Prozess um „movie2k.to“ Illegales Streaming: Milliardengewinn auch weltweit einmalig
Riesiges Bitcoin-Vermögen aus illegalen Filmstreams: Vor dem Leipziger Landgericht geht es um eine Summe, die selbst internationale Fälle in den Schatten stellt. So blickt ein Experte auf den Prozess.

Dresden - 2,6 Milliarden Euro Gewinn mit Bitcoins - um diese Summe geht es im Prozess am Landgericht Leipzig um den illegalen Streamingdienst „movie2k.to“. Auch im internationalen Vergleich im Bereich der Cyberkriminalität ist diese Gewinnsumme aus illegalen Geschäften einzigartig, wie Lars Hornuf, Wirtschaftsprofessor an der TU Dresden und Experte für Cyberkriminalität und Kryptowährungen, im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur erläutert.
Zwar seien etwa im Fall des Schwarzmarktportals „Silk Road“ in den USA mehr Bitcoin sichergestellt worden. „Allerdings hatten sie einen wesentlich geringeren Gegenwert in US-Dollar oder Euro, da zu dem Zeitpunkt der Bitcoin noch einen viel geringeren Wert hatte.“
Millioneneinnahmen aus Werbeverträgen
Der Prozess am Landgericht Dresden wird am Donnerstag fortgesetzt. Angeklagt ist der 42 Jahre alte mutmaßliche Kopf des Streaming-Portals und ein 39-jähriger mutmaßlicher Mitstreiter. Das Duo soll mit einem bereits verurteilten Mann über das Portal „movie2k.to“ jahrelang Hunderttausende Raubkopien von Filmen und Serie angeboten haben. Dabei erzielten die Betreiber laut Anklage Millioneneinnahmen aus Werbeverträgen.
2013 wurde das Portal abgeschaltet, der Hauptangeklagte konnte aber erst 2023 im Ausland festgenommen werden. Er hatte laut Anklage von den Gewinnen insgesamt 136.000 Bitcoins erworben. Den Ermittlern übereignete der Hauptangeklagte nach seiner Festnahme knapp 50.000 Bitcoins - dem Landeskriminalamt zufolge die bisher größte Sicherstellung von Kryptowährung durch deutsche Behörden. Der Verkauf brachte nach einem Kurssprung Mitte 2024 etwa 2,6 Milliarden Euro ein. Das Geld wird aktuell auf einem Konto bei der Landesjustizkasse verwahrt. Was mit der Summe geschieht, entscheidet das Gericht.
Kryptowährungen sollen Zugriff durch Behörden erschweren
Die Investition in Kryptowährung stellte für Kriminelle lange Zeit eine Möglichkeit dar, ihre Einnahmen abzusichern, wie Hornuf erläuterte. „Stellen Sie sich vor, Sie sind der Movie2K-Provider und Sie haben das Geld in US-Dollar oder in Euro eingenommen. Und dann ist die Frage: Was machen Sie damit?“
Zumindest in der Vergangenheit habe man geglaubt, dass die Ermittlungsbehörden bei Kryptowährungen nur schwer Zugriff hätten, sagte Hornuf. „Ganz am Anfang war es nicht klar, ob die Wallet Provider Ihre Identität preisgeben müssen.“ Inzwischen sei das aber häufig der Fall. Bei Bitcoin beispielsweise hätten es die Ermittler mittlerweile vergleichsweise einfach.
Inzwischen weichen Kriminelle daher vermehrt auf unbekanntere Kryptowährungen mit anderen Funktionsweisen aus, wie Hornuf erläuterte. Bei einigen Anbietern sind die Wallets mit einer speziellen Verschlüsselung versehen und werden von mehreren Personen gemeinsam gehalten, was die Zuordnung der Summen erschwert. Somit ist auch der Zugriff für die Behörden deutlich schwieriger.