MZ-Wirtschaftsnewsletter vom 5. März 2026 Iran-Krieg: Was gegen eine neue Energiekrise spricht
Weitere Themen: Humanoide Roboter bei BMW / Mäc Geiz verkauft / Interesse an Chemiewerk / Tesla schlecht ausgelastet? / Mehr Wein verkauft / Porzellanfirma insolvent

Sabrina Terence lebt und arbeitet seit 20 Jahren in Dubai. Die Künstlerin und DJ aus Halberstadt hat in der Golfmetropole schon für Herrscher und Hollywood-Stars aufgelegt. Am vergangenen Samstag war sie zu einer Yacht-Party eingeladen. „Plötzlich knallte es so laut, dass das Auto vibriert hat“, erzählt die 45-Jährige der MZ. Am Himmel sieht sie zwei Raketen explodieren. „Das war so heftig, dass ich eine Panikattacke bekommen habe.“ Was sie erlebt hat und erzählt, ist der Beginn des Iran-Kriegs.
Viele Deutsche, die in den Golfstaaten leben, oder dort Urlaub machen, berichteten in den vergangenen Tagen von ähnlichen Erlebnissen. Die USA und Israel wollen Militäranlagen und das Mullah-Regime im Iran wegbomben, doch dieses wehrt sich. Durch die Luftangriffe kam bereits das geistliche Oberhaupt Ajatollah Ali Chamenei ums Leben. Hilfsorganisationen sprechen von bisher insgesamt 1.000 Toten.

Auch etwa 4.500 Kilometer Luftlinie entfernt, in der Kleinstadt Aschersleben, spürt man die Auswirkungen des Krieges. Aufgrund steil steigender Heizölpreise (35 Prozent plus) fragen bei Brennstoffhändler Christoph Kopahnke aktuell viele Kunden nach Heizöl nach. „Einige verfallen in Panik“, sagt er. „Ich rate von Käufen jetzt jedoch ab“, fügt er hinzu. Die Preise würden sich nach solchen politischen Schocks in der Regel schnell wieder beruhigen.

Kopahnkes Erfahrung und Vernunft sagen ihm: Ruhe bewahren. Ähnlich äußerte sich auch Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) am Montag in Halle: Sie erwartet keine Knappheit an Öl und Gas, aber steigende Preise. An den Tankstellen wird das deutlich. Der Liter Diesel kostet stellenweise schon mehr als zwei Euro.
Dass der Ölpreis stark angestiegen ist, hat seinen Grund: Der Iran blockiert eine der wichtigsten Handelsrouten für Öltanker, die Straße von Hormus. Normalerweise wird etwa ein Fünftel des weltweit verbrauchten Öls durch diese Meerenge zwischen Oman und Iran transportiert. Aktuell können europäische Reedereien, Ölkonzerne und Handelshäuser die Route nicht mehr befahren. Und einige stellen schon die Frage: Kommt jetzt die nächste Energiekrise?

Ich persönlich würde klar dagegen wetten. Nach Einschätzung von Außenhandelsexpertin Samina Sultan haben alle Golfstaaten und auch China ein großes Interesse, die Straße von Hormus wieder zu öffnen, um Öl und Gas zuverlässig ausschiffen zu können. „Das spricht dafür, dass der militärisch geschwächte Iran die Blockade nicht lange aufrechterhalten kann“, sagt die Wirtschaftsforscherin vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln der MZ.
Je länger sich der Krieg hinzieht, desto größer werden die wirtschaftlichen Schäden weltweit sein. US-Öl- und Gasfirmen profitieren zwar von den steigenden Energiepreisen, der große Teil der Amerikaner reagiert allerdings allergisch auf steigende Spritpreise. Das weiß auch US-Präsident Donald Trump, der ohnehin nicht für seine Geduld bekannt ist. Entweder es kommt schnell zu einem Regime-Wechsel oder es wird einen „Deal“ geben.
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Bis kommende Woche, herzlich Steffen Höhne
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