Nun doch geplant Sachsen-Anhalts Schulen bekommen strengere Leitlinien für den Umgang mit Smartphones
Experten warnen vor permanenter Ablenkung im Unterricht - doch in Sachsen-Anhalt ist es Schulen bislang selbst überlassen, wie sie mit Handys umgehen. Was eine Landesbehörde jetzt vorhat.

Magdeburg/MZ - Sachsen-Anhalts Schulen sollen einheitliche Leitlinien zum Umgang mit Smartphones und Social Media erhalten. Das kündigte das Landesinstitut für Schulqualität und Lehrerbildung (Lisa) auf MZ-Anfrage an. „Dazu gehören unter anderem Fragen zur Nutzung von (privaten) Endgeräten“ an Schulen, erklärte Lisa-Referentin Kathrin Quenzler.
Es gehe außerdem um den Umgang mit sozialen Internetnetzwerken und um bessere Medienkompetenz zum Schutz der Schüler. Der Leitfaden des Landes soll eine „Orientierungshilfe“ bieten, und Sachsen-Anhalts Schulen klarere Regeln für die verschiedenen Klassenstufen empfehlen.
Sachsen-Anhalt plant Handy-Leitfaden in den nächsten Monaten
Vorgelegt werden soll der Leitfaden im ersten Halbjahr, so das Lisa. Zwar nennt das Institut noch keine konkreten Ratschläge an Schulen und Lehrer – laut Lisa sollen sich die Empfehlungen aber an den Ländern Niedersachen und Hamburg orientieren.
Die dort geltenden Leitlinien sind in Teilen strikt. Beide raten von der Smartphone-Nutzung in Grundschulen ausdrücklich ab. „Kinder im Grundschulalter verfügen in der Regel noch nicht über die notwendige Selbstregulationsfähigkeit, um digitale Geräte verantwortungsvoll zu nutzen“, heißt es im niedersächsischen Leitfaden.
Niedersachsen fürchtet süchtige Kinder
Ab der siebten Klasse sei zwar der schulische Einsatz von Smartphones und Tablets möglich – die private Nutzung von Smartphones im Unterricht solle aber untersagt bleiben. Zudem raten die Experten in Niedersachsen zur „Festlegung smartphonefreier Zeiten und Zonen“ in der Schule. Bis in die letzten Klassenstufen hinein sollen sich die Schüler außerdem kritisch mit ihrem eigenen Medienverhalten auseinandersetzen.
Der niedersächsische Leitfaden warnt bei häufiger Smartphone- und Social-Media-Nutzung vor spürbaren Auswirkungen wie Reizüberflutung, Konzentrationsproblemen und Schlafstörungen. Zudem berge die Social-Media-Nutzung neue Gefahren des Internmobbings – oder von suchthaftem Verhalten.
Handy-Verbote? Ex-Ministerin Feußner sah die Schulen in der Verantwortung
Es ist das erste Mal, dass Sachsen-Anhalt landesweite Leitlinien für die Handynutzung an Schulen aufstellt. Bisher legten Schulen ihre Regeln nach eigenem Ermessen fest – einige Einrichtungen haben Smartphone-Verbote auf dem Schulhof, andere sammeln die Geräte beim Betreten des Klassenzimmers ein.
Zuletzt hatte die Debatte über schädliche Handynutzung aber deutlich an Fahrt gewonnen, weil Australien als erster Staat der Welt ein striktes Social-Media-Verbot für 16-Jährige beschloss: nicht nur in Schulen, sondern ganz grundsätzlich.
Landesschülerrat stemmt sich gegen Handyverbot
Zudem hatte die Leopoldina in Halle – die Nationale Akademie der Wissenschaften – im August empfohlen, Kindern unter 13 Jahren die Social-Media-Nutzung zu untersagen. Auch für Jugendliche empfehlen die Wissenschaftler deutliche Einschränkungen, um psychischen Erkrankungen vorzubeugen. In Schulen rät die Leopoldina zum Smartphone-Verbot bis zur zehnten Klasse.
Doch das wird in Sachsen-Anhalt nicht kommen. In einer von den Linken beantragten Expertenanhörung im Landtag hatten sich sowohl Lehrer- als auch Schülervertreter und Bildungsminister Jan Riedel (CDU) gegen ein Generalverbot von Smartphones an Schulen ausgesprochen. „Ein Verbot bietet keine Grundlage für das Erlernen von Kompetenzen, sondern sorgt für eine noch unkontrolliertere und ungesundere Nutzung außerhalb der Schule“, sagte Lucienne Balke, Vorsitzende des Landesschülerrats.
Der Linken-Bildungspolitiker Thomas Lippmann forderte zügige Regeln für alle Schulen zur Handynutzung. „Die Konzepte müssen regelmäßig überprüft und fortgeschrieben werden“, sagte er der MZ. „Das Ministerium muss diesen Prozess unter anderem durch verbindliche Hinweise begleiten.“