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Hier in Halle, Newsletter vom 31. Januar 2026 Wer mit der Bahn nach Halle fährt, der erlebt was

Eine Odyssee im Schienenersatzverkehr zwischen Bitterfeld und Halle, eine Rettung aus dem Regionalexpress an der Berliner Brücke, eine Baustelle in Landsberg, die keine ist - und warum Bahnfahren trotzdem Spaß macht.

31.01.2026, 06:06
Hier in Halle schreibt heute Frank Klemmer.
Hier in Halle schreibt heute Frank Klemmer. (Grafik: Tobias Büttner)

Ende Januar, der erste Monat des neuen Jahres ist zu Ende, Zeit für eine erste Bilanz: Wie klappt es eigentlich mit den guten Vorsätzen? Die „Älteren“ unter uns werden sich erinnern: Vor ziemlich genau vier Wochen hatte ich Ihnen hier verraten, dass meiner in diesem Jahr ist, öfter mit der Bahn statt mit dem Auto zur Arbeit zu fahren.

Und das klappte nach den damals geschilderten Anfangsschwierigkeiten auch ganz gut. Bis zum Anfang eben dieser Woche. Da geriet die S-Bahn irgendwie aus dem Takt. Nicht nur zwischen Halle und Leipzig, wie mein Kollegen Alexander Schierholz zu vermelden hatte, sondern auch auf der Strecke zwischen Halle und Bitterfeld.

Schienenersatzverkehr auf Umwegen: Alle Wege führen von Bitterfeld nach Halle - manchmal auch im Kreis.
Schienenersatzverkehr auf Umwegen: Alle Wege führen von Bitterfeld nach Halle - manchmal auch im Kreis.
(Foto: Peter Wölk)

Plötzlich fand ich mich also in einem Bus wieder: Schienenersatzverkehr. „Kein Problem“, hatte mir der Bahn-Kontrolleur zuvor noch im Zug gesagt, „von Bitterfeld und Halle nicht mal ne Stunde.“ Tja, was soll ich sagen: Es wurden mehr als anderthalb daraus.

Über alle Einzelheiten hülle ich mich an dieser Stelle gepflegt in Diskretion – halb so wild. Verraten will ich aber zumindest, dass ich Roitzsch bei Sandersdorf-Brehna jetzt besonders gut kenne: Wir sind mehrfach durchgefahren.

Den Bahn-Kontrolleur jedenfalls, der am Anfang so optimistisch war, auch selbst schnell anzukommen, habe ich bis nach Halle noch einige Male ungläubig den Kopf schütteln sehen.

Es geht auch schlimmer: Nach vier Stunden aus Regionalexpress evakuiert

Alles harmlos, wie ich schon am Mittwochabend feststellen durfte. Da war Kollege Marvin Matzulla bei einem Einsatz an der Berliner Brücke dabei, als rund 100 Fahrgäste nach mehr als vier Stunden aus einem defekten Regionalexpress geholt wurden.

Die Feuerwehr Halle startete am Mittwoch gegen 18 Uhr mit der Evakuierung des Zuges unweit der Berliner Brücke.
Die Feuerwehr Halle startete am Mittwoch gegen 18 Uhr mit der Evakuierung des Zuges unweit der Berliner Brücke.
(Foto: Marvin Matzulla)

Der Regionalexpress war kurz nach Abfahrt im Hauptbahnhof Halle liegengeblieben. Was beschwere ich mich also über so eine Busfahrt! Wie gesagt: Mache ich ja gar nicht. Alles halb so wild.

Eine Baustelle im Bahnhof Landsberg, die es gar nicht gibt

Ähnlich ungläubig wie der Bahn-Kontrolleur im Bus war ich dann aber trotzdem, als meine Kollegin Luisa König am Ende der Woche herausfand, dass die Odyssee eigentlich ganz umsonst war. Der Grund für den Schienenersatz war nämlich eine Baustelle im Bahnhof in Landsberg, die noch bis zum 11. Februar dauern sollte.

Mit der S-Bahn nach Halle: Das geht jetzt auch wieder von Bitterfeld aus.
Mit der S-Bahn nach Halle: Das geht jetzt auch wieder von Bitterfeld aus.
(Foto: Dirk Skrzypczak)

Die Kollegin erfuhr aber: Wegen des Winterwetters konnte am Bahnhof Landsberg nie gearbeitet werden. Deshalb entschied die Bahn, ab Freitag die S8 wieder nach Plan fahren zu lassen. Es geht also wieder mit Bahn statt mit Bus – und ohne Extra-Kreisel.

Streik am Montag: Die Bahn fährt, aber nicht Tram und Bus

Prima, dachte ich, da kann ich ja am Montag wieder Bahn waren. Und dann kam der Streik: Früh war am Freitag klar, dass dieser auch den Nahverkehr in Halle hart treffen würde. Sprich: Ich könnte mich wieder in die Bahn nach Halle setzen – aber da müsste ich dann laufen.

Streik bei der Havag: Am Montag fallen Busse und Straßenbahnen aus.
Streik bei der Havag: Am Montag fallen Busse und Straßenbahnen aus.
(Archivfoto: Annette Herold-Stolze)

Bei der Havag liefen die Vorbereitungen auf den Streik gestern auf Hochtouren – inkl. der Hinweise, wie die Fahrgäste doch noch zum Ziel kommen – wenn sie nicht laufen wollen. Unter anderem gab es da zunächst den Tipp, die Busse der OBS zu nutzen, die im Stadtgebiet unterwegs seien.

Das stimmt, fand meine Kollegin Livia Müller heraus, als sie bei der OBS nachhakte. Vom Streik sei man tatsächlich nicht betroffen. Die Fahrten im Auftrag der Havag in der Stadt könne man aber trotzdem nicht leisten – dafür kam alles zu kurzfristig. Manches lässt sich also nicht planen – und nicht jeder Tipp hilft am Ende wirklich weiter.

Was hätte ich ohne Bahn denn zu erzählen?

Mein Fazit nach dem ersten Monat des Jahres? Mit Bus und Bahn erlebt man Geschichten, die einem sonst höchstens erzählt worden wären. So wie Ihnen jetzt von mir.

Ich weiß, andere würden jetzt lieber wieder mit dem Auto fahren. Aber für mich: kein Grund wieder umzusteigen. Aber heute bleibe ich erstmal zu Hause. Morgen auch. Und über Montag muss ich noch mal nachdenken.

Ein schönes Wochenende wünscht Ihnen

Ihr Frank Klemmer