Hochwasser an der A9

Hochwasser an der A9: Großer Einsatz an der Autobahn bei Vockerode

Vockerode/MZ - Die Hand weist auf das Ziel. Zwei Kilometer Richtung Süden müssen Sandsäcke aufgeschichtet werden. Gut einen Meter hoch und immer entlang der Autobahn. Der Horstdorfer Wehrleiter Thomas Bachmann hat die Regie am Schöpfwerk der Mulde übernommen. Hier befand sich auch beim Jahrhunderthochwasser 2002 ein Brennpunkt des ...

Von ulf Rostalsky 05.06.2013, 18:08

Die Hand weist auf das Ziel. Zwei Kilometer Richtung Süden müssen Sandsäcke aufgeschichtet werden. Gut einen Meter hoch und immer entlang der Autobahn. Der Horstdorfer Wehrleiter Thomas Bachmann hat die Regie am Schöpfwerk der Mulde übernommen. Hier befand sich auch beim Jahrhunderthochwasser 2002 ein Brennpunkt des Geschehens.

Das Wasser der Mulde hat längst große Flächen überflutet, der Pegel steigt weiter. Eile ist geboten und mit den Feuerwehrleuten aus Gräfenhainichen eine willkommene Hilfe in Sicht. Sie verbauen zusammen mit Kameraden aus Oranienbaum und Asylbewerbern aus Vockerode Sandsäcke, die direkt auf der Autobahn mit Containerfahrzeugen angeliefert werden.

„Wenn es hier ein Problem gibt, ist das auch unser Problem“, sagt Dramane Toure zum Hintergrund für den Einsatz am Deich. Die Vockeroder Bürgermeisterin Renate Luckmann (SPD) habe angefragt. „Wir sind da. Wir wohnen doch hier“, erklärt Toure. Beim Kampf gegen das Muldehochwasser läuft alles Hand in Hand. Die Zeit drängt. Denn noch vor ein paar Tagen war hier nichts von einer Flut zu sehen. Wieder weist die Hand die Richtung. Wald und Wiese waren einmal. Jetzt ist alles ein großer See und damit zur echten Bedrohung geworden. „Wir haben hier jede Menge zu tun“, sagt Bachmann.

Wieder kommt auf einer der beiden gesperrten Fahrbahnen der Autobahn ein Containerfahrzeug an. Beladen mit Hunderten Sandsäcken, die wenige Kilometer entfernt auf dem alten Kraftwerksgelände in Vockerode gefüllt worden waren. Zahlreiche Helfer haben sich hier eingefunden. „Facebook macht’s möglich“, sagt Anja Schüler mit einem Augenzwinkern. Die 19-Jährige hat für diese Tage erst einmal einen Haken hinter die Ausbildung zur Physiotherapeutin gemacht. „Nach Dessau komme ich sowieso nicht ohne Probleme. Da helfe ich lieber hier.“

Tausende Sandsäcke müssen gefüllt werden. Die Arbeit schlaucht. „Muss aber sein“, ist Edgar Plöger überzeugt. Der Stadtrat nutzt die Verschnaufpause auf einem Sandsackstapel, um über das Hochwasser nachzudenken. Vielleicht habe man noch Glück im Unglück und ein Großteil des Muldewassers sei weg, bevor die Welle der Elbe komme. In Vockerode hat man mit dem Wasser leben gelernt und hofft, die passenden Mittel zum Schutz gegen die Flut gefunden zu haben.

„So richtig oder noch höher?“ Die Gräfenhainichener Kameraden haben die ersten Meter des Autobahndamms aufgeschichtet. Hüfthoch ist der künstliche Wall. Hoch genug, hoffen die Kameraden, für die Bachmann praktische Tipps zur Hand hat. Die Säcke sollten ruhig so gestapelt werden, dass sie die Leitplanke der Autobahn berühren. „Gibt zusätzlichen Halt.“

So war es schon 2002 gewesen. Damals, als die Schnellstraße mit ihrer Brücke die einzige Chance weit und breit bot, noch über die Elbe zu gelangen.