschland einmaliger Fall: Aufgrund erheblicher Brandschutzmängel hat die Stadt Halle dem Betreiber des Einkaufszentrums Südstadtcenter in Halle die Nutzung untersagt. Betroffen sind unter anderem große Einzelhändler wie Kaufland, Tedi und dm.
Der Eigentümer hat offenbar kein Geld, um die notwendigen Investitionen zu tätigen – oder will diese nicht mehr tätigen. Einige Mieter sind bereits geflüchtet, andere stehen kurz vor dem Absprung.

Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die insgesamt schwierige Situation vieler Einkaufszentren. Im Dessau-Center stehen ganze Ladenzeilen leer, Rolltreppen sind stillgelegt. „Die Leerstände im Dessau Center sind uns selbstverständlich bewusst“, sagt eine Sprecherin des Verwalters. Gemeinsam mit dem Eigentümer werde aktuell eine „Umnutzung und Teilumnutzung“ geprüft.
In der Bauhausstadt wird darüber diskutiert, ob in das Center Behörden oder Schulen einziehen könnten. Auch ein Abriss des erst 2008 errichteten Einkaufstempels wird nicht ausgeschlossen. Selbst noble Einkaufsmeilen wie das Neo im erst neu umgebauten Karstadt-Einkaufszentrum in der Leipziger Innenstadt stehen zum großen Teil leer.

Die Krise der Malls hat viel mit der Krise des Modehandels zu tun. Die Liste mit Insolvenzen ist lang: Esprit, Ahlers-Konzern (Baldessarini, Pierre Cardin, Pioneer, Otto Kern). Hallhuber. Gerry Weber, Orsay, Görtz, Bonita, Pimkie, Dollinger, Onygo, Scotch & Soda und einige mehr. Etliche Händler sind verschwunden oder deutlich geschrumpft.
Nur gut ein Fünftel der Einzelhändler in Deutschland rechnet in diesem Jahr mit einem Umsatzplus. Laut einer Umfrage, die der deutsche Handelsverband im Januar durchgeführt hatte, schätzen Bekleidungs- und Schuhhändler ihre Geschäftslage schlechter ein, als beispielsweise Lebensmittel-, Kosmetik- oder Möbelhändler.
Nach Angaben von Handelsexpertin Antje Bauer von der IHK Halle-Dessau haben Modehändler bundesweit einerseits mit Kostenexplosionen bei gleichzeitig stagnierenden Umsätzen zu kämpfen. Viel Geschäft wandert in den Online-Handel ab.
Doch das ist kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Es gibt auch positive Beispiele: Die Leipziger Immobilienfirma Norkon lässt aktuell einen Teil des ehemaligen Kaufhofs in Halle umbauen. Der große Sporthändler Intersport wird dort einen Superstore einrichten.
Wettbewerber Decathlon will im Sommer ins Halle-Center in Peißen einziehen. Shopping, Gastronomie und Freizeitangebote, wie Kletterhalle oder Fitnesscenter, unter einem Dach ziehen weiter Menschen an. Die Kunden wollen nicht nur einkaufen, sie wollen Erlebnisse.
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Der Newsletter legt in der kommenden Woche ein Pause ein. Die nächste Ausgabe erscheint am 19. Februar. Bis dahin, herzlich Steffen Höhne
Weitere wichtige Wirtschaftsthemen aus Mitteldeutschland in dieser Woche:
IWH wappnet sich für AfD-Sieg
Schon jetzt denkt das IWH über Vorkehrungen für den Fall nach, dass die AfD im September die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt gewinnt, sagt dessen Präsident Reint Gropp. Was würde ein Wahlsieg denn für die Forschung und die Wirtschaft bedeuten? Gropp im MZ-Interview (MZ)

Gasreserve gegen leere Speicher
Wegen der niedrigen Temperaturen leeren sich die Erdgasspeicher – auch in Mitteldeutschland. Netzagenturchef Müller plädiert nun für Reserven wie beim Öl. (MZ)

Rotkäppchen bleibt nüchtern
Die Sektkellerei aus Fryburg bringt im März einen alkoholfreien Rotkäppchen-Wein (rot, rosé, weiß) heraus. Der Markt wächst stark. Kommt 0,0-Wein aus der Nische?

Wasserstoffprojekt auf Eis
Ein Elektrolyseur zur Produktion von grünem Wasserstoff in Mansfeld-Südharz sollte in Helbra entstehen. Unternehmen wie die Großbäckerei Aryzta in Eisleben unterstützten das Vorhaben, das nun aber plötzlich nicht weiterverfolgt wird. (MZ)
So wird das Deutschlandticket genutzt
Daten für Sachsen-Anhalt zeigen erstmals konkret, wo das Deutschlandticket vor allem genutzt wird – und wo nicht. Warum der Fahrschein wieder teurer werden könnte. (MZ)

Maschinenbauer schließt
Der Automation-, Sonder- und Werkzeugmaschinen-Hersteller aus Naumburg schließt. Nach der Insolvenz sollte der Traditionsbetrieb eigentlich gerettet werden. Doch der Sanierungsversuch ist trotz gefüllter Auftragsbücher gescheitert. Was die Gründe dafür sind. (MZ)
Heizungsverkauf bricht ein
2025 wurden so wenige Heizungen verkauft und eingebaut wie in 15 Jahren nicht mehr. Öl und Gas erleben einen deutlichen Rückgang, Wärmepumpen bleiben hingegen stabil. Branchenexperten fordern nun Klarheit von der Bundesregierung. (MZ)

Lost Place im Harz erwacht
Mit ambitionierten Plänen wollen Investoren das ehemalige Ferienheim „Fritz-Heckert“ in Gernrode in ein attraktives Touristenziel verwandeln. Der Startschuss für das Großprojekt soll in wenigen Wochen fallen. (MZ)
Häfen mit mehr Umschlag
Trotz Baustellen und Brückeneinsturz: Die sächsischen Häfen legen beim Güterumschlag zu. Die Aussichten für 2026 bleiben dennoch verhalten. (MZ)
Cannabis-Hersteller erweitert
Menschen mit Multipler Sklerose, ADHS und anderen Krankheiten konsumieren teils medizinisches Cannabis, um sich besser zu fühlen. Der Hersteller Aurora investiert weiter im Chemiepark in Leuna. (MZ)

Brauereien verkaufen weniger Bier
In Sachsen-Anhalt wird weniger Bier getrunken. Anders als im Bundesschnitt fällt der Rückgang aber gering aus. Was die Gründe für den Trend sind – und wo in Deutschland der Bierverkauf deutlich stärker einbricht. (VS)

Leuchten Manufaktur gibt auf
Handgefertigte Kronleuchter aus Wurzen hängen in historischen Gebäuden in ganz Deutschland. Doch nach einer Insolvenz kommt jetzt das Aus für den Betrieb. (MZ)
Sachsens Autobauer legen zu
Trotz der Absatzschwäche am Automarkt hat Sachsens Autoindustrie 2025 mehr Fahrzeuge produziert. An welchen Standorten es besonders gut läuft und wo der Produktionsmotor stottert. (MZ)
Domo sucht Investoren
An seinen deutschen Standorten ist Domo Chemicals zahlungsunfähig. Auch einigen Mitbewerbern geht es schlecht. Womit das Chemieunternehmen mögliche Investoren dennoch überzeugen könnte. (MZ)