Protokoll des Jahrestags

Nach Anschlag auf Synagoge in Halle: Liveticker vom Gedenktag

Halle (Saale) - Um 12.01 Uhr fielen bei dem Attentat am 9. Oktober 2019 in Halle die ersten Schüsse. Die Bilder gingen um die Welt. Menschen fanden zusammen im Schmerz. Ein Jahr danach gilt es zu erinnern und Zeichen zu ...

Von Jonas Nayda
Eine Gedenktafel vor dem Kiez-Döner in Halle/Saale erinnert an die Opfer des Anschlages am 9. Oktober 2019.  dpa-Zentralbild

Um 12.01 Uhr fielen bei dem Attentat am 9. Oktober 2019 in Halle die ersten Schüsse. Die Bilder gingen um die Welt. Menschen fanden zusammen im Schmerz. Ein Jahr danach gilt es zu erinnern und Zeichen zu setzen. 

Alle Ereignisse des heutigen Tages hier im Liveticker:

18.31 Uhr: Gedenkfeier in Ulrichskirche beendet

Die zentrale Gedenkfeier in der Ulrichskirche ist beendet. Polizisten beginnen mit dem Abbau der Absperrungen rund um die Kirche. Im Anschluss an die Reden unterhält sich Bundespräsident Steinmeier mit Angehörigen der Anschlagsopfer. In Halle neigt sich ein Tag der Trauer, des Gedenkens und der gemeinsamen Entschlossenheit dem Ende. Die Botschaft aller Redner und Akteure am Freitag: Nie wieder - dafür braucht es uns alle.

18.10 Uhr: Reiner Haseloff verwirft sein Manuskript

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff ist in der Ulrichskirche überraschend von seinem Redemanuskript abgewichen. Er hielt stattdessen eine freie Rede. Es sei furchtbar, dass es diese Tat gegeben habe, sagte Haseloff mit Blick auf den Anschlag. „Ich frage mich nach wie vor: Wie konnte sowas in unserer Gesellschaft wachsen, entstehen und möglich sein? Ich konnte überhaupt nicht glauben, dass das unser Halle ist“, so der Ministerpräsident. Er forderte alle Bürger auf, wachsam gegenüber Extremismus zu sein. „Wir müssen ein besseres Sensorium entwickeln“, sagte Haseloff.

Er versicherte, das Land werde künftig einen besseren Schutz der Synagogen gewährleisten. Eine Diskussion über Ressourcen dürfe es dabei nicht geben. „Wir müssen als wehrhafte Demokratie handeln“, so der Ministerpräsident. 

17.41 Uhr: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier über Corona-Kritiker

Am ersten Jahrestag des Anschlags von Halle hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier dazu aufgerufen, Haltung gegen Antisemitismus und Menschenfeindlichkeit zu zeigen. Das Grundgesetz sei eine Verpflichtung für jeden Einzelnen, sich einzumischen und aufzustehen, wenn die Menschenwürde anderer missachtet werde, sagte Steinmeier.

Antisemitismus sei ein Seismograph für den Zustand der Demokratie. Je offener er sich äußere, desto stärker seien Werte, Toleranz und Achtung der Menschenwürde angefochten. „Deshalb muss es uns alarmieren, wenn Kritiker der Corona-Maßnahmen alte antisemitische Verschwörungstheorien neu aufleben lassen und sie millionenfach verbreiten“, sagte Steinmeier.

Das Staatsoberhaupt sprach den Überlebenden, Opfern und Hinterbliebenen sein Mitgefühl aus. Er empfinde tiefe Trauer. Auch ein Jahr nach dem Anschlag fühle er noch Scham und Zorn darüber, dass es nötig sei, jüdische Gotteshäuser in diesem Land zu schützen und dass antisemitische Taten zunähmen.

Der Bundespräsident verwies auch auf weitere rechtsextremistische Gewalttaten. „Heute erinnern wir uns an den Anschlag von Halle. Vor wenigen Wochen sprach ich mit den Angehörigen der Opfer von Hanau, kurz darauf gedachten wir in München der Opfer des Oktoberfestattentats vor 40 Jahren.“ Steinmeier sprach von einer blutigen Linie, die diese und weitere Taten verbinde. „Rechtsextremismus reicht tief hinein in unsere Gesellschaft und rechtsextremer Terrorismus weit zurück in unserer Geschichte.“

17.34 Uhr: Melancholische Motive des Komponisten Jean Sibelius in der Ulrichskirche

Zwischen den Reden füllen in der Ulrichskirche sanfte Streicherklänge eines kleinen Ensembles den Raum bis ins hohe Kirchengewölbe. Unmittelbar bevor der Bundespräsident zum Rednerpult schreitet, erklingen melancholische Motive des Komponisten Jean Sibelius. Die anwesenden Minister und Gäste ruhen in andächtiger Stille auf ihren Stühlen, die meisten tragen Masken.

17.28 Uhr: Max Privorozki über die Wunden durch den Anschlag

Max Privorozki, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde in Halle, hat sich bei der zentralen Gedenkveranstaltung in der Ulrichskirche für die Solidarität der Menschen in der Stadt nach dem Anschlag bedankt. „Ich werde die Geschenke, Emails und Briefe, die unsere Gemeinde bekommen hat, nie vergessen“, sagte Privorozki.

Er bedauerte jedoch auch anhaltende Anfeindungen gegen Juden in der Stadt. So habe es Hakenkreuz-Symbole vor der Synagoge sowie Beleidigungen von Juden in Halle nach dem Anschlag gegeben. „Das sind offene Wunden“, so der Gemeindevorsitzende. Privorozki nimmt auch Bezug auf die Äußerungen, die Holger Stahlknecht in Bezug auf Schutz von jüdischen Einrichtungen geäußert haben soll.

Ein normales Leben in der Gemeinde werde sobald nicht möglich sein. "Wir sind empfindlicher geworden als früher. Ich hoffe, dass wir zu normalem Leben zurückkommen. Aber durch den Tod von Jana und Kevin wird das wohl nicht geschehen", so Privorozki sichtlich bewegt.

17.12 Uhr: Bernd Wiegand begrüßt die Gäste

Bernd Wiegand eröffnet die Gedenkveranstaltung. Der Anschlag, so Wiegand, habe eine tiefe Narbe in der Stadt, vor allem aber in der jüdischen Gemeinde hinterlassen. 

Der Oberbürgermeister hat zu mehr Aufmerksamkeit beim Kampf gegen Rassismus und Antisemitismus aufgerufen. „Viele Menschen im Umfeld des Attentäters sahen offenbar weg, als er sich radikalisierte“, sagte das Stadtoberhaupt. „Er war kein Einzeltäter“, betonte Wiegand. Die Folge daraus könne nur sein: „Wir alle müssen stärker auf unser Umfeld achten.“ Es sei wichtig, nicht nur hinzusehen, sondern auch zu handeln, erklärte Wiegand mit Blick auf rassistische Äußerungen.

Mit bewegenden Worten erinnerte Wiegand in der Ulrichskirche in Halle zudem an die beiden bei dem Attentat ums Leben gekommenen Opfer. Jana L. sei Schlagerfan gewesen und habe leidenschaftlich gern Autogramme gesammelt, sagte der Oberbürgermeister. Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) habe ihr bei einem Besuch in Halle im Februar 2019 ein Autogramm gegeben, erinnerte Wiegand auf der Gedenkfeier. Kevin S., ein Malerlehrling und Fußballfan, sei ebenfalls bei dem Anschlag ums Leben gekommen. Auch an die Menschen, die bei der Flucht des Attentäters verletzt wurden, erinnerte Wiegand. 

17 Uhr: Zentrale Gedenkveranstaltung in der Ulrichskirche 

Die Gedenkstunde für die Opfer des Anschlags in Halle hat mit einer leichten Verspätung begonnen. Die Stühle, auf dem die Gäste Platz genommen haben, stehen im Sicherheitsabstand auseinand

16.55 Uhr: Grimm-Benne lobt Einsatz für Kiez-Döner

Die Gedenktafeln an der Synagoge und am Kiez Döner sind enthüllt. Sachsen-Anhalts Sozialministerin Petra Grimm-Benne nennt es ein „starkes Zeichen“, dass die Jüdische Studierendenunion Tausende Euro für den angegriffen Imbiss gesammelt habe, nachdem das Lokal infolge des Anschlags Umsatzprobleme hatte. Grimm-Benne gedenkt auch dem im Imbiss erschossenen Kevin S.. Terrortaten wir die von Halle seien „eingebettet in eine rechtsextreme Ideologie“, die es zu bekämpfen gelte. Es folgt das zentrale Gedenken in der Ulrichskirche. Dort sollen Bundespräsident Steinmeier und Ministerpräsident Haseloff sprechen.  

16.51 Uhr: Hunderte gedenken in Leipzig der Opfer des Anschlags von Halle

Hunderte Menschen haben am Freitag in Leipzig der Opfer des rechtsextremen und antisemitischen Anschlags vor einem Jahr in Halle gedacht. Aufgerufen zu der Demonstration, die am Synagogendenkmal begann, hatten unter anderem das Zentrum jüdische Kultur Ariowitsch-Haus und die Initiative 9. November, ein Zusammenschluss verschiedener Vereine und Personen.

Teilnehmer legten Blumen an dem Denkmal nieder und riefen zu mehr Zusammenhalt in der Gesellschaft im Kampf gegen den Antisemitismus auf. Sie bekundeten ihre Solidarität mit allen Menschen, die wegen ihrer Religion, ihrer Hautfarbe oder Sexualität diskriminiert werden. Im Gedenken an den Anschlag von Halle war für Freitagabend auch eine Mahnwache vor der Synagoge in Chemnitz geplant.  

16.47 Uhr: LuWu ist wieder frei

Die Sperrung in der Ludwig-Wucherer-Straße ist wieder aufgehoben.

16.22 Uhr: Limousinen auf dem Weg in die Innenstadt

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und weitere hochrangige Gäste fahren Richtung Innenstadt.

16.18 Uhr: Gedenken an Kevin S. vor Kiez-Döner

15.55 Uhr: Hohes Polizeiaufgebot rund um Tatorte

Das Polizeiaufgebot ist riesig. Vor dem Kiez-Döner sind außerdem inzwischen fast ein Dutzend schwarze Limousinen geparkt worden. Offenbar der Fuhrpark der Politiker, die direkt nach dem Gedenken an Synagoge und Imbiss in die Innenstadt fahren, um den zentralen Feierlichkeiten in der Ulrichskirche beizuwohnen. 

15.48 Uhr: Landtagspräsidentin Gabriele Brakebusch lobt Hallenser

Mittlerweile nieselt es. Jetzt werden Trauerkränze vor der Synagoge niedergelegt. Landtagspräsidentin Gabriele Brakebusch: „Ich empfinde Scham, dass unser Staat den Versöhnungsgottesdienst nicht schützen konnte.“ Sie spüre Wut angesichts des Antisemitismus in Deutschland. Die Stadtgesellschaft in Halle habe aber gezeigt, dass sie gegen Hass zusammen stehe. 

15.42 Uhr: Gedenktafel für Kevin S. enthüllt

Im Stadion des Halleschen FC ist die Gedenktafel für Kevin S. enthüllt worden, der am 9. Oktober in Halle ermordet wurde. Kevin S. war ein riesengroßer HFC-Fan, begleitete die Spiele seines Teams im Stadion und auf Auswärtsspielen. Der Verein und die anwesenden Fans setzten damit ein Zeichen gegen Hass und sie machten deutlich, dass Kevin wie auch Jana unvergessen sind.

Die Gedenktafel befindet sich an Kevins Stammplatz im Stadion. Auch seine Familie war zur Enthüllung ins Stadion gekommen. Es war ein hochemotionaler Akt.

15.35 Uhr: Mahnmal für Opfer wird enthüllt

Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden: „Ich bin heute mit gemischten Gefühlen nach Halle gefahren.“ Zum einen kämen die Gefühle des Anschlagstages wieder hoch, er fühle aber auch Dankbarkeit für die Solidarität.

Nun wird das Mahnmal enthüllt: Es ist die alte Synagogentür, die damals den Schüssen des Attentäters standhielt. „Sie ist ein Symbol der Hoffnung“, sagt Schuster. „Aber auch ein Symbol der Zerstörung.“

Die Künstlerin Lidia Edel hatte aus der Tür, die vor einem Jahr den Schüssen des Attentäters standhielt, ein Denkmal gefertigt. Die Tür mit den sichtbaren Einschusslöchern wird von einer Eiche gehalten, deren Äste eine Hand darstellen. 52 silberne Blätter hinter der Tür symbolisieren die Überlebenden des Anschlags - jeweils zwei Blätter vor der Tür erinnern an die Toten und Verletzten. 

15.32 Uhr: Gedenkakt in der Synagoge

Der Gedenkakt beginnt. Max Privorozki, Chef der jüdischen Gemeinde zu Halle, enthüllt gleich ein Mahnmal im Innenhof der Synagoge. Privorozki wendet sich an die anwesende Mutter des ermordeten Kevin S. „Das ist ein Mahnmal in erster Linie für ihren Sohn und Jana L.“, sagt der Gemeinde-Chef.

15.30 Uhr: Im Paulusviertel steht der Verkehr

In weiten Teilen des Paulusviertels geht jetzt verkehrstechnisch nichts mehr. Die Polizei hat die Straßen rund um die Synagoge weitläufig abgesperrt. Anwohner können jedoch zu Fuß zu ihren Wohnungen gelangen. 

15.17 Uhr: Steinmeier und Juden vor Synagoge

Zum Gedenken an der Synagoge treffen immer mehr Gäste ein. Ministerpräsident Reiner Haseloff und Oberbürgermeister Bernd Wiegand sind bereits da, gerade betritt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier das Gotteshaus. Auch Juden, die das Attentat vor einem Jahr in der Synagoge erlebten, sind zurück an Anschlagsort. 15.30 Uhr sollen Trauerkränze niedergelegt und eine Gedenktafel enthüllt werden.

15.03 Uhr: Sperrung der LuWu

Die Ludwig-Wucherer-Straße ist ab jetzt auf Höhe des Kiez-Döners in beide Richtungen gesperrt.  

14.28 Uhr: Warten auf Enthüllung einer Gedenktafel vor Synagoge

14.15 Uhr: Hier können Sie die Gedenkveranstaltung sehen

In diesem Jahr wird es pandemiebedingt keine Veranstaltung auf dem Marktplatz geben.

Audimax der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Erdgas Sportpark (1.000 Plätze)

Franckesche Stiftungen

Heilig-Kreuz-Kirche

„hr. fleischer“ e.V.

Islamisches Kulturcenter Halle (Saale) e.V.

Leopoldina

Lyonel-Feininger-Gymnasium

Marktkirche

neues Theater

Oper Halle

Steintor-Varieté

Stattdessen beginnt um 17 Uhr in der Konzerthalle Ulrichskirche das zentrale Gedenken, bei dem Oberbürgermeister Dr. Bernd Wiegand, Max Privorozki, Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff sowie Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprechen werden. Da aufgrund der Corona-Pandemie weiterhin die Hygiene- und Abstandsregeln gelten, ist die Anzahl der Plätze in der Ulrichskirche begrenzt. Zutritt haben hier nur geladene Gäste.

Es gibt einen Livestream, der an oben genannten Orten übertragen wird. Wichtig ist: Es gelten die aktuellen Hygienebestimmungen zum Schutz vor Corona.

14.03 Uhr: Trauer um Kevin S.

Am Grab von Kevin S., der vor genau einem Jahr von Neonazi Stephan B. in einem halleschen Dönerimbiss erschossen wurde, steht Kevins Vater Karsten Lissau mit seiner Verlobten Yvonne Seeber.

13.57 Uhr: Juden fühlen sich in Sachsen-Anhalt nicht sicher

Juden in Sachsen-Anhalt haben kein Vertrauen in Behörden und fühlen sich mit antisemitischen Vorfällen allein gelassen. Das ist das Ergebnis einer Studie einer bundesweiten Meldestelle, die heute bei der Demokratiekonferenz vorgestellt wurde.

So gaben in Interviews zwölf von 14 befragten Juden aus Sachsen-Anhalt an, ihre Religionszugehörigkeit aus Angst in der Öffentlichkeit zu verbergen.

13.46 Uhr: Brenzlige Situationen in der LuWu

An der Ludwig-Wucherer-Straße kommt es immer wieder zu brenzligen Situationen, wenn Autos und Fußgänger sich vor dem Kiez-Döner zu nahe kommen. Erst später am Nachmittag will die Polizei zeitweise die Straße sperren. 

13.29 Uhr: Passanten dürfen Blumen vor Kiez-Döner ablegen

Die Kontroverse um das Ablegen von Blumen und Kerzen vor dem Kiez-Döner ist nun aufgelöst worden. Die Polizei gestattet es nun wieder Passanten, ihre Trauer zu zeigen. Zuvor war es wegen Sicherheitsbedenken verboten worden, Blumen oder Kerzen vor dem Imbiss abzulegen. Die Erlaubnis gilt jedoch nur bis 15 Uhr.

Danach müssen alle Devotionalien bis etwa 16.30 Uhr auf die gegenüberliegende Straßenseite legen. Wenn der Bundespräsident den Ort wieder verlassen hat, soll die Fläche vor dem Imbiss wieder frei gegeben werden.

13.26 Uhr: Wissenschaftler Gideon Botsch fordert neue Aufarbeitung des anti-jüdischen Erbes

Der Wissenschaftler Gideon Botsch hat bei der Demokratiekonferenz im Stadthaus eine neue Aufarbeitung des anti-jüdischen Erbes in Deutschland gefordert. Die Gesellschaft habe sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt - etwa durch Migration und die Entwicklung der Religionen. „Wir müssen eine neue Bestandsaufnahme machen, was heute von der Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte noch gültig ist“, sagte Botsch. Der Professor am Moses Mendelson Zentrum für europäisch-jüdische Kultur in Potsdam war per Video aus Berlin zugeschaltet.

13.15 Uhr: Blumen vor Kiez-Döner jetzt doch erlaubt

Blumen und Kerzen dürfen nun doch vor dem Kiez-Döner in der LuWu abgelegt werden. Jedoch nur bis 15 Uhr und dann erst  wieder ab 17 Uhr, so die Einsatzleitung gegenüber der MZ.

13.08 Uhr: Blumen dürfen nicht abgelegt werden

Schwer zu verstehende Entscheidung der Organisatoren: Vor dem Kiez Döner dürfen derzeit weder Blumen, noch Kerzen abgelegt werden. Die Begründung: Ein Sprengstoffspürhund habe das Gelände gesichert und jetzt dürfe nichts mehr hingelegt werden, weil der dann noch ein zweites Mal kommen müsste, um das Gebiet zu sichern. 

Das dürfte der Grund dafür sein, dass bisher nur sehr wenige Kerzen und Blumen vor dem Imbiss niedergelegt wurden.
Viele Menschen können die Vorgabe nicht verstehen und nehmen ihre Kerzen und Blumen unverrichteter Dinge wieder mit.

13.06 Uhr: Menschen warten am Steintor auf Liveübertragung

Trotz Nieselregens haben sich viele Menschen am Steintor versammelt, um dort die Liveübertragung der Demokratiekonferenz aus dem Stadthaus zu verfolgen. 

12.50 Uhr: OB Wiegand eröffnet Demokratiekonferenz

Oberbürgermeister Bernd Wiegand hat die Demokratiekonferenz im Stadthaus eröffnet. Neben dem OB diskutieren hier weitere Politiker und Experten bis zum Nachmittag über Folgen des Anschlags.

„Antisemitismus und Radikalismus sind in unserer Gesellschaft angekommen. Es gilt heute Handlungen aufzuzeigen“, sagte Wiegand zum Auftakt. Auch Überlebende des Anschlags sollen im Laufe des Tages zu Wort kommen. 

12.46 Uhr: „Stummes Gästebuch“ am Steintor

Am Steintor wird ein „stummes Gästebuch“ ausgestellt. Es besteht aus Aussagen von Menschen mit Migrationshintergrund, die in den vergangenen Wochen interviewt worden sind. Passanten können das Gästebuch erweitern, in dem sie ihre eigenen Gedanken dazu schreiben. 

12.35 Uhr: „Omas gegen Rechts“ demonstrieren

In der Reilstraße stehen die "Omas gegen Rechts", die aktuell auch noch an weiteren Stellen in Halle an den Anschlag vor einem Jahr erinnern. Katrin Schmidt, eine der Omas, zeigt sich erschrocken, dass ihrer Einschätzung nach so wenig Halle wissen, dass der Anschlag heute vor einem Jahr war. 

12.15 Uhr: Stilles Gedenken am Steintor

Die Gedenkminuten haben am Steintor etwa 100 Hallenser gemeinsam verbracht. Das Glockenläuten war dort zwar nur leise zu hören, aber die Straßenbahnen standen still und alle Menschen hielten für einen Moment inne.

12.11 Uhr: Lange Schlange auf Steintorcampus

Vor dem Eingang zur Ausstellung „Raum der Erinnerung und Solidarität“ auf dem Steintorcampus bildet sich eine lange Schlange. Die Menschen warten, weil sie sich aufgrund der Coronamaßnahmen anmelden müssen, wenn sie die Räume besichtigen möchten. 

12.01 Uhr: Carillon spielt jüdisches Lied

Wenige Minuten vor 12 Uhr haben auf dem Marktplatz in Halle hunderte Menschen den Opfern des Anschlags gedacht. Minutenlang schwiegen die Menschen gemeinsam, es herrschte nahezu absolute Stille. Viele senkten den Kopf und schlossen die Augen. Vom Glockenturm erklang kurz nach 12 Uhr ein jüdisches Lied vom Carillon gespielt.

11.58 Uhr: Menschen legen Blumen vor Kiez-Döner nieder

In der Ludwig-Wucherer-Straße sind immer wieder Menschen mit Blumen in der Hand zu sehen, die sie vor dem Kiez Döner ablegen. 

11.53 Uhr: Vorbereitungen am Steintor für Übertragung

Am Steintor ist ein Zeltdach aufgebaut, unter dem die Menschen die Gedenkveranstaltung am Nachmittag als Livestream mitverfolgen können. Um 12.01 Uhr wird es auch hier eine Schweigeminute geben. 

11.47 Uhr: Ein Döner zum Gedenken an Kevin S.

Der 76-jährige Dieter Engelmann ist extra aus Lochau nach Halle gekommen. Im Kiez Döner hat er dem ermordeten Kevin S. gedacht. Er hat sich einen Döner gekauft und vor den Laden gesetzt. Dem gebürtigen Hallenser geht es an diesem Tag darum, Solidarität zu zeigen. 

11.20 Uhr: Kreide- statt Menschenkette ab dem Bahnhof Halle

Kurz nach 10 Uhr begann vor dem Bahnhof in Halle das Zeichnen einer Kreidemenschen-Kette. Diese soll in zwei Linien bis zum Marktplatz und zum Steintor verlaufen. Insgesamt 5,3 Kilometer. Aufgerufen zum Zeichnen der Kette hatte das Landesnetzwerk Migrantenorganisationen Sachsen-Anhalt (LAMSA).

Schnell beteiligten sich vor dem Bahnhof und in der Leipziger Straße aber auch Passanten und Schüler an der Aktion. Mamas Mohamad, LAMSA-Geschäftsführer, bekräftigte noch einmal, dass in der Aufarbeitung des Anschlags noch viele Fragen offen sind.

10.50 Uhr: Schüler malen Kreidebotschaften 

Auf die Schillerstraße in Halle haben Schüler aus Mansfeld-Südharz Botschaften mit Kreide gemalt. Bis zum Ende des Tages sollen noch viele weitere Botschaften dazu kommen, die Aktion ist offiziell angemeldet. 

10.44 Uhr: Polizei Halle schaltet Bürgertelefon

Die Polizei schaltet aufgrund der Sperrungen ein Bürgertelefon: Durch zahlreiche Gedenkveranstaltungen kommt es heute im Stadtgebiet von Halle zu Sperrmaßnahmen und zeitweisen Beeinträchtigungen des fließenden Verkehrs. Auch der Bus- und Bahnverkehr wird vorübergehend betroffen sein. Zur Information über die Maßnahmen hat die Polizei ein Bürgertelefon geschaltet. Die Rufnummer lautet: 03452241368

10.37 Uhr: Sperrungen von Humboldt- und Schillerstraße

Die Schillerstraße, die zwischen dem Kiez Döner und der Synagoge verläuft, ist heute ein komplettes Halteverbot. Kein Auto parkt mehr dort. 

Die Humboldtstraße ist ebenfalls für den Verkehr gesperrt.

Vor der Synagoge stehen inzwischen Blumenkränze. Die Arbeiten für die Enthüllungsveranstaltung der Gedenkplakette sind fast abgeschlossen.

10.25 Uhr: Vorbereitungen vor Kiez-Döner

Weitere Vorbereitungen vor dem Kiez-Döner in der LuWu: Mehrere Blumenkränze sind jetzt schon da und werden mit Plastikfolie geschützt. Hier findet 16.15 Uhr eine Gedenkveranstaltung statt. 

10.20 Uhr: Halle Schwerpunkt rassistischer Gewalt

„Die gesellschaftliche Aufarbeitung der Tat steht erst ganz am Anfang“, sagt Valentin Hacken, Sprecher des Bündnisses Halle gegen Rechts bei einer Pressekonferenz. Die Stadt sei nach wie vor einer der Schwerpunkte rassistischer Gewalt und rechtsradikaler Straftaten in Deutschland. Hacken nannte auch die Anti-Corona-Demos als Veranstaltungen, die rechtsradikale Positionen in die Gesellschaft tragen. 

9.55 Uhr: Umfrage unter Hallensern: So wirkt der Anschlag nach

9.48 Uhr: Ismet Tekin im Steintor-Campus zur Pressekonferenz

Im Steintor-Campus findet die erste Pressekonferenz des Tages statt. Das Bündnis Halle gegen Rechts informiert über die Ausstellung, die anlässlich des Gedenktages bis Sonntag an mehreren Orten am Steintor zu sehen sein wird. Auch Ismet Tekin, Betreiber des Kiez Döners ist anwesend

9.37 Uhr: Kränze vor dem Kiez-Döner

Vor dem Kiez-Döner in der Ludwig-Wucherer-Straße ist alles vorbereitet. Drei Ständer für Blumenkränze stehen vor dem Laden und eine Plane für Kerzen und weitere Blumen ist ausgelegt. Schwer bewaffnete Polizisten stehen auf der anderen Straßenseite.

Der 9. Oktober 2019: Rückblick auf die Ereignisse eines Jahres

Auf den Tag genau ein Jahr nach dem rechtsterroristischen Anschlag von Halle wird in der Stadt mit verschiedenen Veranstaltungen der Opfer des 9. Oktober 2019 gedacht. Dazu werden Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, erwartet. Ab 12.01 Uhr soll in der Saalestadt für drei Minuten das Leben ruhen und schweigend der Menschen gedacht werden, die getötet, verletzt und traumatisiert worden sind.

An Anschlagsorten werden Kränze niedergelegt, Gedenktafeln und ein Mahnmal an der Synagoge enthüllt. In der Stadt werden die Kirchenglocken läuten, Menschen in Gotteshäusern beten. Eine Demokratiekonferenz und Aktionen beschäftigen sich mit den Themen Rechtsextremismus und Antisemitismus. In der Ulrichskirche gibt es am Nachmittag eine zentrale Gedenkfeier für die Opfer des Attentats.

Heiko Maas: Rechter Terror größte Gefahr für unser Land

„Die Wunde, die jener 9. Oktober 2019 geschlagen hat, diese Wunde verheilt – aber es bleibt eine Narbe. Diese Narbe sollten wir nicht verstecken: Sie mahnt uns, sie erinnert daran, wie verletzlich unsere Gesellschaft ist“, erklärte Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos).

Außenminister Heiko Maas bezeichnete rechten Terror als „größte Gefahr für unser Land“. „Inzwischen gibt es alle 24 Minuten in Deutschland eine rechtsextrem motivierte Straftat. Das sind keine Einzelfälle, sondern das ist die bittere rechtsradikale Realität in Deutschland“, sagte der SPD-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. Jeder Einzelne müsse Rassismus und Rechtsextremismus die Stirn bieten. „Immer nur „Nie wieder“ zu sagen, reicht nicht. Wir sind alle gefordert, unseren Teil dazu beizutragen, damit sich in unserem Land alle sicher fühlen – egal woran sie glauben, wie sie aussehen, heißen, leben oder lieben“, sagte Maas.

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht erklärte, der Anschlag von Halle bleibe „ein unfassbares Verbrechen, getrieben von erschütterndem Hass gegen Jüdinnen und Juden“. „Der Nährboden solch schrecklicher Taten sind Hass, Hetze und Verschwörungsmythen voller niederträchtigem Antisemitismus. Dagegen müssen wir noch konsequenter vorgehen“, betonte die SPD-Politikerin. Der Kampf gegen Antisemitismus werde auch ein Schwerpunkt der Videokonferenz der EU-Justizminister an diesem Freitag sein, kündigte Lambrecht an.

Der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Thomas Haldenwang, warnte vor einem „steil ansteigenden Antisemitismus in Deutschland“. „Gerade in den vergangenen zwei Jahren haben Straftaten, auch Gewalttaten, gegen Juden und jüdische Einrichtungen in Deutschland erheblich zugenommen“, sagte Haldenwang dem Berliner „Tagesspiegel“ (Freitag). Die Sorgen der jüdischen Mitbürger seien berechtigt, dass sie auf offener Straße Opfer von Anfeindungen bis hin zu gewaltsamen Attacken werden könnten.

Anschlag in Halle: Versuch eines Massakers in Synagoge

Am 9. Oktober 2019 hatte der schwer bewaffnete Rechtsextremist Stephan B. versucht, die Synagoge in Halle am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur zu stürmen und ein Massaker unter 52 Besuchern anzurichten. Als ihm dies nicht gelang, erschoss er eine 40 Jahre alte Passantin vor dem Gotteshaus und in einem nahen Dönerimbiss einen 20 Jahre alten Gast. Auf seiner Flucht verletzte der Deutsche mehrere Menschen teils sehr schwer. Gegen den heute 28-Jährigen aus Sachsen-Anhalt läuft am Oberlandesgericht Naumburg der Prozess.

Die Bundesanwaltschaft wirft ihm vor, „aus einer antisemitischen, rassistischen und fremdenfeindlichen Gesinnung heraus einen Mordanschlag auf Mitbürgerinnen und Mitbürger jüdischen Glaubens“ geplant zu haben. Reue zeigte er bisher nicht. Der Mann sitzt in Untersuchungshaft.

Entsetzen nach Angriff vor Synagoge in Hamburg

In Deutschland hatte zuletzt der Angriff eines Mannes auf einen Studenten vor einer Synagoge in Hamburg im In- und Ausland für Entsetzen gesorgt. Der Deutsche mit kasachischen Wurzeln hatte nach Erkenntnissen der Ermittler den 26-Jährigen aus Judenhass mit einem Klappspaten attackiert und schwer am Kopf verletzt.

Nach der Tat wurde in der Hosentasche des Mannes, der eine Militäruniform trug, ein Zettel mit einem Hakenkreuz gefunden. Dem Mann werden versuchter Mord und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen.

Der Attentäter von Halle trug einen Kampfanzug, als er mit selbst gebauten Waffen und Sprengsätzen zwei Menschen erschoss, Menschen in Todesangst versetzte und um ihr Leben beten und zittern ließ. Bis heute berichten Menschen davon, dass sie das Trauma noch lange nicht überwunden haben.

Zugleich bieten Betroffene als Nebenkläger dem Angeklagten die Stirn und rufen die Gesellschaft zu mehr Engagement gegen Rechtsextremismus und Judenhass auf - an jedem Tag. (mz/dpa)

Ein Banner mit der Aufschrift "Jeder Mensch ist wertvoll, so wie er ist." hängt an der Marienkirche anlässlich des Gedenkens an den rechtsterroristischen Anschlag auf die Synagoge.
dpa-Zentralbild
Der Oberbürgermeister von Halle, der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, sowie Bundespräsident und Ehefrau sitzen in der zentralen Gedenkveranstaltung in der Ulrichskirche. 
ZB
 Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (vorne, r), der eine Kippa trägt, und seine Ehefrau Elke Büdenbender kommen mit Mund-Nasen-Schutz zur Synagoge in Halle/Saale.
ZB
Ein Tag nach dem Anschlag: Halles Einwohner und Gäste der Stadt trauen auf dem Marktplatz , zünden tausende Kerzen an, legen Blumen nieder und verharren in Andacht.
www.imago-images.de