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Hier in Halle, Newsletter vom 3. Januar 2026 Warum es auch für gute Vorsätze nie den richtigen Fahrplan gibt

Wie die Bahn auch den Chronisten des Fahrplan-Wechsels vor Aufgaben stellt, wieso es schon wieder Ärger um den Bau der A143 gibt, worüber die SPD in Halle sich mit der im Bund streitet, wie eine große Katastrophe in der Schweiz ins Klinikum Bergmannstrost kommt.

03.01.2026, 06:05
Hier in Halle schreibt heute Frank Klemmer.
Hier in Halle schreibt heute Frank Klemmer. (Grafik: Tobias Büttner)

eigentlich ist heute ja genau der falsche Tag, um über gute Vorsätze zu reden, oder? Entweder bin ich zu spät dran, weil ich mir ja am besten im alten Jahr noch etwas vorgenommen hätte. Oder aber zu früh, weil ich ja jetzt noch nicht sagen kann, ob ich mich daran wirklich halten kann.

Es sei denn, man hat sich wie ich im alten Jahr vorgenommen, im neuen Jahr öfter mit der Bahn zu fahren. Nicht aus irgendwelchen idealistischen Gründen übrigens, sondern als Resultat einer sorgfältigen Kosten-Nutzen-Abrechnung - mit einem Blick in den Geldbeutel in der Hand.

Das größte Hindernis für gute Vorsätze sind ja in der Regel der innere Schweinehund oder die alten Gewohnheiten, die es zu überwinden gilt. Es gibt aber auch andere: Fest entschlossen und gegen jede Gewohnheit machte ich mich am Freitag also auf den Weg zum Bahnhof.

Niemals vergessen: Auch ein neuer Fahrplan kann vertraute Reisegewohnheiten aus dem Tritt bringen.
Niemals vergessen: Auch ein neuer Fahrplan kann vertraute Reisegewohnheiten aus dem Tritt bringen.
(Symbolfoto: Andreas Arnold/dpa)

Dort fuhr mir gleich der Schreck in die Glieder: Der Fahrplan hatte sich geändert - klar, da hatte ich ja vor Wochen erst selbst drüber berichtet. Nun fuhr der Zug früher als vorher - und dann erstmal lange nicht. Noch bevor ich aus alter Gewohnheit wieder ins Auto steigen konnte, zeigte mir ein Blick auf die Uhr: Ich war tatsächlich zu früh genug. Die Bahn kam dann auch gleich und es konnte losgehen.

Merke: Wer gute Vorsätze nicht schon am zweiten Tag des Jahres aus den Augen verlieren will, muss auch noch früher aufstehen. Ganz schön anstrengend!

Darf der Tunnel für die Biotope keine Mittelwand haben?

Gar nicht so einfach bleibt es aber auch auf der Straße. Vor allem auf einer Straße, die es noch nicht ganz gibt: Die A143 und ihr Bau in Halles Westen sorgen weiter für Ärger. Wie mein Kollege Dirk Skrzypczak berichtet, sieht der Landtagsabgeordnete der Grünen, Wolfgang Aldag, jetzt Anzeichen dafür, dass die Deges beim Bau geltendes Recht missachtet.

Der Landschaftstunnel für A143 in Friedrichsschwerz wird erneut zum Streitfall.
Der Landschaftstunnel für A143 in Friedrichsschwerz wird erneut zum Streitfall.
(Foto: Steffen Schellhorn)

Es geht um einen 300 Meter langen Tunnel, der die Biotope in den Porphyrkuppen schützen soll. Darf der Tunnel eine Mittelwand haben? Eigentlich nicht, sagt nicht nur Aldag. Was die Behörden dazu sagen, ist so früh im neuen Jahr hingegen gar nicht so einfach herauszubekommen ...

Nach Austritt von Weißenborn: Auch Halles SPD-Chef kritisiert Klingbeil

Weiter geht derweil auch ein parteiinterner Streit, den Klaus-Dieter Weißenborn aus Halle Ende des Jahres noch ausgelöst hat: Der Kämpfer für Rentengerechtigkeit von DDR-Bürgern gibt sein SPD-Parteibuch ab.

Ignorieren Vize Lars Klingbeil (links) und Kanzler Friedrich Merz die Belange Ostdeutscher, vor allem in Sachen Renten?
Ignorieren Vize Lars Klingbeil (links) und Kanzler Friedrich Merz die Belange Ostdeutscher, vor allem in Sachen Renten?
(Foto: Michael Kappeler/dpa)

Das schlägt Wellen. Jetzt äußert sich nämlich Halles SPD-Chef Peter Dehn dazu. Auch der kritisiert vor allem die Bundespartei und zeigt Verständnis für Weißenborn, wie er meinem Kollegen Dirk Skrzypczak erklärt hat. Das klingt nicht nach einem friedlichen Start ins Jahr für Klingbeil.

Nach Crans-Montana: Verletzte Person nach Halle gebracht

Eine große Katastrophe aus der Silvesternacht hat zudem jetzt auch Halle erreicht: Eine Person, die beim Brandunglück im Schweizer Skiort Crans-Montana schwerste Brandverletzungen erlitten hat, ist am Freitag ins Klinikum Bergmannstrost nach Halle gebracht worden. Warum die Spezialisten dort auf solche Behandlungen besonders gut vorbereitet sind und bis zu drei weitere Verletzte aus Crans-Montana aufnehmen könnten, das hat meine Kollegin Annette Herold-Stolze aufgeschrieben.

Nach der Brandkatastrophe in der Bar und Lounge „Le Constellation“ wird eine schwerstverletzte Person auch in Halle behandelt.
Nach der Brandkatastrophe in der Bar und Lounge „Le Constellation“ wird eine schwerstverletzte Person auch in Halle behandelt.
(Foto: dpa)

Wobei man dort ja nicht nur mit den großen Katastrophen der Neujahrsfeierlichkeiten genug zu tun hat. Am Tag zuvor hatten die Verantwortlichen meiner Kollegin Luisa König bereits berichtet, wie so eine Silvesternacht im Klinikum Bergmannstrost zwischen Luftschlangen und amputierten Fingern abläuft.

Wenn ich also sehe, wie gefährlich und traurig so ein Jahreswechsel verlaufen kann, dann wirken mir meine „guten“ Vorsätze am Ende doch recht marginal: wie Sorgen, die man haben möchte. Weil noch viel mehr sogar nicht nach Fahrplan verläuft.

Ein schöneres Wochenende ohne solche Schlagzeilen und komplett nach Ihrem Plan wünscht Ihnen deshalb

Ihr Frank Klemmer