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Öl und Gas Iran-Krieg treibt Spritpreise - Ministerin Reiche beruft Krisenstab ein

Der Nahost-Konflikt macht Öl und Erdgas teurer, die Folgen sind an den Tankstellen bereits sichtbar. Die angespannte Lage in der Chemieindustrie könnte sich noch verschärfen.

Von Steffen Höhne 02.03.2026, 17:43
Die Spritpreise an den Tankstellen haben sich deutlich erhöht.
Die Spritpreise an den Tankstellen haben sich deutlich erhöht. Foto: Maik Schumann

Halle/MZ. - Der Iran-Krieg führt zu steigenden Preisen für Öl und Gas. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche erwartet aber keine Knappheiten in Deutschland. Die Bundesrepublik beziehe kein Öl aus dem Iran und die Region gehöre nicht zu den großen Bezugsquellen, sagte die CDU-Politikerin am Montag auf der regionalpolitischen Jahrestagung des Bundeswirtschaftsministeriums in Halle. Deutschland kaufe Öl vor allem aus Norwegen, Kasachstan und den USA. Auch Flüssiggas erhalte man vorwiegend aus den USA.

Unsicherheiten für die deutsche Wirtschaft entstehen aktuell durch steigende Energiepreise. So verteuerte sich Nordsee-Öl am Montag um zehn Prozent auf knapp 80 Dollar pro Barrel (159 Liter). Der Erdgaspreis an den Börsen schnellte um 25 Prozent nach oben.

ADAC erwartet steigende Spritpreise

Hierzulande zeigen sich an den Zapfsäulen die Kriegsfolgen als erstes: Am Montag stiegen die Spritpreise um drei bis vier Cent, nachdem sie schon am Wochenende angezogen hatten. Im bundesweiten Tagesdurchschnitt des Sonntags kostete laut ADAC ein Liter Super E10 mit 1,794 Euro bereits 1,6 Cent mehr als am Freitag. Das war bereits der höchste Wert seit zwei Jahren.

Die Eskalation des Konflikts treibt den Ölpreis unter anderem auch deswegen, weil der Iran den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus eingeschränkt hat. Rund ein Fünftel der globalen Öltransporte passiert täglich die Meerenge in der ölreichen Region am Persischen Golf, auch Flüssiggastransporte müssen durch dieses Nadelöhr.

Die weitere Entwicklung hänge davon ab, wie lange der Konflikt anhalte und ob wichtige Förderanlagen oder Transportwege betroffen seien, sagte Reiche. Wie ernst die Bundesregierung die Lage nimmt, zeigt sich daran, dass ein Krisenmechanismus reaktiviert wurde. Man habe wieder die Taskforce ins Leben gerufen, die schon zu Zeiten der Gasmangellage aktiv gewesen sei, sagte sie.

Chemie besonders von hohen Energiepreisen betroffen

Die Energiepreise sind ein entscheidender Standortfaktor für die ostdeutsche Industrie. Das zog sich durch fast alle Beiträge der Konferenz in Halle mit rund 600 Teilnehmern aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Die ohnehin angeschlagene chemische Industrie in Sachsen-Anhalt könnte unter wieder steigenden Gaspreisen besonders leiden. „Wir haben in etlichen Bereichen unsere Wettbewerbsfähigkeit verloren. Viele Firmen schreiben Verluste“, sagte die Hauptgeschäftsführerin des Landesverbands Nordost im Verband der Chemischen Industrie, Nora Schmidt-Kesseler. Die Verbandschefin forderte weitere Entlastungen bei den Energiepreisen, dem EU-Emissionshandel und bei Genehmigungsverfahren.

Carsten Franzke, Geschäftsführer der SKW Stickstoffwerke in Wittenberg, sprach davon, dass sein Unternehmen „drei schwere Jahre mit Verlusten“ hinter sich habe. Der große Düngemittel-Hersteller habe dennoch keine Mitarbeiter entlassen. Ohne einen wettbewerbsfähigen Gaspreis funktioniere das Geschäftsmodell aber nicht, so Franzke.

IHK-Präsident Gläßer fordert mehr Energieangebot

Der Präsident der Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau, Sascha Gläßer, sprach sich daher für mehr energiepolitische Souveränität und schnellere Entscheidungen beim Ausbau der Versorgung aus: „Subventionierte Industriestrompreise könnten die Wirtschaft höchstens temporär entlasten.“ Gläßer mahnt einen Ausbau des Energieangebotes an. „Wir beziehen teures Frackinggas aus den USA. Wir sollten ins Auge fassen, das auch hierzulande zu fördern“, sagte Gläßer zuletzt in der MZ.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) setzt sich für schnellere Reformen und bessere wirtschaftliche Rahmenbedingungen ein, um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. „Wir müssen schneller werden“, sagte Schulze. „Andere Weltregionen warten nicht auf Deutschland.“ Man dürfe keine Angst haben vor neuen Technologien wie Künstlicher Intelligenz, betonte der Regierungschef. Wenn man bei der Geschwindigkeit nicht mithalte, würden andere die Entwicklung bestimmen.