Discounter und Supermärkte "Du darfst selbst kassieren": Steigende Zahl von SB-Kassen lässt Emotionen hochkochen
Selbstbedienungskassen breiten sich in Supermärkten und Discountern rasant aus – und sorgen für hitzige Debatten. Während Händler Tempo und Effizienz schätzen, fühlen sich manche Kunden alleingelassen oder genervt. Warum das neue Kassen-System so viel diskutiert wird und wo die größten Vor- und Nachteile liegen.

Halle (Saale)/Magdeburg. – Ob bei Rewe, Edeka, Lidl, DM oder Ikea: Selbstbedienungskassen (SB-Kassen) sind längst kein Nischenangebot mehr, sondern fester Bestandteil vieler Filialen. Der Trend hat sich seit der Corona-Pandemie deutlich beschleunigt – weniger Kontakt, weniger Personalbedarf, kürzere Warteschlangen.
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Gleichzeitig verschärfen Personalmangel, steigende Betriebs- und Lebensmittelkosten sowie veränderte Einkaufsgewohnheiten den Druck auf den Handel.
Vorteile von SB-Kassen: Schneller, flexibler, effizienter
Doch mit der wachsenden Verbreitung wächst auch der Widerstand. In sozialen Netzwerken, Leserbriefen und Kommentarspalten wird leidenschaftlich gestritten: über Serviceabbau, technische Hürden und das Gefühl, unbezahlte Arbeit zu leisten.
Aus Sicht der Händler liegen die Argumente klar auf der Hand. Selbstbedienungskassen sparen Platz, reduzieren Personalkosten und ermöglichen es, Stoßzeiten besser abzufedern. Besonders bei kleinen Einkäufen empfinden viele Kunden das System als angenehm.
Eine Studie des EHI Retail Institute aus dem Jahr 2025 zeigt, dass SB-Kassen vor allem bei Express-Einkäufen mit wenigen Artikeln punkten und von jüngeren Zielgruppen gut angenommen werden.
Discounter und Supermärkte wie Lidl oder Rewe treiben den Ausbau derzeit weiter voran und verknüpfen SB-Kassen zunehmend mit digitalen Bonusprogrammen und Apps, um den Checkout-Prozess weiter zu beschleunigen.
Nachteile von SB-Kassen: Technikprobleme, Kontrollgefühl und Frust
Auf der anderen Seite gibt es auch zahlreiche kritische Stimmen. Immer wieder berichten Kunden auf sozialen Plattformen von Fehlermeldungen und daraus resultierenden langen Wartezeiten, Waagen, die nicht korrekt messen oder das falsche Lebensmittel erkennen, oder fehlendem Personal, etwa wenn bestimmte Einkäufe mit einer Alterskontrolle verbunden sind.
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Manchen Kunden fehle daher das Verständnis für SB-Kassen. Besonders problematisch sei für viele das Gefühl, unter Generalverdacht zu stehen. Kameras, Gewichtskontrollen und Sicherheitshinweise vermittelten manchen den Eindruck, als potenzieller Dieb betrachtet zu werden.
Diebstahl und Sicherheit: Misstrauen auf beiden Seiten
Auch Ladendiebstahl ist ein zentrales Thema in der Debatte. Manche Händler reagieren mit zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen, da SB-Kassen als anfälliger für Waren-Klau gelten. Märkte wie Rewe und Edeka rüsten laut eigener Aussage ihre Systeme technisch nach, um Missbrauch zu verhindern.
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Doch genau diese Maßnahmen verstärken bei vielen Kundinnen und Kunden das Unbehagen. Ein Kommentator auf Facebook formuliert polemisch: "So macht Einkaufen Spaß – du darfst selbst kassieren und wirst dabei noch überwacht."
Service oder zusätzliche Arbeit beim Einkauf: Eine emotionale Debatte
Womit ein weiterer Kritikpunkt angesprochen wird: SB-Kassen verschieben demnach die Arbeit vom Personal auf die Kundschaft, ohne dass diese einen Vorteil, beispielsweise in Form eines kleinen Preisnachlasses, davon habe.
Zudem fühlten sich gerade ältere Menschen oder technikferne Käufer abgehängt. Der Einzelhändler Kai Lücke bezeichnete Selbstscankassen in einem Kommentar sogar als "Vollkatastrophe", da sie seiner Meinung nach Service abbauen und Frust erzeugen.
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Gleichzeitig zeigen Umfragen: Viele Käufer nutzen die SB-Kassen trotzdem – aus Zeitdruck oder weil die herkömmlichen Kassen oft unterbesetzt sind. Personalmangel belastet den Einzelhandel schon seit Jahren.
Der Trend ist am Ende eindeutig: Selbstbedienungskassen werden nicht verschwinden. Im Gegenteil: Der Handel setzt weiter auf Automatisierung, Scan-&-Go-Systeme und andere personalsparende Konzepte.
Wichtig sei vielen Kunden jedoch, die Wahlfreiheit zu haben: klassische Kassen für diejenigen, die Service wünschen – SB-Kassen für alle, die es schnell mögen.