0340 Newsletter Dessau 6. Februar 2026 #136 Warum Dessau-Roßlau eine Amnestie für Kleingärtner plant - und künftig genauer hinschauen will
Wieso ein Musikproduzent aus Roßlau eine eigenes Programm auf den Markt gebracht hat - Wo in Roßlau eine Bratwursttanke zum Döner-Drive-Inn wird

6.300 Kleingärten gibt es in Dessau-Roßlau. Mitte 2025 standen davon fast 1.000 leer. Dass Dessau-Roßlau immer weniger Einwohner hat, ist auch hier spürbar. Und trotzdem mögen viele Dessau-Roßlauer auf ihre grüne Oase nicht verzichten - und haben in den vergangenen Jahrzehnten dort einiges investiert. Manche so viel, dass die Laube längst ein Zuhause geworden ist. Was nicht erlaubt ist.
Lange genug hat man da nicht zu genau hingeschaut. Mit der Folge, dass noch mehr gebaut wurde. Wer aufmerksam durch manche Kleingartensparten geht, entdeckt dort regelrechte Ferienhäuser mit Gastank, Satellitenschüssel, voll ausgestatteter Küche und Theke. Dessau-Roßlaus Bauordnungsamt will nun das machen, was seine Aufgabe ist: für bauliche Ordnung sorgen.
Am Anfang soll eine Amnestie stehen. Was steht, das steht. Weder Pächter noch Kleingartenvereine müssen Ärger fürchten, wenn eine bereits stehende Laube die erlaubten Maße überschreitet.
Ab Sommer 2025 aber wird durchgegriffen. Das hat der Amtsleiter des Bauordnungsamtes, Christian Meister, in der vergangenen Woche während der Sitzung des Bauausschusses erklärt, an dem mein Kollege Oliver Müller-Lorey teilgenommen hat. Zwangsgelder, Nutzungsuntersagungen und sogar ein Abriss kommen in Betracht, sollten sich Kleingärtner auch nach dieser Warnung nicht an die Gesetze halten. Dabei komme es auch nicht darauf an, ob es von einem Kleingartenverein oder -verband eine Ausnahmegenehmigung gebe, der Gartennachbar nichts gegen den Ausbau habe oder der Vorstand ein Auge zudrücke. „Ab sofort schauen wir sehr genau hin“, sagte Meister.

Der Stadt gehe es dabei nicht darum, Kleingärtnern das Leben schwer zu machen. „Die meisten halten sich an die Regeln und nutzen ihren Garten dazu, wozu er auch gedacht ist: zum Gärtnern“, so Meister. Leider komme es aber mit Nutzern, die ihren Garten auch für andere Zwecke nutzen, immer wieder zu Konflikten. Und auch zu gewissen Erwartungshaltungen: Meister berichtete den Stadträten von einen Beispiel, wo Kleingärtner die Stadt verklagt haben, um einen Anschluss an das Abwassernetz durchzusetzen.
Wie viele Schwarzbauten es in Dessau-Roßlau gibt, kann niemand genau sagen. Dutzende seien es aber auf jeden Fall, schätzt der Amtsleiter. Damit es nicht noch mehr werden, wird sich die Verwaltung künftig auch Beweismitteln aus der Luft bedienen. Dem Dessau-Roßlauer Bauordnungsamt liegen Luftbilder aus dem Sommer 2025 vor. „Sie sind hochauflösend, so dass Veränderungen bei einem späteren Überflug erkannt werden“, sagt Meister. In zwei bis drei Jahren will er erneut Fotos aufnehmen und diese auf Schwarzbauten untersuchen lassen. Für diese Betroffenen gilt dann keine Amnestie mehr. Wer An- und Ausbauten in seiner Gartenlaube plant, sollte das bedenken. Viele Grüße, Steffen Brachert
RÜCKBLICK
Dessau-Roßlauer der Woche
Alexander Lysjakow hat einst den Bass bei „Down Below“ gespielt und mit der Band einige Erfolge gefeiert. Aber mehr noch interessierte ihn der technische Part des Musizierens, das Aufnehmen, Arrangieren, Abmischen - und so hat er sich in den vergangenen Jahren als Musikproduzent einen Namen gemacht. Für Frei.Wild., aber auch für die Kastelruther Spatzen und Nino de Angelo hat er Lieder produziert. „Wenn es gut gemacht ist, bin ich für fast alles zu haben“, sagt Lysjakow. „Das einzige Grauen, das ich habe, sind ultraschlechte Künstler.“
Im vorigen Jahr hat Lysjakow ein neues Projekt begonnen und StagePilotPro auf dem Markt gebracht. StagePilotPro ist eine Art Fernbedienung und für Liveauftritte gedacht. Musiker können per Handy, Tablet oder Laptop eine Datei abspielen, die den Orchestersound zum Song liefert. Überdies wird auf den Geräten der Musiker der passende Textabschnitt gezeigt.

Das Playback zu starten und den Songtext anzuzeigen – beides ist nicht neu. Aber mit Lysjakows Programm ist es wesentlich einfacher zu realisieren. Die Musiker scannen den auf einem Monitor angezeigten QR-Code – und das war’s auch schon. Auf dem eigenen Gerät muss nichts installiert werden.
Der Trick: Lysjakow hat den eigentlichen technischen Part in ein Programm verlagert, das er seit Jahren zum Aufnehmen, Schneiden und Abmischen benutzt und das mit StagePilotPro gesteuert werden. Das Programm ist inzwischen in Version 3 auf dem Markt, mit der zum Beispiel vom Handy aus Texte editiert oder Songs neu strukturiert werden können. Und das, sagt Lysjakow, werde nicht die letzte Neuerung bleiben.
MZ-Geschichten der Woche

+++Nach dem angekündigten Rückzug der Post in der Dessauer Kavalierstraße hat in dieser Woche unweit davon ein Ersatzstandort eröffnet. Hinter „Widmer’s Tabak-Börse“ steht eine 35-jährige Erfolgsgeschichte, erfuhr mein Kollege Robert Horvath bei einem Vor-Ort-Besuch.
+++2021 stand die Idee schon einmal im Raum, beim Neujahrsempfang hat sie Oberbürgermeister Robert Reck wieder aufgegriffen: eine Ausbildungsstätte für Lehrer in Dessau. Wie realistisch die Pläne sind, das haben meine Kollegen Leonie Beer und Oliver Müller-Lorey erfragt.
AUSBLICK
Fest und Bühne
+++Das Puppentheater „Traumland“ macht am Wochenende im Dessauer Kornhaus Station und präsentiert das Stück „Das Grüffelo-Kind”. Aufführungen gibt es am Sonnabend, 7. Februar, und Sonntag, 8. Februar, jeweils 11 und 15 Uhr. Der Einlass beginnt 30 Minuten vor Spielbeginn. Tickets gibt es vor Ort.
+++Bauchgesänge und andere Ungereimtheiten gibt es am Sonnabend, 7. Februar, 20 Uhr, im Mitteldeutschen Theater in der Dessauer Marienkirche. Murzarella alias Sabine Murza gastiert dort mit ihrer Music-Puppet-Show.
+++Die Dessauer Deutschrock-Band „Freispruch" kommt in den „Keller“ in der Zerbster Straße in Dessau. Geplant ist ein Akustik-Special, das an die Innenräume angepasst ist. Los geht es am Sonnabend, 7. Februar, 20 Uhr. Der Eintritt ist frei.
+++„Kikki & the Beatkings“ sind am Sonnabend, 7. Februar, im „Shamrock“ in der Zerbster Straße zu Gast. Start ist 21 Uhr. Der Eintritt ist frei. Die Band setzt auf Rock'n Roll- und Rockabilly-Songs.
+++Im Naturbad Mosigkau findet am Sonntag, 8. Februar, das mittlerweile sechste Eisbaden statt. Feuerschalen, mobile Sauna, heiße Suppen und Getränke: Alles ist vorbereitet. Los geht es 10 Uhr.
+++Es geht wieder los. Handball-Zweitligist Dessau-Roßlauer HV startet am Sonntag, 8. Februar, 17 Uhr, in die Rückrunde und will an die erfolgreiche Hinrunde anknüpfen. Zu Gast ist der VfL Lübeck-Schwartau.
Topf und Pfanne
+++Viele Jahre gab es hier die traditionelle Bratwurst. Zuletzt aber stand die ehemalige Tankstelle an der B184 in Roßlau leer. Bis sich Mohamed Gönen für den Standort interessierte und dort nun am Montag, 9. Februar, eine Art Döner-Drive-In eröffnet. Gönen hatte zuletzt das „Alibaba“ in der Zerbster Straße in Dessau übernommen und als „Mola“ wiedereröffnet. Neben dem Straßenverkauf plant der 42-Jährige in Roßlau einen Lieferservice, der Bestellungen im Umkreis von etwa zehn Kilometern abdecken soll. Im Sommer soll dann vor Ort noch eine Terrasse entstehen.

+++In der Dessauer Weinbar „fein.herb“ heißt es am Sonnabend, 21. Februar, wieder „Triff den Winzer“. Ab 19 Uhr ist an diesem Abend das Weingut Müllers (Kröv/Mosel) zu Gast. Bei der Jungweinprobe gibt es zehn ganz unterschiedliche Weine, alles Fassproben aus dem Jahr 2025. Und natürlich wird die Geschichte hinter dem Namen „Kröver Nacktarsch“ erklärt. Die Teilnahme kostet 25 Euro.
EINBLICK
Erfolgreichster Social Media Post der Woche
+++Auf dem alten Güterbahnhof wollte der Verein „Bahntechnologie“ ein Forschungszentrum für Wasserstoffzüge bauen. Doch aus dem „Trains Center“ wird nichts. Das Zentrum werde nicht „materialisiert“, teilte der Verein mit. Der Facebook-Post des Artikels erreichten 9.800 Personen. Das reichte in einer schwachen Facebook-Woche zum Sieg.

Meist geklickter Text der Woche
+++Die Stadtwerke Dessau warnen vor Betrügern an der Haustür. Wie diese vorgehen und worauf man jetzt achten solle, das beschrieb ein kleiner MZ-Beitrag in dieser Woche, der dank Google Discover viral ging und über 211.400 Klicks einsammelte. Ein rekordverdächtiger Wert.
QUERBLICK
+++Es ist eine Entdeckung, die selbst erfahrene Polarforscher überrascht hat: Eine weit abgelegene Region der Antarktis ist Heimat der vermutlich weltgrößten Adeliepinguin-Kolonie. Bei der Expedition dabei war auch ein Wissenschaftler vom Umweltbundesamt in Dessau-Roßlau. Der MDR hat mit Fritz Hertel gesprochen.
+++Eine neue 380‑kV‑Freileitung von 50Hertz soll durch die Zerbster Region führen - auch ein neues Umspannwerk ist geplant. Die Kollegen der „Zerbster Volksstimme“ haben erste Fakten für das Projekt zusammengetragen.
MZ-FOTO DER WOCHE

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