Parteien Kuhle sieht Lehren bei der Linken für die FDP
FDP-Landeschef und Bundesvorstandsmitglied Konstantin Kuhle widerspricht pauschaler Kritik an der Ampelkoalition, nennt die Lage seiner Partei „sehr ernst“ – und verteidigt Christian Lindner.

Hannover - Zusammenhalt statt Selbstzerlegung: Der niedersächsische FDP-Chef Konstantin Kuhle sieht ausgerechnet bei der Linken ein Beispiel dafür, wie eine Partei nach schwierigen Zeiten zurückkommen kann. Inhaltlich und personell wolle er sich von der Partei zwar „nichts abschauen“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. „Aber organisatorisch kann man sehen, dass man nicht aufgeben darf und sich nicht auseinanderdividieren lassen sollte.“
Die Partei sei ohne Sahra Wagenknecht stabiler gewesen als zuvor. „Und im entscheidenden Moment haben sie ihre Chance genutzt. Deshalb sitzen sie jetzt wieder im Bundestag.“
„Die Lage ist sehr ernst“
Mit Blick auf die eigene Partei schlug Kuhle nüchterne Töne an. „Die Lage der FDP ist sehr ernst.“ Aktuelle Umfragen sehen die Liberalen bundesweit nur bei drei bis vier Prozent. Man müsse deutlicher machen, wofür die FDP stehe, sagte Kuhle. „Wir müssen wieder Lust auf Reformen vermitteln.“
Deutschland brauche eine liberale Partei. Gerade in Zeiten von Polarisierung sei eine Stimme wichtig, die für Freiheit, Eigenverantwortung und Reformen stehe. „Die FDP ist kein Auslaufmodell.“
Kuhle: Ampel nicht schlechteste Regierung
Zugleich wandte sich Kuhle gegen pauschale Kritik an der früheren Bundesregierung. „Ich finde nicht, dass die Ampel die schlechteste Regierung aller Zeiten war.“ Die Koalition aus SPD, FDP und Grünen war im November 2024 nach eskaliertem Streit zerbrochen. Politiker sollten mit einem realistischen Maßstab gemessen werden, betonte Kuhle. „Das sind auch nur Menschen.“ Der Wettbewerb, alles immer schlechter zu reden, helfe nicht.
Mit Blick auf den früheren FDP-Chef und Bundesfinanzminister Christian Lindner sagte Kuhle: „Ich hoffe, dass man in einigen Jahren über Christian Lindner sagen wird: Er hat der FDP als Bundesvorsitzender eine sehr erfolgreiche Phase beschert, und als es ihm als Spitzenkandidat nicht gelungen ist, die Partei wieder in den Bundestag zu führen, hat er Verantwortung übernommen und sich zurückgezogen.“ Das gehöre zur politischen Kultur.
Parteien dürften sich nicht von einzelnen Persönlichkeiten abhängig machen. „Die FDP wird es auch nach Christian Lindner weiter geben, so wie es sie auch nach Guido Westerwelle weiter gegeben hat.“