Red Bull-ArenaRed Bull-Arena: Was RB Leipzig-Fans zum Stadion-Kauf und Umbau wissen müssen

Leipzig - RB Leipzig bleibt im Zentralstadion. Doch ab 2018 soll gebaut werden. Gibt es künftig Stehplätze? Wie viele neue Plätze kommen hinzu? Alle Fragen und Antworten.

Von Ullrich Kroemer und Martin Henkel 22.12.2016, 16:49
Red Bull wird das Leipziger Bundesliga-Stadion kaufen.
Red Bull wird das Leipziger Bundesliga-Stadion kaufen. imago sportfotodienst

Ein Ereignis jagt das nächste in der rasanten Weihnachtswoche bei RB LeipzigNach der Lehrstunde im Gipfeltreffen beim FC Bayern München entschieden die Macher des Klubs tags darauf, im Stadion auf dem Gelände des früheren Zentralstadions zu bleiben, und keine neue Arena zu bauen. Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Entscheidung.

Was wurde am Donnerstag entschieden?

Oliver Mintzlaff gab bei einer eilig am Donnerstagmittag einberufenen Pressekonferenz bekannt: „Es freut mich, Ihnen nach intensiven Gesprächen – auch intern innerhalb des Vereins – mitteilen zu können, das wir uns mit Herrn Professor Kölmel auf den Kauf der Red-Bull-Arena einigen konnten. Damit wird RB Leipzig weiter in diesem Stadion spielen.”

Wie konkret soll erweitert werden?

Ab 2018 soll die Leipziger Spielstätte in verschiedenen Bauabschnitten auf ein Fassungsvermögen von 56.000 oder 57.000 ausgebaut werden. Dafür gibt es drei grundsätzliche Überlegungen: In Fansektor B und im Gästeblock soll es Stehplätze geben. Die offenen Hintertor-Seiten sollen im Oberrang geschlossen werden. Und die Ränge sollen bis direkt an den Spielfeldrand hinunter erweitert werden. Eine zentrale Kennziffer sei die Erweiterung der derzeit 1280 Logenplätze auf mindestens das Doppelte. Wie konkret das geschehen soll, ist aber noch offen.

Welche Einschränkungen gibt es?

Noch gibt es keine Genehmigung der Stadt, ob das Stadion überhaupt von derzeit 43.000 auf 57.000 Zuschauer ausgebaut werden kann. Dafür muss eine sogenannte Bauvoranfrage genehmigt werden. Laut Johannes Zech, dem Architekten des Stadions, sei es eine echte Herausforderung, die 2004 gebaute Spielstätte tatsächlich auf eine Kapazität von 56.000 oder 57.000 Zuschauer auszubauen. Doch RB schuf mit der schnellen Verkündung bereits Tatsachen. Mintzlaff sei optimistisch, „dass wir zum Kauf schreiten können. Ich gehe nicht davon aus, dass es irgendwelche Dealbreaker geben wird. Wir sind sehr positiv gestimmt.”

Wie konkret war die Option Neubau?

„Es gab zwei Standorte, eines bei der Messe, der andere am Flughafen”, sagte Mintzlaff. „Beide sehr interessant. Es gab auch Richtung Neubau konkrete Planungen. Ein Architektur-Büro hat sich in den letzten zehn Monaten damit beschäftigt, wie so eine Red-Bull-Arena aussehen kann.“ Unter anderem beschäftigte sich RB mit der Möglichkeit, den Spielbetrieb während der Bauphase in ein mobiles Stadion zu verlagern.

Weshalb ist die Entscheidung für den Ausbau und gegen den Neubau ausgefallen?

„Wir haben alle Argumente gegeneinander gestellt und haben am Ende des Tages festgestellt, dass ein Verbleib in der Arena unter bestimmten Bedingungen die beste aller Lösungen ist”, sagte Mintzlaff. Und: „Wir hätten auch bei einem Neubau nicht mehr als 60.000 Plätze anvisiert. Deshalb sind wir auch mit den 57.000 zufrieden. Wir wollen lieber ein Stadion, das immer ausverkauft ist, als ein Stadion, das 70.000 oder 80.000 Plätze hat, aber fünf, sechs Spiele in der Saison nicht voll besucht ist.“ Und auch die Geschichte des Stadions und die Innenstadtlage spielten eine Rolle. „Was die Emotionalität angeht, gab es gar keine Frage, dass wir bleiben”, sagte Mintzlaff.

Wie konkret wurde verhandelt?

Stadionbesitzer Kölmel und Oliver Mintzlaff trafen sich regelmäßig zum Essen, um die Verhandlungen unter vier Augen zu führen. Man habe sich bewusst dazu entschieden, sich allein zu treffen, „um schneller voranzukommen”. Kölmel sagte: „Wir haben uns immer zum Mittagessen getroffen. Das Essen war gut und wir sind zielstrebig zu einem Ergebnis gekommen. Ich bin über die Entscheidung sehr froh, weil sie die Erfolgsgeschichte der Red-Bull-Arena fortschreibt.” Es mache Sinn, „dieses Stadion dem zu geben, der es hauptsächlich nutzt”. Nachdem sich Kölmel offenbar am Mittwochabend zum Kauf entschlossen hatte, entschieden auch Mintzlaff und Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz rund um das Spitzenspiel in München. Am nächsten Morgen dann wurde der Vertrag unterzeichnet.

Welche Rolle spielte Red-Bull-Boss Mateschitz bei der Entscheidung?

Eine große natürlich. Daraus machte Mintzlaff auch keinen Hehl. Der 41-Jährige bezeichnete das Projekt als „Joint Venture der Red Bull GmbH und RB Leipzig”; Multimilliardär Mateschitz „war in diesen Prozess zu jedem Zeitpunkt eingebunden”. Mintzlaff sagt: „Darüber, dass das Pendel in Richtung der Red-Bull-Arena ausgeschlagen ist, freut sich Herr Mateschitz.”

Hat Kölmel weiterhin eine Aktie am Stadion?

Filmunternehmer Kölmel hat eine Loge auf Lebenszeit und betreibt die Arena auch weiterhin bei Rockkonzerten im Stadion und auf der Festwiese vor dem Stadion. Zudem betreibt er die Arena (Halle) neben dem Fußballstadion weiter.

Was hat das Stadion gekostet?

Darüber hüllten sich Kölmel und Mintzlaff in Schweigen. Der RB-Boss sagte nur, dass die Kosten für Kauf und Umbau im Vergleich zu einem Neubau gar nicht mehr so „meilenweit” auseinanderlägen. Der Kaufpreis wird auf etwa 40 Millionen Euro geschätzt. Kölmel hatte das Stadion mit etwa 44 Millionen Euro mitfinanziert und soll laut MZ-Informationen zuletzt 2,9 Millionen Euro für Miete und Namensrechte jährlich bezogen haben.

Was wird der Umbau kosten?

Laut Mintzlaff sei das noch „zu vage, um Zahlen zu nennen. Die Frage ist, in welchen Schritten wir umbauen? Wo liegen die Prioritäten?” Es gebe auch „die rein theoretische Möglichkeit, alles in einem Abschnitt umzubauen und man spielt eine Saison lang in einem mobilen Stadion.“ Da gebe es inzwischen tolle Lösungen, so der Rheinländer.

Und was noch?

Es ist angestrebt, dass die derzeit in der Innenstadt angesiedelte Geschäftsstelle künftig im Stadion untergebracht werden soll. Noch sind die vorhandenen Räumlichkeiten im Stadiongebäude vom Sportamt der Stadt an verschiedene Sportvereine und -verbände vermietet. Doch den Platz beansprucht offenbar RBL. „RB wächst auch strukturell. Es gibt die Vorstellung, dass wir mittelfristig ins Stadion ziehen”, so Mintzlaff. Zudem kündigte der Macher mit Dreifach-Amt die Aufgaben künftig mehr zu verteilen. Im Frühjahr soll ein Geschäftsführer für die RB Leipzig GmbH gefunden werden, auch im Vereinsvorstand, dessen Vorsitzender Mintzlaff ist, könne es Veränderungen geben.