Rechtsrock in Thüringen

Rechtsrock in Thüringen: 500 Neonazis bei „Sturm auf Themar 2.0“

Themar - Gerade einmal zwei Wochen liegt das Neonazi-Event „Rock gegen Überfremdung“ zurück. Es war mit 6000 Neonazis aus dem gesamten Bundesgebiet und Europa das größte Szenetreffen von Neonazis seit  dem Ende des Nationalsozialismus 1945 in ...

Von Jan Panzieri 29.07.2017, 20:49

Gerade einmal zwei Wochen liegt das Neonazi-Event „Rock gegen Überfremdung“ zurück. Es war mit 6000 Neonazis aus dem gesamten Bundesgebiet und Europa das größte Szenetreffen von Neonazis seit  dem Ende des Nationalsozialismus 1945 in Thüringen.

Die Szene-Integrationsfiguren Tommy Frenk und Patrick Schröder aus  Südthüringen und das „Turonen“ Netzwerk um Steffen Richter und  Thomas Wagner aus Ballstädt schafften es damals Hammerskin- und  Blood & Honour Netzwerke, freie Kameradschaften, rechte  Versandhändler oder Neonaziskleinstparteien in der kleinen Stadt Themar in Südthüringen zusammen zu bringen.

Am Samstag fand nun erneut ein Neonazikonzert unter dem Namen „Rock für Identität“ in Themar statt. Anders als vor zwei Wochen trat Patrick Schröder als alleiniger Veranstalter auf. Mit 500 Konzertbesuchern kamen weniger Neonazis als erwartet.

Im Vorfeld gab es Diskussionen innerhalb der rechten Szene über den
kommerziellen Charakter derartiger Veranstaltungen. Unternehmer wie Schröder verfolgen neben politischen, auch kommerzielle, eigennützige Ziele.

Rechtsrock in Themar: Wenig Besucher aus dem Veranstaltungsort

Der Direktor des Jenaer Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft Dr.  Matthias Quent weißt auf die lange Tradition von Musikevents in  Thüringen hin. Diese hätten sich popularisiert, da sie zunehmend  öffentlich stattfinden und immer mehr Menschen ansprechen. Sie sind  jedoch kaum anschlussfähig in den Veranstaltungsorten.

Gegen das Rock für Identität demonstrierten am Samstag etwa 500 Menschen. Kirchenverbände, Politiker und Politikerinnen und Bündnisse  gegen Rechts riefen zum Protest auf. Gerade im ländlichen Raum sei ein zivilgesellschaftlicher Protest wie in Themar vorbildhaft. „Es könne etwas  richtig tolles entstehen, dass über Themar hinaus geht“, meint die parlamentarische Beobachterin Katharina König-Preuss, die sich bereits  sehr lange gegen Neonazis engagiert.

Vernetzung und Aufbau von Neonazisstrukturen über Rechtsrock wie in Themar

Dennoch sollte man die Wirkung solcher Events nicht unterschätzen. Ein Vertreter der Mobilen Beratung in Thüringen (Mobit e.V.) betont, dass diese Konzerte eine wichtige Schnittstelle zwischen rechten Organisationen und Subkultur sind. Hier finde nicht nur eine Vernetzung zwischen gewaltbereiten und zum Teil paramilitärischen Nazistrukturen statt, sondern auch Ideologievermittlung und Geschichtsverdrehung.

Aus dem gesamten Bundesgebiet und aus Europa kamen etwa Blood & Honour Netzwerke, die beispielsweise das NSU-Trio unterstützt haben sollen. Zudem waren Neonazis der Europäischen Aktion in Themar, die den Holocoust leugnen und zuletzt in bei einer Razzia, bei der auch Waffen gefunden wurden, in Verdacht gerieten, Wehrsportübungen zu organisieren.

Die Gelder, die bei derartigen Veranstaltungen eingenommen werden, gehen nicht nur in die Taschen der Veranstalter, sondern fließen in diese Neonazi-Strukturen zurück. (mz)