Konflikt mit neuen Bewohnern

Konflikt mit neuen Bewohnern: Grünen-Politiker Aldag sauer wegen „Hasi“ am Galgenberg

Halle (Saale) - Die ehemaligen Hausbesetzer von der Hafenstraße 7, der sogenannten Hasi, sind zwar erst am Wochenende in ihr neues Domizil am Galgenberg eingezogen. Doch bereits jetzt sind Anwohner und Gewerbetreibende auf dem Gelände der alten Stadtgärtnerei von den Linken zunehmend genervt. Unter ihnen sind der grüne Landtagsabgeordnete Wolfgang Aldag - eigentlich ein Fan des Projektes - und sein Geschäftspartner, Andreas ...

Von Oliver Müller-Lorey

Die ehemaligen Hausbesetzer von der Hafenstraße 7, der sogenannten Hasi, sind zwar erst am Wochenende in ihr neues Domizil am Galgenberg eingezogen. Doch bereits jetzt sind Anwohner und Gewerbetreibende auf dem Gelände der alten Stadtgärtnerei von den Linken zunehmend genervt. Unter ihnen sind der grüne Landtagsabgeordnete Wolfgang Aldag - eigentlich ein Fan des Projektes - und sein Geschäftspartner, Andreas Guthe.

Neues Zuhause am Galgenberg: „Hasi“-Leute sollen Terrassenholz verfeuert haben

Beide betreiben eine Landschafts- und Gartenbau-Firma auf demselben Gelände, das die vornehmlich jungen Leute jetzt nutzen. „Wir wurden allerdings vor vollendete Tatsachen gestellt. Als mein Geschäftspartner nach dem Wochenende in die Firma kam, waren Teile der Fläche belegt. Offenbar hat niemand den ,Hasis’ gesagt, wo die Grundstücksgrenzen sind“, so Aldag. Außerdem sei Terrassenholz, Eigentum seiner Firma, verschwunden. „Wir gehen davon aus, dass unser Holz verfeuert wurde. Damit wurde eine Grenze gleich zu Beginn überschritten.“

Guthe sagte: „Zwischen unserem Wirtschaftsunternehmen und der Hasi gibt es konträre Ziele. Wir werden unsere Schlüsse daraus ziehen.“ Aldag wurde noch deutlicher und sagte, man werde „stark überlegen“, ob eine Koexistenz eines Wirtschaftsbetriebes neben einem antikapitalistischen Projekt möglich sei.

Umzug der „Hasi“-Leute an Galgenberg: Informierte OB nicht?

Kritik richtet sich auch an Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos), der den Umzug von der Hafenstraße an den Galgenberg maßgeblich vermittelt hatte. „Das ging holterdiepolter, wir fühlen uns überfahren“, so Guthe. Aldag sagte, es wäre schön gewesen, wenn Wiegand den anderen Pächtern vorher Bescheid gesagt hätte. Das wäre ein Zeichen des Anstands gewesen. Auf diesen Hinweis hin habe der OB jedoch nur geantwortet, dass die Stadt zahlreiche Flächen verpachte und nicht jedem Beteiligten Bescheid sagen müsse.

Am 5. Januar 2016 drang eine Initiative, die sich „Wir brauchen Platz“ nannte, in das seit zehn Jahren leerstehende Verwaltungsgebäude der ehemaligen Gasanstalt in der Hafenstraße 7 ein und beanspruchte es von da an für sich. Einige Politiker forderten schon damals die Räumung und forderten die Eigentümerin des Grundstücks, die Hallesche Wohnungsgesellschaft (HWG) auf, wieder die Kontrolle zu übernehmen.

Auch Oberbürgermeister Bernd Wiegand war zunächst nicht begeistert von der Besetzung und brachte eine Räumung durch die Polizei ins Spiel. Wenige Tage später wendete sich jedoch das Blatt und die HWG schloss einen Nutzungsvertrag mit den Hausbesetzern. Die Aktion wurde so legalisiert.

In der Folge präsentierten sich die Nutzer des Hauses als soziokulturelles Zentrum mit Angeboten wie basteln, gärtnern oder Vorträgen. Gleichzeitig mehrte sich aber auch die Kritik von Anwohnern, die sich an lauten Partys, Grillfesten und Randale störten.

Schließlich mehrten sich auch die Hinweise darauf, dass Linksextremisten das Projekt nutzen könnten. Darauf hatte schließlich sogar Innenminister Stahlknecht hingewiesen. Das Haus, beziehungsweise dessen Gäste, wurde daraufhin vom Verfassungsschutz beobachtet. Als der Nutzungsvertrag Anfang 2018 endete, klagte die HWG die Hausbesetzer heraus.

Grundsätzlich hält Aldag die „Hasi“ für eine interessante Idee

Aldag blieb grundsätzlich bei seiner Auffassung, die Hasi sei eine interessante Idee. Er trenne da zwischen sich als grüner Politiker und als Geschäftsführer. „Als Grüner halte ich das für eine gute Idee.“ Als Geschäftsführer würde ihn die Situation vor Probleme stellen, weil sich die Strukturen nicht vertragen würden. Bereits am Dienstag hatte langjähriger ein Bewohner des Geländes angekündigt, wegen des Verhaltens der neuen Nachbarn ausziehen zu wollen.

Unterdessen war die Hasi auch Thema in der Fragestunde des Stadtrates. Dort hatten sich Einwohner für den Erhalt der Hafenstraße 7 als soziokulturelles Zentrum ausgesprochen. Wiegand lehnte das ab. (mz)