Mieten, Nahverkehr, Internet

Linke-Politiker Jan Korte schrieb Buch Die Verantwortung der Linken: Vertrauensverlust der Wähler ist Problem

Bernburg/Berlin - Jan Korte ist nicht bekannt, leise zu sein, wenn ihn etwas wurmt. Und es wurmt ihm etwas gewaltig. Deutliche Worte findet der Bundestagsabgeordnete der Linken, zu dessen Wahlkreis Anhalt auch die Bernburger Region gehört, in seinem neuen Buch, das am 10. Februar im Verbrecher Verlag Berlin erschienen ...

Von Andreas Braun 11.02.2020, 09:56

Jan Korte ist nicht bekannt, leise zu sein, wenn ihn etwas wurmt. Und es wurmt ihm etwas gewaltig. Deutliche Worte findet der Bundestagsabgeordnete der Linken, zu dessen Wahlkreis Anhalt auch die Bernburger Region gehört, in seinem neuen Buch, das am 10. Februar im Verbrecher Verlag Berlin erschienen ist.

In „Die Verantwortung der Linken“ setzt sich Korte damit auseinander, warum es wieder salonfähig ist, rechtes Gedankengut zu tolerieren, ja, warum es sogar gesellschaftsfähig ist. In den sozialen Medien grassiere der Hass. Flüchtling, Andersdenkende, eine Frau sein - das genüge oft schon, um attackiert zu werden.

Politiker hören ihren Wählern nicht zu, meint der Bundestagsabgeordnete Jan Korte

Woher komme diese Verrohung?, fragt Korte. Es fehle der Kontakt zum Wähler. Ihm werde schlicht nicht zugehört, ist sein Resümee. Themen wie schlechtes Internet oder schlechte Busverbindungen auf dem Land oder explodierende Mieten in den Städten - das komme kaum als alltägliche Thematik vor. Im Gegenteil.

Schnell werde über Gruppen von Menschen, die nicht auf der Sonnenseite leben, ein Bild gezeichnet, das sie in eine Schmuddelecke stelle. Dass diese Menschen gern denen zuhören, die ein „Wir-Gefühl“ erzeugen und sich vermeintlich der Menschen annehmen, sei dann nicht verwunderlich.

Gerade deshalb, ist sich Korte sicher, dass linke Kräfte, allen voran seine Partei, sich stärker einbringen müssen. Doch dass man an Gewicht verloren habe, habe man sich selbst zuzuschreiben. Und auch den anderen Partien kann er den Vorwurf nicht ersparen, am Erstarken rechter Kräfte in Deutschland eine Verantwortung zu haben.

Alle Parteien trügen Verantwortung für das Erstarken rechter Kräfte, erklärt Jan Korte

Die Politik werde von einer elitären Gruppe bestimmt, die kaum die Berliner Politikblase verlasse. „Wenn ich manche Fraktionskollegen mit Wohnsitz am Prenzlauer Berg höre, dann sage ich zu ihnen, kommt doch mal mit nach Bitterfeld. Köthen oder Bernburg. Erzählt den Menschen, sie sollen ihren Diesel schnell verkaufen und sich ein E-Auto zulegen. Das ist weltfremd und an der Realität vorbei“, so Korte.

Keiner mag sich mit den Verursachern des Dieselskandals - den Autokonzernen - auseinandersetzen. Es sei eben leicht über E-Autos und Energiewende zu reden, wenn man einen Tesla vor der Haustür stehen habe, so Korte. Das sei aber nicht Politik der Linken.

Dass etwas getan werden müsse, sei klar, aber es muss sich an der Realität des Lebens messen. „Wir dürfen keine zweite grüne Partei werden. Wir müssen wieder verstehen, was die Menschen auf der Straße zu uns sagen“, ist sein Plan, um das Profil zu schärfen. Was abhanden gekommen ist, sei zuzuhören.

Und man dürfe nicht einfach Gespräche abbrechen, wenn sie unangenehm werden. Denn die Menschen haben Ängste und Sorgen, die sie mitteilen wollen. Linke müssten wieder stärkere Sensoren dafür entwickeln, wie Menschen sich fühlen.

„Sich in jene hineinzuversetzen, die schlicht Angst haben, ihren Job zu verlieren”

„Und ich meine wirklich fühlen. Man sollte versuchen, sich in jene hineinzuversetzen, die schlicht Angst haben, ihren Job zu verlieren, und die oft nur kleine Träume haben - dass die Kleingartenanlage bleibt, dass das Kind eine Zukunft in der Region hat oder dass genug Geld da ist, um gemeinsam in den Zoo oder den Tiergarten zu gehen – soweit es ihn noch gibt.

Man muss sich um diese Menschen auch bemühen“, heißt es im Buch. Sie hätten das Gefühl, dass sie in politischen Debatten nicht vorkommen. Daran müsse man arbeiten, um der Verantwortung gerecht zu werden und um denen das Wasser abzugraben, die mit simplen Parolen Menschen auf ihre Seite ziehen wollen, schlussfolgert Korte. (mz)