0340 Newsletter Dessau 9. Januar #130 Warum den Dessauern beim Blick auf Wintersturm „Elli“ die Erinnerung an Silvester 1978 hilft
Wieso die Intensivstation in Dessau ganz besonderen Besuch hatte - Welche 26 Tipps es für das Jahr 2026 gibt

am vorletzten Tag des Jahres waren es bestimmt 14 oder 15 Grad gewesen. Plus. Der Winter schien weit weg - und kam dann umso heftiger. Erst mit Frost. Dann mit Schnee.
Silvester 1978 war es, als die DDR im Chaos versank. Fast 50 Jahre ist das her. Die Insel Rügen war komplett von der Außenwelt abgeschnitten. In bis zu sieben Meter Höhe türmten sich dort die Schneewehen. Heißt es. 9.000 Bewohner der Insel mussten versorgt werden, auch 3.000 Urlauber. Es herrscht Chaos. 40 Dörfer waren nicht mehr erreichbar. Das war nur ein Beispiel.
Und in Dessau? Die Kohle war nach dem Dezemberregen völlig durchnässt gewesen, als der Frost kam. Auch im Kraftwerk Vockerode, das damals Dessau versorgte. Man bekam die Kohle nicht mehr aus den Wagen, die Transportbänder standen still. Es gab Stromabschaltungen. Vor allem in den Nicht-Fernwärme-Gebieten, weil man davon ausging, dass man dort irgendwie heizen konnte. Die Abschaltungen waren nie länger als sechs Stunden.

Am 5. Januar wurden in der damaligen „Freiheit“ erstmalig Probleme eingeräumt. Der Winterdienst funktionierte in der Stadt nicht überall, obwohl „456 zusätzliche Arbeitskräfte, 73 Lkw, 12 Ladegeräte, neun Schneepflüge und ein neuer Schneelader“ im Einsatz waren. Am 10. Januar wurde ein Foto veröffentlicht, das russische Soldaten beim Schneeschippen zeigte. Eine Besonderheit.
„Wir streuen unsere wichtigsten Straßen umsonst, da der Regen sofort wieder eine Spiegelfläche bildet“, meldete der Rat der Stadt kurz darauf. „Alle Busse sind pünktlich ausgerückt, jedoch kamen die Busse nicht wieder zurück“, erklärte der VEB Kraftverkehr. „Auf den Nebenstraßen ist es unmöglich, einen Bus fahren zu lassen.“
In Dessau gab es gespenstische Nächte. Die Bezirksenergiekommission hatte die Stadt aufgefordert, 2,6 Millionen Watt Elektroenergie einzusparen. Um das zu schaffen, wurde die Straßenbeleuchtung abgeschaltet. Mit Folgen: Am 10. Januar meldete die „Freiheit“ 142 Unfälle von Fußgängern. „15 Bürger wurden arbeitsunfähig geschrieben.“ Auch weil irgendwann Sand zum Streuen fehlte. Lauge half auch nur bedingt, obwohl in manchen Nächten bis zu 25.000 Liter auf die Dessauer Straßen gesprüht wurden. Mit mäßigem Ergebnis: „Im Berufsverkehr“, so die „Freiheit“, „in der Frühe erwies sich das als Tropfen auf den heißen Stein.“ Die ganze Stadt kämpfte mit und gegen den Winter.
Warum ich all das schreibe? Weil „Elli“ im Anmarsch ist und heute auf Dessau-Roßlau trifft. Wie genau, das ist trotz aller Vorhersagen ein großes Rätselraten. Schnee, Eis, Schneewehen. Vorsichtsmaßnahmen sind jedenfalls getroffen. Und alle hoffen auf einen unfallfreien Start in das neue Jahr 2026. Ich auch. Ich wünsche alles Gute, viel Gesundheit und: Bleiben Sie der MZ und dem Newsletter gewogen. Mit freundlichen Grüßen, Steffen Brachert
PS: Mein persönliches Ziel für 2026? Der Dessau Newsletter soll auf 2.000 Abonnenten steigen. Helfen Sie mit! Empfehlen Sie ihn weiter!
RÜCKBLICK
Dessauer der Woche
Ihren zweiten ersten Geburtstag hat Manuela Kertzsch in der Weihnachtszeit auf der Intensivstation des Dessauer Klinikums gefeiert. Mit Menschen, die ihr 2024 das Leben gerettet haben. Kertzsch war Heiligabend 2024 mit einer Blutung im Gehirn infolge eines geplatzten Aneurysmas als Notfall eingeliefert worden. Die Mutter von drei Kindern wurde umgehend operiert, das Aneurysma konnte erfolgreich versorgt werden. Es folgten mehrere Wochen Intensivbehandlung in Dessau und eine längere Rehabilitation, von der sich die Patientin nahezu vollständig erholte.

Ein Jahr später kehrte Kertzsch nun an das Klinikum zurück, um sich persönlich zu bedanken. Sie stand auf eigenen Beinen, ohne neurologische Einschränkungen, und erzählte von ihren Urlaubsplänen. Viele hatten das nicht für möglich gehalten.
Die Mitarbeitenden hätten sich sehr über den Besuch gefreut, berichtete ein Sprecher des Klinikums. Für die Kollegen auf der Intensivstation sei diese Geschichte mehr als ein medizinischer Erfolg. „Sie zeigt, dass Hoffnung manchmal stärker ist als jede Prognose – und dass Medizin, Menschlichkeit und eine Prise Glück ein kleines Wunder möglich machen können.“ Ein Weihnachtswunder, made in Dessau.
MZ-Geschichten der Woche
+++2026 ist noch jung. Grund genug, um einen Blick auf die diesjährigen Veranstaltungshöhepunkte in Dessau-Roßlau zu werfen. Für die MZ haben meine Kollegen Robert Horvath, Leonie Beer und Sophia Seifert 26 Empfehlungen zusammengestellt - und mindestens den Karnevalsumzug am 15. Februar vergessen, wie WCC-Ehrenpräsident Rolf Rätzer am Tag danach kritisch anmerkte. Er ist hiermit erwähnt.
+++Das MVZ des Städtischen Klinikums will seine Dessau-Roßlauer Facharztpraxen im früheren Diakonissenkrankenhaus konzentrieren. Welche Vorbereitungen dafür gegenwärtig laufen, welche Ärzte dort einziehen sollen - und welche nicht, das hat MZ-Kollegin Heidi Thiemann bei einem Vorort-Termin in der Gropiusallee erfahren.
+++Die Christuskirche in Ziebigk wurde im Dezember 125 Jahre alt. Warum sich die Gemeinde anlässlich des Jubiläums zukünftige Architekten eingeladen hat und welche Ideen diese für die Kirche mitbrachten, das hat MZ-Kollege Danny Gitter erfahren.

+++Das Dessauer Traditionsunternehmen „Büro-Eck“ für Bürobedarf schließt zum 1. März. Nach „Musik-Erber“ ist es ein weiteres Inhaber geführtes Geschäft, was aufgibt. Viele gibt es nicht mehr in der Stadt, Was die Gründe dafür sind und wie es für die Manja Eckert dann weitergeht, das hat die Inhaberin meiner MZ-Kollegin Leonie Beer erzählt.
AUSBLICK
Fest und Bühne
+++Zum „Tanneboomverglüh’n“ wird am Freitag, 9. Januar, 17 Uhr, an die Gaststätte „Grüner Baum“ in Kochstedt eingeladen. Der Verein „Zu Hause in Kochstedt“ hat dahinter sein Vereinsgelände. Gegen Kälte und Durst gibt es Glühwein, Punsch, Kaffee und Tee, gegen den Hunger gibt es Bratwurst. Wer will, kann übrig gebliebene Kekse, Stollen und natürlich seinen abgeschmückten und trockenen Weihnachtsbaum mitbringen.
+++Eine Après Ski Party ist für den Freitag, 9. Januar, im Kiez Cafe in der Bertolt-Brecht-Straße angekündigt. Versprochen werden „feinste Alpen-Hits, Glühwein, Jagertee und ein Feuer im Hof“. Los geht es 19 Uhr. Wer im Skianzug kommt, bekommt einen Shot für Free.
+++Abschied vom Weihnachtsbaum wird am Sonnabend, 10. Januar, auf der Roßlauer Wasserburg genommen. Dort geht es 16 Uhr los. Für jeden mitgebrachten Weihnachtsbaum gibt es einen Burgschnaps. Außerdem werden Getränke und Bratwurst angeboten. Der Abend soll gegen 20 Uhr ausklingen.

+++Was wäre, wenn in Deutschland Erbschaften durch das Jobcenter verlost werden? Dieses fiktive Szenario hat Nora Abdel-Maksoud in ihrer schwarzhumorigen Komödie „Jeeps“ entworfen, die am Sonnabend, 10. Januar, 20 Uhr, im Alten Theater gezeigt wird. Das Stück hatte am 30. Dezember Premiere.
+++Live-Musik mit den Deutschrockern von „Freispruch“ gibt es am Sonnabend, 10. Januar, im „Shamrock“ in der Zerbster Straße. Im ehemaligen Ratskeller geht es 21 Uhr los.
+++Seit Sommer 2022 geht Wigald Boning jeden Tag raus zum Baden - und hat darüber ein Buch geschrieben, dass der Comedian am Montag, 12. Januar, im Mitteldeutschen Theater in Dessau vorstellt. Los geht es 19 Uhr. Tickets sind noch erhältlich.
Topf und Pfanne
+++Einen irischen Abend plant das „Café Hilde“ am 17. Januar. Neben Live-Musik mit „Folk it Up“ wird eine kulinarische Reise nach Irland versprochen - mit einem herzhaften Irish Stew und einem klassischen Shepards Pie. Los geht es 19 Uhr. Der Eintritt kostet fünf Euro. Eine Reservierung unter (0340) 26163824 wird empfohlen.
EINBLICK
Erfolgreichster Social Media Post der Woche
+++In Dessau hat ein SB-Waschsalon in der südlichen Innenstadt eröffnet. Der heißt „rein.Waschen“ und hat großen Anklang gefunden. Wie auch der Text dazu bei Facebook. Der Post erreichten 18.700 Personen.

Meist geklickter Text der Woche
+++Es war ein Minibrand, der trotzdem viele interessierte: Am Sonntag waren Dessau-Roßlaus Feuerwehren in einer leerstehenden Kaufhalle im Roßlauer Mittelweg gefordert. Das Feuer war schnell gelöscht - und hat doch ein Nachspiel.
QUERBLICK
+++100 Jahre wird die Lufthansa 2026: Die Geschichte ist eng mit Junkers und Dessau verbunden. Die „FAZ“ hat zurück in die Vergangenheit geblickt. Die „Bild“ hat 100 Fakten zum 100. Geburtstag der Lufthansa zusammengetragen.
+++„Spiegel“-Journalist Peter Maxwill hatte Anfang 2025 über den AfD-Erfolg in Bitterfeld-Wolfen geschrieben. „Hier sehen Sie, wie man eine liberale Demokratie demontiert“ war die Überschrift. Der Text löste viele Diskussionen aus. Ein Stadt fühlte sich unfair dargestellt. Ein Jahr später beschäftigt sich Maxwill in seinem Essay „Ich schrieb über Rechtsextremismus - und plötzlich war ich das Problem“ über den Text und seine Folgen. Mit vielen richtigen Beobachtungen, aber auch ohne Lösungen für eine Stadt, in der die AfD und das AfD-nahe Pro Bitterfeld-Wolfen eine absolute Mehrheit haben. Und so gerade die Bundesmittel aus dem Programm „Demokratie leben“ gesperrt haben.
+++Rührwerksmühlen helfen bei der Feinzerkleinerung von Lebensmitteln wie Hafermilch. Ein Start-Up aus Köthen entwickelt derzeit einen völlig neuen Ansatz, der noch in diesem Jahr umgesetzt werden soll. Der MDR hat sich die Idee erklären lassen.
+++Die Spuren einer Diebes- und Hehlerbande, die hauptsächlich Kunstobjekte von Berliner Friedhöfen gestohlen hat, haben nach Zerbst geführt - und in dieser Woche zwei Sandsteinfiguren zurückgebracht. Die Kollegen der „Zerbster Volksstimme“ waren bei der Übergabe durch die Berliner Polizei dabei.
MZ-FOTO DER WOCHE

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