Sonderparteitag in Sachsen-Anhalt? Vorwürfe der Vetternwirtschaft: Die Unruhe in der AfD wächst spürbar (Kommentar)
AfD-Mitglieder aus Sachsen-Anhalt fordern wegen der Vetternwirtschaft-Affäre einen Sonderparteitag zur offenen Aussprache. Das ist nachvollziehbar - fraglich ist aber, ob die Basis nun wirklich auf Konfrontation zur Landesspitze geht, kommentiert MZ-Redakteur Jan Schumann.

Magdeburg/MZ - Erst war es nur ein Brief an die AfD-Bundesspitze, in dem Parteimitglieder aus Sachsen-Anhalt eine Klärung der immer neuen Vetternwirtschaft-Vorwürfe in ihrem Landesverband forderten. Jetzt gibt es den Ruf nach einem Sonderparteitag.
Das ist nachvollziehbar: Immer mehr AfD-Mitglieder wollen im höchsten Parteigremium Missstände besprechen, über die mittlerweile ganz Deutschland diskutiert. Allerdings wäre solch eine Aussprache auf offener Bühne gefährlich für die AfD-Spitze in Sachsen-Anhalt.
Viele AfD-Topleute hingen oder hängen selbst drin im Jobnetzwerk
Denn viele Topleute hingen oder hängen selbst drin im weiten, steuerfinanzierten Jobnetzwerk der AfD aus Abgeordneten und Verwandten.
Deshalb dürfte die Landesspitze kein Interesse an einem Sonderparteitag haben – denn wenn solch eine Veranstaltung bei der AfD erst ins Rollen kommt, kann es schnell laut, feindselig und unerbittlich werden.
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Viele solche Konfrontationen gab es schon in der Vergangenheit auf AfD-Parteitagen. Friedlich, sachlich und konstruktiv war das oft nicht.
Sonderparteitag wäre gefährlich für Sachsen-Anhalts AfD-Spitze
Die AfD-Landesspitze um Martin Reichardt und Spitzenkandidat Ulrich Siegmund kann bei solch einer kritischen Aussprache nur verlieren. Denn wie soll man diese Vetternwirtschaft nachvollziehbar auf offener Bühne erklären?
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Der Parteitag wird nur stattfinden, wenn genug AfD-Kreisverbände diese Konfrontation suchen. Es ist fraglich, ob die Basis diesen Mut hat – in einem Wahljahr.