„Hasi“ nun am Galgenberg

Hasi Halle nun am Galgenberg: Neuer Nachbar will wegen „Vandalen“ ausziehen

Halle (Saale) - Die „Hasi“ ist aus der Hafenstraße an den Landrain gezogen. Ein Mann, der seit Jahrzehnten dort wohnt, will wegen der neuen Nachbarn wegziehen.

Von Oliver Müller-Lorey 20.12.2018, 05:00

Verwunschen und geheimnisvoll sieht sie aus: die ehemalige Stadtgärtnerei am Galgenberg. Hinter einem schweren Eisentor erstrecken sich Gewächshäuser mit zerbrochenen Scheiben, weitläufige Grünanlagen und ein herrschaftliches mehrstöckiges Haus. „Sie lag im Dornröschenschlaf“, sagt Stephan Schirrmeister. Doch nun wurde die Stadtgärtnerei von den ehemaligen Nutzern der Hafenstraße 7, der „Hasi“, aufgeweckt. Am Wochenende waren sie nach turbulenten Wochen inklusive Räumungsversuch an den Galgenberg gezogen.

Schirrmeister spielt dabei eine wichtige Rolle. Sein Verein „Haushalten“ pachtet das 17.000 Quadratmeter große Gelände von der Stadt und verpachtet es an die Ex-Hasi weiter. Die Höhe der Pacht stehe noch nicht fest, liege aber unter 1.000 Euro. Nebenkosten müssten von den Nutzern selbst gezahlt werden. Eingerührt hatte den Deal Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos).

Halle: Haushalten-Verein hat Erfahrung mit der Nutzung von verlassenen Objekten

Der Haushalten-Verein habe Erfahrung mit der Nutzung von verlassenen Objekten, wie der Goldenen Rose, dem Goldenen Pflug oder der alten Schwemme. „Wir streben stets eine langfristige Nutzung an. Auch am Galgenberg soll langfristig ein soziokulturelles Zentrum entstehen“, so Schirrmeister. Dass die ehemaligen Hausbesetzer, denen in den vergangenen Jahren zahlreiche Alternativangebote zur Hafenstraße gemacht worden waren, sich erst jetzt, nach dem teuren Räumungsversuch und Gerichtsverfahren für den Galgenberg entschieben haben, habe seine Gründe, vermutet er.

„Sie haben sich das Objekt schon vor Monaten zwar angesehen, aber wollten in der Hafenstraße bleiben.“ Erst als sie dort keine Perspektive mehr gesehen hätten, hätten sie doch dem Umzug zugestimmt.

Schirrmeister: Neues Objekt am Galgengerg keine „Hasi 2.0“

Schirrmeister betonte, dass das Objekt keine „Hasi 2.0“ werden soll. In der Hafenstraße hatten sich Nachbarn über Lärm und Müll geärgert. „Die Akteure und Rahmenbedingungen werden nicht kopiert. Es sind klare Spielregeln definiert. Wenn sich jemand nicht daran hält, wird das Konsequenzen haben“, sagte er. Auch soll der langjährige Bewohner des Gärtnerei-Hauses, der in der obersten Etage wohnt, nicht vertrieben werden.

Am 5. Januar 2016 drang eine Initiative, die sich „Wir brauchen Platz“ nannte, in das seit zehn Jahren leerstehende Verwaltungsgebäude der ehemaligen Gasanstalt in der Hafenstraße 7 ein und beanspruchte es von da an für sich. Einige Politiker forderten schon damals die Räumung und forderten die Eigentümerin des Grundstücks, die Hallesche Wohnungsgesellschaft (HWG) auf, wieder die Kontrolle zu übernehmen.

Auch Oberbürgermeister Bernd Wiegand war zunächst nicht begeistert von der Besetzung und brachte eine Räumung durch die Polizei ins Spiel. Wenige Tage später wendete sich jedoch das Blatt und die HWG schloss einen Nutzungsvertrag mit den Hausbesetzern. Die Aktion wurde so legalisiert.

In der Folge präsentierten sich die Nutzer des Hauses als soziokulturelles Zentrum mit Angeboten wie basteln, gärtnern oder Vorträgen. Gleichzeitig mehrte sich aber auch die Kritik von Anwohnern, die sich an lauten Partys, Grillfesten und Randale störten.

Schließlich mehrten sich auch die Hinweise darauf, dass Linksextremisten das Projekt nutzen könnten. Darauf hatte schließlich sogar Innenminister Stahlknecht hingewiesen. Das Haus, beziehungsweise dessen Gäste, wurde daraufhin vom Verfassungsschutz beobachtet. Als der Nutzungsvertrag Anfang 2018 endete, klagte die HWG die Hausbesetzer heraus.

Doch genau darauf scheint es derzeit hinauszulaufen. Frank Hilgert ist dieser Mieter, den Wiegand, als er die Lösung vergangenen Freitag bekanntgegeben hatte, als Hausmeister bezeichnet hatte. „Ich bin kein Hausmeister, und das ist auch keine Dienstwohnung. Ich habe seit der Wende einen ganz normalen Mietvertrag, den man nicht kündigen kann“, sagte der 52-Jährige.

Neuer Nachbar am Galgenberg: „Ich suche bereits nach einer neuen Wohnung.“

Damit, dass man ihm diese „Vandalen“, wie er sagt, „aufs Grundstück gesetzt“ habe, sei er nicht einverstanden. Er habe seit Tagen kaum geschlafen und sei krankgeschrieben. „Ich suche bereits nach einer neuen Wohnung.“ Als die Leute am Freitag aufs Gelände gekommen seien, habe es geknallt und gepoltert. Das ganze Wochenende über habe es dann Partys mit Bands gegeben. „Auf Dauer geht das nicht. Mit meiner Wohnung habe ich inzwischen abgeschlossen“, sagt Hilgert. Leicht sei ihm das nach Jahrzehnten in diesem Haus nicht gefallen.

Von den neuen Nutzern des Geländes wollte sich niemand gegenüber der MZ äußern. (mz)