Schüler-Theatertage

Schüler-Theatertage : Kritisch, aber heiter

Naumburg - Man schreibt den 31. Januar 2018. Der Winter ist eisig. Eine Familie sitzt in dicke Jacken gehüllt und mit Wollmützen auf dem Kopf im Wohnzimmer und friert. Die Heizung ist aus. Nach einer Energiereform heißt es, drastisch zu sparen - Energie wie Energiepunkte, die jede Familie zugewiesen bekommt. Auch Fleisch gibt es nicht mehr. Flugreisen sind tabu. Autofahren kann sich keiner mehr leisten. Wer sein Punkte-Konto überzieht, muss mit Sanktionen ...

Von Anna-Lena Schmidt und Constanze Matthes

Man schreibt den 31. Januar 2018. Der Winter ist eisig. Eine Familie sitzt in dicke Jacken gehüllt und mit Wollmützen auf dem Kopf im Wohnzimmer und friert. Die Heizung ist aus. Nach einer Energiereform heißt es, drastisch zu sparen - Energie wie Energiepunkte, die jede Familie zugewiesen bekommt. Auch Fleisch gibt es nicht mehr. Flugreisen sind tabu. Autofahren kann sich keiner mehr leisten. Wer sein Punkte-Konto überzieht, muss mit Sanktionen leben.

Diesen beklemmenden Blick in die Zukunft brachten „Lauchas Bühnenstürmer“, die Theater-AG des Burgenland-Gymnasiums, zu den Schüler-Theatertagen in der Aula der Freien Schule „Jan Hus“ auf die Bühne.

Jugendroman als Vorlage

Das von AG-Leiterin Dolores Pfeifer selbst geschriebene Stück mit dem Titel „2K18“ basiert auf dem Jugend-Umweltroman „Euer schönes Leben kotzt mich an“ aus der Feder von Saci Lloyd. „Das Buch hat mir Cora Kästner, eine ehemalige Schülerin und einstiges Ensemble-Mitglied, empfohlen“, erklärte Dolores Pfeifer. In drei Zeitabschnitten, Winter, Sommer und Herbst, werden die Auswirkungen der Energie-Knappheit und der Energiereform auf die Menschen erzählt. Auch Anzeichen des Klimawandels, so übermäßige Hitze und schwere Unwetter, werden thematisiert. Für Beklemmung sorgen die eingespielten Nachrichten, die von Radio-Brocken-Redaktionsleiter Markus Neumann speziell für das Stück eingesprochen wurden. „Ich habe den Sender angeschrieben und mich gefreut, dass das geklappt hat“, berichtete die AG-Leiterin, die erneut die Regie geführt hat, weiter. Trotz des ernsten Themas und der Spannungen in der Familie und zwischen Freunden: Das Stück zeigt in den passenden Momenten einen erfrischenden Humor, Wortwitz und Situationskomik. Auch die Musik kommt nicht zu kurz. Live präsentiert, gibt sie der Inszenierung eine besondere Note und am Ende sogar eine Botschaft mit auf den Weg. Die Gruppe und ihre Regisseurin „haben wieder ein Händchen für Menschen bewiesen, Ernst mit Heiterkeit verbunden“, würdigte Theaterpädagogin Katja Preuß.

Das Wesen des Menschen

Eine in diesem Sinne ganz ähnliche, weil witzige wie kritische Geschichte zeigte zuvor das Ensemble „Da Capo“ mit Schülern des Naumburger Domgymnasiums unter der Leitung von Gabriele Runkewitz und Jennifer Ehrentraut.

Es handelt von vier Außerirdischen, die an der Seite ihres Professors auf eine Exkursion zur Erde gehen. Er zeigt seinen Schülern in Vergangenheit wie Gegenwart das Wesen der Menschen, und das ist keineswegs vorbildlich: „Verrückt diese Irdlinge“ heißt deshalb auch der Titel der Aufführung. Neid, Gewalt und Schönheitswahn werden in verschiedenen Szenen dargestellt. Die Idee zum Stück, in dem 30 Schüler der Klassen 5 bis 8 auftraten, sowie Regie-Anweisungen gab der ehemalige Domgymnasiast Franz Klug, der das Ensemble seit längerem unterstützt, mit auf den Weg. Neben den Kostümen und der Ausstattung der Darsteller lebte die Aufführung von der Vielfalt der Requisiten wie Disco-Kugel, Frisierhaube und Computer-Bildschirme. Der Auftritt der Schüler offenbarte allerdings auch, dass die Vorstellung wohl etwas mehr Probezeit gebraucht hätte: Allzu oft war der Einsatz von Gabriele Runkewitz als Souffleuse gefragt. Sie zeigte sich trotz des Applauses am Ende enttäuscht. Die langjährige Ensemble-Leiterin wird ab September ihr Amt beenden: „Ich hoffe, dass die Theaterarbeit der Gruppe weitergeführt wird.“