0340 Newsletter Dessau 29. August #117 Warum die Absage des Törtener Pflaumenkuchenfestes schade ist, es aber ein kaum lösbares Dilemma gibt
Wie es zum dritten Dessau-Song kam - Was beim Schifferfest in Roßlau zu erleben ist

das Dessauer Stadtfest hatte sich einfach in der Fläche verkleinert, um die Zahl der Absperrpunkte zu verringern. Es hat dem Fest gut getan. Das Walderseefest vor ein paar Wochen konnte gerettet werden. Mit einem Umzug auf den Vorort-Sportplatz. Der ist umzäunt und hat nur eine schmale Zufahrt. Was aus Gründen der Sicherheit gleich zwei Vorteile sind.
Beim Pflaumenkuchenfest in Törten wurde eine solche Lösung nicht gefunden. Nach wochenlangen und intensiven Bemühungen und Diskussionen folgte in dieser Woche die Absage. Es ist eine bittere Nachricht für den Ortsteil im Südosten der Stadt. Und ein schwieriges Zeichen, das man sendet. Bürgerschaftliches Engagement kapituliert vor einer imaginären Terrorgefahr.
20 Jahre hatte das Pflaumenkuchenfest ohne Probleme stattgefunden. Doch seit dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Magdeburg ist nichts mehr wie vorher. Gerade bei den Festen. Das richtige Maß an Sicherheit zu finden, ist die große Herausforderung.

In Törten verlangte das Ordnungsamt, dass vier Zugänge gesperrt werden müssen, zusätzlich die straßenseitige Kurve. Zum Beispiel mit mehreren 7,5-Tonnen-Lkw. Das kostet am Ende Geld - und überfordert einen kleinen Verein.
In drei Vereinsversammlungen wurde das Thema besprochen. Ein Standortwechsel wurde in Erwägung gezogen. Doch der sei aufgrund der Logistik mit Prozession, Lager und Stromanschluss nicht möglich gewesen. Und auch die Feuerwehr Süd habe nicht mit einem Fahrzeug aushelfen können. „Weil sie nur ein Einsatzfahrzeug haben, wäre die ganze Truppe nicht mehr einsatzfähig gewesen“, hat Walter Schaller vom Heimatverein meinem Kollegen Robert Horvath erklärt, der sich mit dem Thema beschäftigt hat. „Für uns als Veranstalter ist das schlicht und ergreifend eine Nummer zu groß“, lautet Schallers Fazit. Und das, obwohl das Fest seit etwa 20 Jahren organisiert wird.
Der Frust ist groß. „Normalerweise ist unser Staat dafür verantwortlich, für die Sicherheit seiner Bürger zu sorgen“, mahnt der Verein. Das funktioniere zwar regelmäßig bei Fußballspielen. Doch wenn man einmal im Jahr ein Fest feiern wolle, „dann gibt es hohe Auflagen und keine Hilfe“. Dieses Gefühl, dieser Eindruck ist ein Problem. Dessau-Roßlaus Stadtverwaltung braucht ein Konzept, wie mit kleinen Festen umgegangen werden soll und wie geholfen werden kann, diese zu ermöglichen.
Was schwierig ist. Wenn man gerade sieht, wie die Aufarbeitung des Weihnachtsmarkt-Anschlags in Magdeburg läuft, wie jetzt alle wissen, was man vorher hätte tun müssen, dann ahnt man, warum sich viele schwer tun, die schlussendliche Verantwortung für ein vielleicht abgespecktes Sicherheitskonzept zu übernehmen. Es ist ein Dilemma s, aus dem auszubrechen schwierig ist. Eine Lösung habe ich da auch nicht. Viele Grüße, Steffen Brachert
RÜCKBLICK
Dessauer der Woche
Musik macht Harald Hauck eigentlich „schon immer“. Eine Rampensau, wie man so schön sagt, sei er aber nie gewesen. Nun könnte sich das ändern. Der 66-Jährige hat seinen ersten eigenen Song geschrieben. „Stadt der Träumer“ heißt sein Lied, das eine nachdenklich stimmende Liebeserklärung an seine Heimatstadt Dessau ist. Es ist mittlerweile der dritte Dessau-Song.
Gitarre, Mandoline und Banjo spielt Hauck in der Band „Traumtänzer“. Er ist Fan von Bob Dylan, Gerhard Gundermann und Hannes Wader und teilt die Leidenschaft mit den anderen. Angestiftet zum Lied hatte ihn ein Hospitant der „Traumtänzer“: der Brite James Bigmore.

Vor drei Jahren, erinnert sich Hauck, habe es einen klassischen Dessau-typischen Diskurs gegeben à la „hier ist alles Mist“. James wusch Hauck und den anderen den Kopf. „In Dessau stehen die 7 Säulen. Die stehen nur da, weil sie schön sind. Das gibt es sonst nirgends auf der Welt.“ Die Worte gingen Hauck nicht mehr aus dem Sinn. Und als der Musiker einen Kalender gestalten wollte, fragte er James, ob er sein Zitat verwenden könne. Der aber schlug ein Lied über Dessau vor. „Er hat mir dann auch viele Tipps gegeben“, sagt Hauck. Wahrscheinlich hätte er es ohne James nicht so hinbekommen.
Fürst Franz, der Alte Dessauer, Hugo Junkers, Walter Gropius und die Bauhausmeister – all sie spielen in „Stadt der Träumer“ eine wichtige Rolle. Doch auch die Zerstörung der Stadt sowie Tendenzen in der aktuellen Politik werden in dem Lied thematisiert. „Das mit den Möchtegernquerdenkern gefällt nicht jedem“, weiß Hauck, hat er doch unterschiedlichste Reaktionen auf den Song erhalten. „Aber damit kann ich leben“, zuckt der Maschinenbauingenieur die Schultern.
MZ-Geschichten der Woche
+++„Alaska-Feeling in Dessau“: Am dritten Adventswochenende soll im Vorderen Tiergarten erstmalig ein Schlittenhunderennen stattfinden. Wie es dazu kommt und was die Besucher dort erwartet, das hat sich MZ-Kollegin Leonie Beer erklären lassen.

+++Die Dessauer Firma „Klinker Schlote“ handelt seit 35 Jahren mit Tonprodukten und anderen Baustoffen. Wie das Familienunternehmen sich einen Namen gemacht und seit der Wende am Markt behauptet hat, das hat die Familie meinem Kollegen Tizian Hempel erzählt.
+++Seit März 2025 ist Bjoern Saft Verwaltungsdirektor des Städtischen Klinikums. Doch wer ist der neue Mann am Steuer, der das Haus schnell sanieren und in eine bessere Zukunft führen soll? Das hat sich MZ-Kollege Robert Horvath gefragt - und sich mit Saft getroffen.
AUSBLICK
Fest und Bühne
+++Das Schifferfest in Roßlau wurde am Donnerstagabend offiziell eröffnet. Bis Sonntag, 31. August, wird nun nördlich der Elbe groß gefeiert. Am Freitagabend gibt es im Festzelt die große „Im Osten geboren“-Party mit den Spielbergs, Hardy und Annemarie Eilfeld. Am Sonnabend wird die Meile von Gewerbe und Vereinen eröffnet. Am Abend gibt es ein Konzert mit „Einzig und Artig“, dazu einen Lampionumzug und ein Höhenfeuerwerk. Das Fest endet am Sonntag, 31. August, mit dem traditionellen „Ausmarsch“. Das komplette Programm gibt es hier.

+++Das Berliner Musiksatire-Duo „Plückhahn & Vogel“ ist mit seinem neuesten Programm „Grob verfeinert“ am Freitag, 29. August, in der Weinbar „feinherb“ in der Dessauer Johannisstraße zu Gast. Los geht es 19 Uhr im Schwabehaus. Karten gibt es für 18 Euro vor Ort.
+++Zu seinem nunmehr 29. Weinbergfest am Weinbergschlösschen lädt der Lions Club Dessau-Anhalt am Samstag, 30. August, von 12 bis 18 Uhr ein. Höhepunkt wird um 15 Uhr die Präsentation des „Dessauer Monopoly“ sein.
+++Das „Mosigkauer Kleinkunstfestival“ steht am Sonnabend, 30. August, vor seiner vierten Auflage. Nach den Erfahrungen vom Vorjahr findet es an diesem Jahr wieder nur an einem Tag statt. Los geht es im Mosigkauer Schäfergarten um 13 Uhr. Am Abend spielt - wie schon im vorigen Jahr - „Young Province“.
+++Zuletzt gab es viel Ärger mit Lärm. Das Waldbad in Dessau führt seiner Veranstaltungen aber fort - und lädt am Sonnabend, 30. September, zum „Waldbad Beatz“, dieses Mal in der „Beach Edition“. Los geht es 19.30 Uhr. Der Eintritt kostet fünf Euro. Am Pult steht DJ Diablo. Versprochen ist eine „mega Überraschung“.
+++Am ehemaligen Andes-Turm in Dessau findet am Sonnabend und Sonntag die Deutsche Meisterschaft im Skateboard statt. Anhalt Sport und der Verein Von der Rolle haben das Event nach Dessau geholt. An zwei Tagen werden die Sieger in fünf Disziplinen ermittelt. Vorbeischauen lohnt sich. Los geht es jeweils 10 Uhr. Am Samstagabend gibt es dazu einen große Party.
+++Zu einer großen Open-Air-Party in „Naumanns Schuppen“ in Aken laden die Organisatoren um Marcel Schiefelbein für Sonntag von 14 bis 22 Uhr unter dem Motto „Fluss der Farben“ ein. Bereits am Vorabend findet dort das EMS-Sommer-Kino-Open-Air mit dem Film „Better Man – die Robbie Williams Story“ statt. Los geht es hier am Freitag gegen 20.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.
Topf und Pfanne
+++„Es geht voran!“, melden die neuen Betreiber der „Waldschänke“ im Dessauer Tierpark. Die sind gerade dabei, die Bauphase 1 abzuschließen. Die neue Personalräume sowie das Kühl- und Tiefkühlhaus sind bereits in Betrieb. Die neuen Geräte sind eingetroffen. Die Lüftung funktioniert. Letzte Details werden in den kommenden Tagen umgesetzt. Parallel dazu beginnt nun der Abbau des Provisoriums vor dem Kiosk. Anschließend geht es direkt mit der Bauphase 2 weiter: den Ausbau des Restaurants.
EINBLICK
MZ-Social-Media-Post der Woche
+++Auf der A9 zwischen Dessau-Ost und Dessau-Süd ist es am vergangenen Freitag zu einem schweren Unfall gekommen. Der Fahrer des Wohnmobils musste über die Frontscheibe aus dem Fahrzeug geholt werden. Der Facebook-Post dazu erreichte vergangene Woche über 17.400 Personen.

Meist geklickter MZ-Beitrag der Woche
+++Unternehmer Andreas Thauer aus Dessau-Roßlau wollte sich daheim einen wasserführenden Kamin einbauen, dafür Sonnenstrom nutzen und Energiekosten sparen. Am Ende stand ein „Heat Bag“. Was sich hinter der Erfindung verbirgt, das interessierte vorige Woche stolze 28.300 Leser.
QUERBLICK
+++Um die Klimaziele zu erreichen, wird sich die Zahl der Windräder in Sachsen-Anhalt in den kommenden Jahren verdoppeln. Doch die Anwohner wollen keine 250 Meter hohen Generatoren vor der Haustür. Deshalb versuchen die Bürgermeister, sie möglichst dort zu platzieren, wo sie ihren Einwohnern vergleichsweise wenig Ärger machen. Allerdings sind dann die Bewohner der Nachbarstadt umso mehr betroffen, wie ein Beispiel aus Gräfenhainichen und der Gemeinde Muldestausee zeigt, über das der MDR berichtet.
+++Der Anhalt-Bitterfelder AfD-Bundestagsabgeordnete Kay-Uwe Ziegler wurde für den Betrug mit Corona-Subventionen verurteilt. Jetzt soll er sich für die AfD um die Aufarbeitung der Pandemiezeit kümmern, berichtet der „Stern“.
+++Viele Jahre war die Minol-Tankstelle am Zerbster Helios Krankenhaus Anlaufstelle für Fans der Thüringer Rostbratwurst. Das ist seit einigen Monaten Geschichte. Aber hungrige Mäuler sollen auch in Zukunft dort gestopft werden, und das schon ab 29. August, berichtet die Zerbster Volksstimme.
MZ-FOTO DER WOCHE

Wer Anregungen oder Hinweise hat, her damit: [email protected]