0340 Newsletter Dessau 13. Februar 2026 #137 Wie der „Kristallpalast“ in Dessau Erinnerungen und Hoffnungen zugleich weckt
Wie Tierheim-Hund „Tim“ zum Lebensretter wurde - Wie Dessaus Süden um das Damaschkecenter kämpft

der Kristallpalast kommt nicht aus den Schlagzeilen. Zuletzt brannte es gleich zwei Mal innerhalb weniger Tage in dem Gebäudekomplex. Die Feuerwehr war rechtzeitig da und verhinderte Schlimmeres.
Der Kristallpalast. Da war doch mal was. Ältere Dessauer bekommen noch immer einen wehmütigen Blick, wenn sie sich an das große Veranstaltungszentrum aus DDR-Zeiten zurückerinnern. Da wurde legendäre Partys gefeiert. Da fanden Jugendweihen statt. Es gab Konzerte, Modenschauen, ja sogar Boxkämpfe. Es war der Schuppen, manche sprachen sogar vom Dessauer Friedrichstadtpalast.
2015 hatte das Anhaltischen Theater dem Kristallpalast eine eigene, gefeierte Revue gewidmet. Das Haus hatte sogar ein eigenes Sandwich, das noch Jahre später immer mal wieder verkauft wurde.

Der Glanz ist weg. Der Kristallpalast ist zwar ein Denkmal, aber eigentlich nur noch eine Ruine. Die seit Jahren mit ehrgeizigen Plänen verknüpft werden.
Im Archiv habe ich in dieser Woche ein alten Artikel von mir gefunden: „Für das Bürger- und Kongresszentrum ,Kristallpalast' wurden vergangene Wochen zwei wichtige Weichen gestellt: Dessau-Roßlaus Stadtrat hat zum einen den Bebauungsplan 214 beschlossen, der am Standort Kristallpalast ein ,Kongress- und Kulturzentrum' festschreibt und auch die verkehrliche Erschließung des Komplexes über die Rabestraße klärt“, begann der Beitrag - aus dem Jahr 2010. „Zugleich hat der Stadtrat eine neue Stellplatzsatzung bestätigt. Um diese hatte es in den Woche zuvor intensive Diskussionen gegeben. Strittig war vor allem die Frage, ob die Stadt zugunsten eines wichtigen Projektes auf Stellplätze verzichten darf.“ Was hatte man um diese Parkplätze gestritten....
Der Zeitplan damals war eng geknüpft: Schon Ende 2012 war die Eröffnung des Bürger- und Kongresszentrums geplant. Das übrigens einen Saal für bis 1.400 Besucher bekommen sollte. Für 2013 rechnete die Investoren mit 160 Veranstaltungen, die etwa 85.000 Besucher anziehen sollten. Darunter Kongresse, Tagungen Konzerte und Kabarett-Veranstaltungen, aber auch Box-Veranstaltungen, Messen und in den Sommermonaten Ausstellungen. Das Projekt wurde nichts.
Zuletzt gab es immer wieder Pläne, dort ein Wohnanlage für Senioren zu errichten. Es ist das, was Investoren mit Dessau-Roßlau mit Dessau-Roßlau verbinden. Leider.
Nun gibt es den nächsten Anlauf. Im Bauausschuss hat das Stadtplanungsamt die neuen Pläne vorgestellt. Die wurden leicht angepasst, setzen auf Wohnen und Betreutes Wohnen, aber auch auf eine Gaststätte und einen kleinen Laden im Erdgeschoss. Am 1. Juli soll Dessau-Roßlaus Stadtrat das Projekt billigen. Und dann beginnt das Daumendrücken, ob der Investor tatsächlich Kraft und Geld genug hat, den Komplex auch umzubauen. Viele Dessauer wünschen es sich. Auch wenn der Kristallpalast nie mehr das werden wird, was er für viele war. Maximal die Fassade wird noch daran erinnern. Viele Grüße, Steffen Brachert.
RÜCKBLICK
Dessauer der Woche
Dessauer der Woche ist „Tim“, einer kleiner Hund aus dem Tierheim in Dessau, der Ende Januar mit einem ehrenamtlichen Gassigeher auf eine große Runde ging - und allein und laut bellend zurückkehrte. „Uns war sofort klar, dass da etwas nicht stimmt“, erklärte Doreen Kohl, die Leiterin des Tierheims Dessau. Kohl und weitere Gassigeher machten sich sofort auf den Weg - und fanden schließlich Tims Gassigeher im Schnee liegend. Der Mann hatte aus gesundheitlichen Gründen das Bewusstsein verloren.

Wegen der eisigen Temperaturen sei die Situation besonders gefährlich gewesen, so Kohl. Doch dank Tims gutem Instinkt und dem schnellen Handeln der Pfleger und Gassigeher konnte rasch Hilfe organisiert werden, um den Helfer in Sicherheit zu bringen. Der Mann ist immer noch im Krankenhaus.
„Tim“ ist erst seit dem 21. Dezember im Tierheim Dessau. Er sei ein lieber, gutmütiger und ruhiger Rüde, der mit seiner freundlichen Art schnell Vertrauen gewinne, so Kohl. „Tim“ braucht nun aber auch selber Hilfe. In den kommenden Wochen stehen mehrere Operationen sowie weitere Untersuchungen an. Für die notwendigen medizinischen Abklärungen und Behandlungen sammelt das Tierheim Dessau Geldspenden für den kleinen Helden.
MZ-Geschichten der Woche
+++Der Stahlkonzern Salzgitter AG hat am Mittwoch die Übernahme der Dessauer Traditionsfirma „Thyrolf & Uhle“ gemeldet. Die stellt unter anderem speziellen Stahl her. Mit dem Kauf verbessere man sein „Defence Portfolio“, teilte Salzgitter mit. MZ-Kollege Oliver Müller-Lorey hat sich das erklären lassen.
+++Der Nahversorger „nah & gut“ verlässt Ende Februar das Damaschkecenter in Dessau. Der Stadtbezirksbeirat hat über 1.600 Unterschriften gesammelt, damit dort wieder ein Nahversorger einzieht. Bei der Übergabe im Stadtplanungsamt war MZ-Kollegin Heidi Thiemann dabei und hat gefragt, welche Chancen es gibt.

+++Die Chefin des Dessauer Zoofachgeschäfts Kaiser steht vor großen Problemen. Die Behörden haben in Halle das Südstadt-Center aus Brandschutzgründen geschlossen, wo Kaiser eine Filiale hat. Die Folgen sind für Kunden wie für die Tiere enorm, wie MZ-Kollege Oliver Müller-Lorey erfuhr.
+++Christel Haberland ist pflegebedürftig, hat Pflegegrad 3. Sie nimmt eine Kombinationsleistung in Anspruch - hat also neben dem Pflegedienst auch private Helfer. Doch seit November wartet sie auf Geld von der AOK-Pflegekasse. Warum sie in der Bredouille steckt und was das für sie bedeutet, das hat sie meiner MZ-Kollegin Heidi Thiemann erzählt.
AUSBLICK
Fest und Bühne
+++Das Warten ist vorbei: Um 13 Uhr steigt am Sonnabend im Dessauer Paul-Greifzu-Stadion das Rugby-EM-Spiel zwischen Deutschen und Portugal. Die „Schwarzen Adler“ sind nach 2024 zum zweiten Mal in Dessau zu Gast. Damals sahen 5.300 Zuschauer das Duell gegen Georgien.

+++Ihr neues Album „Neugeboren“ stellt die Roßlauer Schlagersängerin Annemarie Eilfeld am Valentinstag Uhr im Mitteldeutschen Theater in Dessau vor. Los geht es 19 Uhr. Zuletzt hatte Eilfeld in ihrer Heimatstadt durch die Weihnachtssingen auf der Wasserburg und im Tierpark geführt.
+++Um 11.11 Uhr erfolgt am Sonntag, 15. Februar, der Start: Der 27. Dessauer Karnevalsumzug steht an. Vom Aufstellbereich in der Friedhofstraße geht es über die Franz- und Kavalierstraße zur Poststraße und von dort weiter über die Zerbster Straße zum Marktplatz. Der Umzug steht in diesem Jahr unter dem Motto „Dessau-Roßlau, ist doch klar, feiert Karneval wie jedes Jahr!“.
+++Mitte Februar hatte „Die Fledermaus“ am Anhaltischen Theater Premiere. Wen es nicht zum Karnevalsumzug zieht oder wer direkt danach Lust auf das nächste Abenteuer hat, der kann sich die von Intendant Johannes Weigand inszeniere Operette am Sonntag, 15. Februar, 16 Uhr, ansehen. Restkarten sind noch erhältlich.
Topf und Pfanne
+++Die „Trattoria Al Faro“ an der Goitzsche in Mühlbeck war auch für einige Dessau-Roßlauer immer mal einen Ausflug wert. Nun hat das Restaurant am See-Ufer mit Amiri Bajrami einen neuen Pächter. Sein Ziel: die Trattoria wieder zu einer Top-Adresse der Region zu machen. Bajrami hat zuletzt das „Casa Nostra“ in Trebbin in Brandenburg betrieben, er hat aber ein Lokal direkt am Wasser gesucht - und nun gefunden.
EINBLICK
Erfolgreichster Social Media Post der Woche
+++Im ehemaligen „Flower Power“ im Dessauer Westen ist neues Leben eingezogen. Neben einer Bowlingbahn gibt es im „Erlebnispark Dessau“ nun auch „Miggos Musikkneipe“. Die MZ sprach vorigen Woche mit den Betreibern. Auf Facebook erreicht der Text dank 183 „Gefällt mir“ über 23.000 Personen.

Meist geklickter MZ-Beitrag der Woche
+++Von 2020 bis 2022 hat eine Firma von Dieter Hallervorden Corona-Hilfen für das damals geschlossene Schlosspark-Theater in Berlin bekommen. Anfang der Woche berichtet der „Tagesspiegel“ von einer Millionen-Rückforderung. Auch die MZ griff das Thema auf. Über 283.000 Aufrufe hatte der Text.
Am Donnerstag gab Hallervorden Entwarnung. „Sämtliche Rückzahlungsforderungen der IBB an die Halliwood GmbH sind mit sofortiger Wirkung aufgehoben, nachdem alle vorgelegten Endabrechnungen final geprüft werden konnten“, teilte sein Büro mit. „Weitere Ansprüche der IBB bestehen uns gegenüber nicht.“
QUERBLICK
+++100. Geburtstag feiert die Lufthansa in diesem Jahr. Die Wurzeln liegen bei Junkers in Dessau. Das Technikmuseum „Hugo Junkers“ hat dazu am Sonnabend eine Ausstellung eröffnet, zu dem bei der „Berliner Zeitung“ ein Text erschienen ist.
+++Um kleineren Sportvereinen finanziell unter die Arme zu greifen, hat die Stiftung Sport in Sachsen-Anhalt im November den „Sportgroschen" ins Leben gerufen. Dabei geben Topklubs bei ihren Spielen zehn Cent des Ticketpreises ab. Der Dessau-Roßlauer HV ist dabei. Am Sonntag hat der MDR das Projekt angeschaut - und vorgestellt.
+++Nach Bekanntwerden der Pläne, die Helios-Klinik Zerbst zum 19. Dezember zu schließen, entbrannte ein Sturm der Entrüstung. Jetzt ist die Übernahme durch den Landkreis Anhalt-Bitterfeld geplant. Doch der Zeitplan ist mehr als eng, beschreibt die Zerbster Volksstimme die Situation.
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