1. MZ.de
  2. >
  3. Newsletter
  4. >
  5. Wirtschaft
  6. >
  7. MZ-Wirtschaftsnewsletter vom 5. März 2026: Iran-Krieg: Was gegen eine neue Energiekrise spricht

MZ-Wirtschaftsnewsletter vom 5. März 2026 Iran-Krieg: Was gegen eine neue Energiekrise spricht

Weitere Themen: Humanoide Roboter bei BMW / Mäc Geiz verkauft / Interesse an Chemiewerk / Tesla schlecht ausgelastet? / Mehr Wein verkauft / Porzellanfirma insolvent

Aktualisiert: 05.03.2026, 07:24
Newsletter Iran-Krieg
Newsletter Iran-Krieg dpa

Sabrina Terence lebt und arbeitet seit 20 Jahren in Dubai. Die Künstlerin und DJ aus Halberstadt hat in der Golfmetropole schon für Herrscher und Hollywood-Stars aufgelegt. Am vergangenen Samstag war sie zu einer Yacht-Party eingeladen. „Plötzlich knallte es so laut, dass das Auto vibriert hat“, erzählt die 45-Jährige der MZ. Am Himmel sieht sie zwei Raketen explodieren. „Das war so heftig, dass ich eine Panikattacke bekommen habe.“ Was sie erlebt hat und erzählt, ist der Beginn des Iran-Kriegs.

Viele Deutsche, die in den Golfstaaten leben, oder dort Urlaub machen, berichteten in den vergangenen Tagen von ähnlichen Erlebnissen. Die USA und Israel wollen Militäranlagen und das Mullah-Regime im Iran wegbomben, doch dieses wehrt sich. Durch die Luftangriffe kam bereits das geistliche Oberhaupt Ajatollah Ali Chamenei ums Leben. Hilfsorganisationen sprechen von bisher insgesamt 1.000 Toten.

Sabrina Terence aus Halberstadt lebt in Dubai.
Sabrina Terence aus Halberstadt lebt in Dubai.
Foto: Sabrina Terence

Auch etwa 4.500 Kilometer Luftlinie entfernt, in der Kleinstadt Aschersleben, spürt man die Auswirkungen des Krieges. Aufgrund steil steigender Heizölpreise (35 Prozent plus) fragen bei Brennstoffhändler Christoph Kopahnke aktuell viele Kunden nach Heizöl nach. „Einige verfallen in Panik“, sagt er. „Ich rate von Käufen jetzt jedoch ab“, fügt er hinzu. Die Preise würden sich nach solchen politischen Schocks in der Regel schnell wieder beruhigen.

In Dubai schlug eine iranische Drohne in ein Luxushotel ein, verletzt wurde dabei aber niemand. Das Emirat ist Ziel hunderter Angriffe geworden.
In Dubai schlug eine iranische Drohne in ein Luxushotel ein, verletzt wurde dabei aber niemand. Das Emirat ist Ziel hunderter Angriffe geworden.
Foto: Imago

Kopahnkes Erfahrung und Vernunft sagen ihm: Ruhe bewahren. Ähnlich äußerte sich auch Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) am Montag in Halle: Sie erwartet keine Knappheit an Öl und Gas, aber steigende Preise. An den Tankstellen wird das deutlich. Der Liter Diesel kostet stellenweise schon mehr als zwei Euro.

Dass der Ölpreis stark angestiegen ist, hat seinen Grund: Der Iran blockiert eine der wichtigsten Handelsrouten für Öltanker, die Straße von Hormus. Normalerweise wird etwa ein Fünftel ​des weltweit verbrauchten Öls durch diese Meerenge zwischen Oman und Iran transportiert. Aktuell können europäische Reedereien, Ölkonzerne und Handelshäuser die Route nicht mehr befahren. Und einige stellen schon die Frage: Kommt jetzt die nächste Energiekrise?

Die Spritpreise  sind seit den Angriffen auf den Iran stark gestiegen.
Die Spritpreise sind seit den Angriffen auf den Iran stark gestiegen.
Grafik: MRM/Kroschel

Ich persönlich würde klar dagegen wetten. Nach Einschätzung von Außenhandelsexpertin Samina Sultan haben alle Golfstaaten und auch China ein großes Interesse, die Straße von Hormus wieder zu öffnen, um Öl und Gas zuverlässig ausschiffen zu können. „Das spricht dafür, dass der militärisch geschwächte Iran die Blockade nicht lange aufrechterhalten kann“, sagt die Wirtschaftsforscherin vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln der MZ.

Je länger sich der Krieg hinzieht, desto größer werden die wirtschaftlichen Schäden weltweit sein. US-Öl- und Gasfirmen profitieren zwar von den steigenden Energiepreisen, der große Teil der Amerikaner reagiert allerdings allergisch auf steigende Spritpreise. Das weiß auch US-Präsident Donald Trump, der ohnehin nicht für seine Geduld bekannt ist. Entweder es kommt schnell zu einem Regime-Wechsel oder es wird einen „Deal“ geben.

Wenn Ihnen der Newsletter gefällt, empfehlen Sie ihn weiter. Hier geht es zur Anmeldung.

Bis kommende Woche, herzlich Steffen Höhne

Weitere wichtige Wirtschaftsthemen aus Mitteldeutschland der vergangenen Tage:

KI-Roboter im BMW-Werk

BMW startet in Europa eine neue Ära: Im Leipziger Werk werden humanoide Roboter in der Produktion eingesetzt. Durch KI und Sensoren kann die Maschine neben dem Menschen arbeiten. (MZ)

Der Roboter Aeon wird im Leipziger Werk  zwar getrennt, aber nicht abgesperrt vom Menschen arbeiten
Der Roboter Aeon wird im Leipziger Werk zwar getrennt, aber nicht abgesperrt vom Menschen arbeiten
Foto: BMW

Kodi übernimmt Mäc Geiz

Die MTH Retail Group hat ihre Anteile an dem Discounter Mäc Geiz aus Landsberg an die Kodi Beteiligungs GmbH verkauft. Mäc-Geiz-Geschäftsführer Kay Linke spricht über die Auswirkungen auf den ostdeutschen Discounter. (MZ)

Infraleuna erwägt Kauf

Bis Ende März hat das Land Sachsen-Anhalt der insolventen Domo in Leuna per Kunstgriff eine Gnadenfrist gewährt. Doch die Investorensuche für den Chemiebetrieb stockt. Nun gibt es einen überraschenden Plan B. Lokale Firmen könnten Hunderte Jobs retten. (MZ)

Das Domo-Chemiewerk befindet sich aktuell in einer Art Notbetrieb. Die Produktion ist gedrosselt.
Das Domo-Chemiewerk befindet sich aktuell in einer Art Notbetrieb. Die Produktion ist gedrosselt.
Foto: Katrin Sieler

Sachsen-Anhalt will Intel-Gelände kaufen

Nach dem Intel-Aus in Magdeburg gehen die Verhandlungen über das Grundstück an der A14 in die heiße Phase. Sachsen-Anhalt will das Gelände kaufen. Doch einer spielt noch nicht mit. (MZ)

Tesla-Werk gering ausgelastet?

Öffentlich behauptet das Management, das Tesla-Werk in Grünheide floriere gegen den Trend. Doch exklusive Zahlen des Handelsblattes zeigen für 2025 ein anderes Bild. Es könnte nur zu 40 Prozent ausgelastet sein. (Handelsblatt)

André Thierig, Werkleiter der Tesla Gigafactory Berlin-Brandenburg, sprach zuletzt noch von steigenden Produktionszahlen.
André Thierig, Werkleiter der Tesla Gigafactory Berlin-Brandenburg, sprach zuletzt noch von steigenden Produktionszahlen.
Foto: Patrick Pleul/dpa

Batteriespeicherfirma Senec in der Krise

Die neue Zentrale von Senec strahlt Aufbruch aus – doch die Batteriespeicherfirma ist im Überlebensmodus. Nach Bränden und einem 386-Millionen-Euro-Verlust sucht der Mutterkonzern EnBW nun einen Käufer. Firmenchef Herbert Schein hat 100 Jobs gestrichen, 100.000 Speicher austauschen lassen und verspricht den radikalen Neustart. (LVZ)

Winzervereinigung mit mehr Umsatz

Die Winzervereinigung hat im vergangenen Jahr fast drei Millionen Liter Ertrag erzielt. Nach dem späten Frost-Desaster im April 2024 war das wichtig. Auch die Verkaufszahlen passen. (MZ)

Hartmut Schreiter, Geschäftsführer der Winzervereinigung Freyburg-Unstrut, will ein breiteres Produktspektrum anbieten.
Hartmut Schreiter, Geschäftsführer der Winzervereinigung Freyburg-Unstrut, will ein breiteres Produktspektrum anbieten.
Foto: Stedtler

Tourismus stagniert

Bei Gästen, Übernachtungen und internationalen Besuchern stagniert Sachsen-Anhalt. Neue Impulse sollen Großereignisse wie eine Wiedereröffnung in Quedlinburg liefern. (MZ)

Kahla Porzellan erneut insolvent

Schon 2020 war das Haus umstrukturiert worden. Nun ist die bekannte Manufaktur erneut in der Bredouille. Hintergrund sei eine schwache Messe- und Ordersaison. (VS)

Belantis baut um

Die Verwandlung von Belantis in den Asterix-Park nimmt ihren Lauf. Demnach plant der Freizeitpark aktuell eine neue Achterbahn. Was bisher zu den Vorhaben bekannt ist. (MZ)

Milliardengewinn einmalig

Riesiges Bitcoin-Vermögen aus illegalen Filmstreams: Vor dem Leipziger Landgericht geht es um eine Summe, die selbst internationale Fälle in den Schatten stellt. So blickt ein Experte auf den Prozess. (MZ)