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71 Millionen staatliche Finanzhilfe Airlines ziehen ab: Warum die Flughäfen Leipzig/Halle und Dresden nicht aus der Krise kommen

Leipzig/Halle und Dresden tun sich schwer, neue Fluggesellschaften und damit zusätzliche Einnahmen zu gewinnen. Impulse könnten ein Jet-Hersteller und ein Industriegebiet liefern.

Von Steffen Höhne 20.01.2026, 06:00
In Leipzig/Halle läuft das Geschäft mit Ferienfliegern wie Condor weiter gut.
In Leipzig/Halle läuft das Geschäft mit Ferienfliegern wie Condor weiter gut. Foto: imago images/Christian Grube

Halle/MZ. - Die Passagierzahlen der Flughäfen Leipzig/Halle und Dresden steigen nicht so wie erwartet. Bei der Ansiedlung neuer Frachtairlines kommt die Mitteldeutsche Flughafen AG kaum voran. Die Gesellschaften sind daher bis 2029 auf weitere staatliche Millionenzuschüsse aus Sachsen und Sachsen-Anhalt angewiesen. Doch warum kommen die Airports nicht aus der Krise? MZ-Wirtschaftsredakteur Steffen Höhne gibt Antworten auf wichtige Fragen.

1. Warum kehren etliche Airlines den mitteldeutschen Airports den Rücken?

Die mitteldeutschen Flughäfen haben wie alle deutschen Flughäfen extrem unter der Corona-Pandemie gelitten. Vor allem der innerdeutsche Flugverkehr kam danach insgesamt nicht mehr in Schwung. Das hat Leipzig/Halle und Dresden besonders getroffen. So strichen die Lufthansa beziehungsweise die Lufthansa-Tochter Eurowings in Leipzig/Halle die Verbindungen nach Stuttgart, München, Düsseldorf und Köln/Bonn.

Doch auch die Billigfluggesellschaft Ryanair stellte im Frühjahr 2025 ihre Flüge von Leipzig/Halle nach London und von Dresden nach Mallorca komplett ein. Flughafen-Chef Götz Ahmelmann begründet die Entwicklung mit den schlechten Rahmenbedingungen in Deutschland. So würden die Billigfluggesellschaften unter anderem wegen der Ticketsteuer ihre Flüge teilweise ins Ausland verlagern, wo sie mehr Geld verdienen können. Das stimmt aber nur teilweise. Der Ryanair-Marketingchef für Deutschland, Marcel Meyer, beklagte zuletzt in der MZ auch zu hohe Landegebühren und zu hohe Kosten für die Sicherheitskontrolle in Leipzig/Halle. Anfang Dezember 2025 gab es ein Treffen zwischen Ryanair-Managern, Sachsens Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU) und Ahmelmann. Dabei dürfte es darum gegangen sein, unter welchen Bedingungen Ryanair Flüge von Leipzig/Halle und Dresden wieder aufnehmen würde.

Götz Ahmelmann, Chef der Mitteldeutschen Flughafen AG, setzt ein Sanierungsprogramm um.
Götz Ahmelmann, Chef der Mitteldeutschen Flughafen AG, setzt ein Sanierungsprogramm um.
Foto: Sebastian Willnow/dpa-Zentralbil

Die Konsequenz der bisherigen Entwicklung: Beide Flughäfen sind beim Passagieraufkommen noch deutlich unter dem Vor-Corona-Niveau. In Leipzig/Halle flogen von Januar bis Ende November 2025 laut Statistik der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen rund 2,1 Millionen Passagiere. Das sind 15 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum 2019. Vergleichsweise positiv entwickelt sich in Leipzig/Halle das Geschäft mit Ferienfliegern in den Mittelmeerraum.

Dresden zählte von Januar bis Ende November 2025 etwa 839.000 Fluggäste. Das sind 43 Prozent weniger. Dresden spürt auch immer stärker die Konkurrenz durch den tschechischen Flughafen Prag.

Zum Vergleich: An allen deutschen Flughäfen liegt das Minus noch bei zwölf Prozent, wobei Regionalflughäfen wie Dortmund, Niederrhein/Weeze (beide Nordrhein-Westfalen), Frankfurt-Hahn (Hessen) oder Nürnberg (Bayern) bereits deutlich über dem Niveau im Jahr 2019 liegen.

2. Wie entwickelt sich das Frachtgeschäft?

Der Flughafen Leipzig/Halle ist nach Frankfurt (Main) weiter der zweitgrößte Frachtflughafen Deutschlands. Das liegt vor allem am europäischen Drehfrachtflugkreuz des Logistikers DHL. Mitte 2024 verlängerten beide Partner ihre Verträge langfristig bis 2053.Mitte 2024 verlängerten beide Partner ihre Verträge langfristig bis 2053. Der Flughafen Leipzig/Halle setzte dabei bessere Konditionen durch. So soll DHL 20 Prozent mehr zahlen als im alten Vertrag. Das ist ein Erfolg der Flughafen-Führung. Doch es gelingt bisher nicht, in größerem Umfang neue Frachtairlines anzuziehen. Nach dem Rückzug von Amazon-Air setzt Ahmelmann auf Frachtflüge aus China. Doch trotz vieler Ankündigungen ist das Ergebnis bisher mager. Das Frachtaufkommen am Flughafen lag von Januar bis Ende November 2025 bei 1,27 Millionen Tonnen. Das ist ein Rückgang von 0,3 Prozent zum Vorjahreszeitraum.

3. Wie kommt das Sanierungsprogramm voran?

Neben zusätzlichen Einnahmen durch neue Verträge mit DHL wird an den Flughäfen gespart. So sollen Prozesse vereinfacht, digitalisiert und die Verwaltung verschlankt werden. Im vergangenen Jahr wurden 172 Stellen abgebaut, das traf vor allem die Tochter Portground, die für die Abwicklung von Gepäck und Fracht zuständig ist. Ahmelmann sagte zuletzt der „Leipziger Volkszeitung“, man liege voll im Zeitplan. „Wir sind 2024 mit rund 40 Maßnahmen in die Restrukturierung gestartet – heute sind es doppelt so viele.“

Das spüren auch die Reisenden. So sind weniger Gates, Check-ins und Toiletten geöffnet. Das Boarding erfolgt seltener über Fluggastbrücken, um Kosten zu sparen. In den Herbstferien 2025 hatten Flieger in Leipzig/Halle mitunter mehrere Stunden Verspätung. „Das ist eine Folge des Personalabbaus“, sagte Lou Hauser von der Gewerkschaft Verdi. Die Bodencrews kämen mit der Arbeit nicht nach. Der Flughafen nannte dagegen als Ursachen: Wetter, Luftraumkapazität und Streiks an anderen Flughäfen.

4. Was könnte Leipzig/Halle noch neue Impulse geben?

Aktuell lässt der Flugzeugbauer Deutsche Aircraft auf dem Flughafengelände in Leipzig/Halle eine neue Endmontagehalle für das Regionalflugzeug „D328eco“ errichten. Noch 2026 soll die Produktion starten. Bis zu 300 Mitarbeiter sollen in der Flugzeugwerft arbeiten. Der Flugzeugbau würde nach Mitteldeutschland zurückkehren, das internationale Image von Leipzig/Halle würde aufgewertet. Die Junkers-Werke in Dessau waren bis zum Zweiten Weltkrieg der führende deutsche Flugzeugbauer.

Gemeinsam mit dem Freistaat Sachsen und der Stadt Leipzig wird aktuell auch der sogenannte „Airport Industrial Park“ im Nordwesten Leipzigs entwickelt, unmittelbar am Flughafen. Es handelt sich um eine große Fläche von 130 Hektar (umgerechnet 182 Fußballfelder), die dem Airport gehören. Dort sollen Technologiefirmen angesiedelt werden. Im Leipziger Stadtrat hält man die Schaffung von 3.000 Arbeitsplätzen für realistisch. Durch den Verkauf von Flächen an Investoren könnten dem Airport Millionensummen zufließen.