Hochwasser in Sachsen-Anhalt

Hochwasser in Sachsen-Anhalt: Helfer schützen Schloss Großkühnau

Magdeburg/Halle/Bitterfeld/Wittenberg/MZ - Tausende Menschen in Sachsen-Anhalt kämpfen gegen das Hochwasser an Elbe, Mulde, Saale und Schwarzer Elster. Kritisch ist die Lage vor allem im Norden des Landes. Im Raum Magdeburg liegt der Elbe-Pegel über der Marke des Hochwassers von 2002, die Lage ist kritisch. Nach Angaben von Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) könnte ein Höchsttand von 7,30 Meter erreicht werden. Bislang waren für Sonntag 7,20 Meter erwartet worden. Am Freitag lag der Pegelstand nach Angaben von Trümper bei 7,11 Meter - normal sind etwa 2 ...

07.06.2013, 06:48

Tausende Menschen in Sachsen-Anhalt kämpfen gegen das Hochwasser an Elbe, Mulde, Saale und Schwarzer Elster. Kritisch ist die Lage vor allem im Norden des Landes. Im Raum Magdeburg liegt der Elbe-Pegel über der Marke des Hochwassers von 2002, die Lage ist kritisch. Nach Angaben von Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) könnte ein Höchsttand von 7,30 Meter erreicht werden. Bislang waren für Sonntag 7,20 Meter erwartet worden. Am Freitag lag der Pegelstand nach Angaben von Trümper bei 7,11 Meter - normal sind etwa 2 Meter.

Am Schloss im Dessauer Stadtteil Großkühnau haben Helfer begonnen, auf etwa 180 Meter Länge einen Sandsackwall zu errichten, um das Schloss zu schützen. In Großkühnau war erst vor zwei Wochen ein Hochwasserschutzdeich offiziell übergeben worden, dem sechsjährige Planungen vorausgingen. Am Schloss Luisium in Dessau Waldersee ist die Lage zurzeit unübersichtlich. Meldungen, wonach vorgelagerte Ringdeich zu brechen drohe, konnte der Katastrophenstab nicht bestätigen. Auch in Dessau hat der Elbe-Pegel den Rekord von 2002 übertroffen: Um 11 Uhr lag der Pegel bei 7,17 Meter, ein Zentimeter über dem Wert von 2002.

In der Lutherstadt Wittenberg erwartet man Freitagabend den Scheitel der Elbe-Flut. Hier steigen die Pegel weiter an. In Elster an der Elbe läuft das Wasser weiter über einen Behelfsdamm in den Ort, der am Donnerstagmorgen aufgegeben worden war, teilte Olaf Kurzhals vom Katastrophenschutzstab der Kreisverwaltung am Freitagmorgen mit. Die Elbbrücke in Wittenberg sei nicht gefährdet, allerdings könnte es an den Flutbrücken nahe Pratau zum Rückstau kommen, sollte das Wasser weiter steigen.

Kritisch sei die Situation auch an der Autobahn 9 im Kreis Wittenberg bei Vockerode, sagte Kurzhals. Das Hochwasser auf den Poldern zwischen dem Dianenwall, dem Gatzer Bergdeich und der Autobahn 9 drohe die Fahrbahn zu überschwemmen. Wie man hier reagierte, sei noch unklar. Bereits in der Nacht zu Dienstag war auf der A 9 bei Vockerode auf rund zwei Kilometer Länge mit Sandsäcken gesichert worden.

Ein in der Nacht zu Freitag gemeldete Bruch des Deichs an der Schwarzen Elster bei Hemsendorf und Gorsdorf, zwei Ortsteilen der Stadt Jessen, habe trotz eines Lecks von rund 20 Meter Länge kaum Auswirkungen, sagte Olaf Kurzhals. Das Flusswasser fließe hier vor allem auf Felder. Die anderen kritischen Punkte und Sickerstellen im Kreis Wittenberg sollen im Laufe des Freitags mit Unterstützung von insgesamt fünf Bundeswehr-Hubschraubern geschlossen werden. Dies betrifft auch einen Deichbruch an der Schwarzen Elster zwischen Klossa (Kreis Wittenberg) und Arnsnesta (Kreis Elbe-Elster) in Brandenburg.

Kurzhals bestätigte den tödlichen Unfall eines 74 Jahre alten Mannes, der am Donnerstagabend in Priesitz, einem Ortsteil von Pretzsch, von einem Radlader erfasst worden war und noch an der Unfallstelle starb. Der Zusammenstoß mit der Baumaschine passierte an der Einfahrt eines ehemaligen Sportplatzes, wo Sandsäcke mit Hubschraubern abtransportiert wurden.

Die Stadt Magdeburg bekommt Hilfe von weiteren 1.500 Bundeswehr-Soldaten. Die Männer und Frauen der Panzerbrigade 21 stünden ab dem Abend den Katastrophenschutzstäben in Magdeburg und Umgebung zur Verfügung, teilte der Krisenstab der Landesregierung mit. Am Vormittag will sich Bundesverteidigungsminister Thomas de Maiziere (CDU) über das Hochwasser in Sachsen-Anhalt informieren und sich dabei mit Landes-Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) und Oberst Claus Körbi besprechen, dem Kommandeur des Landeskommandos. Innenminister Stahlknecht leitet den Krisenstab.

Weil in Bitterfeld noch immer die Überflutung durch den überlaufenden Goitzsche-See droht, wurde die Innenstadt am Freitag abgeriegelt. Wie Aloys Tappel vom Katastrophenstab des Kreises Anhalt-Bitterfeld berichtete, habe man die Bewohner östliche der Bahnlinie in Bitterfeld sowie die Bewohner in Friedersdorf westlich der Straße nach Muldenstein aufgefordert, sofort diese Gebiete zu verlassen. Busse für die Evakuierung standen ab 7.30 Uhr an allen Haltestellen in dem zu evakuierenden Bereich in Bitterfeld zur Verfügung. Anlass der Evakuierungen sei die Sicherung von Deichen am Lober-Leine-Kanal (Seelhausener See), wodurch die Gefahr eines Wassereinbruchs in den Goitzsche-See steige.

Unverändert angespannt ist die Lage in der Talstadt von Bernburg. Der Saale-Pegel sei von 6,50 Meter am Donnerstag leicht auf 6,41 Meter am Freitagmorgen gefallen, sagte Stadt-Sprecher Wolfgang Knopf am Freitagmorgen. „Das bringt aber noch keine große Entspannung.“ Eine Zwangs-Evakuierung der Bewohner in der Talstadt sei dennoch nicht geplant. Für Menschen, die ihre Häuser trotzdem verlassen wollen, stünden zwei Turnhallen zur Verfügung. Rund 230 Häuser in der Talstadt seien zurzeit ohne Strom. Die Flutbrücke sei weiterhin gesperrt.

In Halle, wo Teile der Innenstadt und Halle-Neustadts überschwemmt sind, ging der Saale-Pegel zwar auf 7,45 Meter zurück, fast 10 Zentimeter weniger als in der Nacht, „von Entwarnung kann aber keine Rede sein“, sagte Pressesprecher Drago Bock am Freitagmorgen. Der Druck auf den Passendorfer Deich und den Gimritzer Damm sei nach wie vor extrem hoch, „da kann jederzeit etwas passieren“. Aus diesem Grund liegen bei der Stadtwirtschaft in der Äußeren Hordorfer Straße 50.000 gefüllte Sandsäcke für Notfälle bereit, dazu gebe es weitere 100.000 leere Sandsäcke. Bock warnte die Hallenser wegen der Gefahren und der Hygiene, in den Hochwassergebieten „baden zu gehen oder Wassersport zu reiben“. Gegen 9 Uhr wurde der Glauchaer Platz („Knoten 46) wieder für den Straßenverkehr freigegeben.

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An der Elbe in Aken (Kreis Anhalt-Bitterfeld) werden am Freitag keine weiteren freiwilligen Helfer benötigt. Das hat der Landesbetrieb für Hochwasserschutz (LHW) am Donnerstag entschieden. Die Deicherhöhung zwischen Lorf bei Aken und Breitenhagen (Salzlandkreis) am Donnerstag reiche aus, um den prognostizierten Elbe-Hochwasserscheitel von 7,55 Meter gefahrlos zu bewältigen.

In der Region Zeitz und Weißenfels beginnt sich die Lage langsam wieder zu normalisieren. Allerdings haben die vom Hochwasser Betroffenen in Weißenfels noch immer damit zu tun, dass der Wasserpegel der Saale nur ganz langsam sinkt. Freitagmorgen um 6 Uhr meldete der Landesbetrieb für Hochwasserschutz für Naumburg-Grochlitz noch einen Pegelstand von 5,88 Meter, der in etwa auch für Weißenfels gilt. Die Alarmstufe 4 an der Saale wird bei 5,80 Metern ausgerufen. In den letzten 24 Stunden ist der Wasserstand gerade mal um 15 Zentimeter gefallen. So stehen immer noch riesige Seen in der Landschaft zwischen Weißenfels und Großkorbetha.

In Zeitz waren es dagegen 50 Zentimeter. Dort hatte die Weiße Elster am Freitagmorgen noch einen Pegelstand von 4,25 Meter. Damit gilt in Zeitz nur noch die Alarmstufe 2. Mittlerweile wurde in vielen Gebieten mit dem Aufräumen begonnen. In der Freiligrathstraße soll es auch am Freitag weitergehen, dort befinden sich das evakuierte Tierheim und auch das Freibad.

Die überschwemmte Flussaue der Elbe, aufgenommen am 6. Juni 2013 vor der Lutherstadt Wittenberg.
Die überschwemmte Flussaue der Elbe, aufgenommen am 6. Juni 2013 vor der Lutherstadt Wittenberg.
dpa-Zentralbild