Red Bull-Arena

Red Bull Arena: Wie RB Leipzig das Stadion ausbauen könnte

Leipzig - Johannes Zech, Architekt des Zentralstadions, verrät, wie sich die Leipziger Arena optimal umbauen ließe.

Von Ullrich Kroemer und Martin Henkel
Die Fans im Sektor B wollen im ehemaligen Zentralstadion bleiben. Und der Klub?
Die Fans im Sektor B wollen im ehemaligen Zentralstadion bleiben. Und der Klub? imago sportfotodienst

Das Team von RB Leipzig bereitet sich dieser Tage mit Hochdruck auf das Heimspiel gegen Hertha BSC vor. So intensiv, dass die Trainingseinheiten an diesem Mittwoch wie bereits vor dem Spiel gegen Schalke hinter verschlossenen Türen stattfanden, um den Hertha-Scouts keinen Einblick zu gewähren. „Berlin ist nur einen Katzensprung entfernt“, erklärte Trainer Ralph Hasenhüttl.

Daher dürften nur die Medienvertreter eine Viertelstunde beim Erwärmen zuschauen, „danach müssen wir ein paar Inhalte reinpacken. Das sind die Wochen, die besonders intensiv sind. Da müssen wir noch einmal etwas in die Bücher gehen”, erklärte der Chefcoach.

Ein gutes Stichwort, denn auch die Verantwortlichen des Bundesliga-Neulings gehen seit Monaten in die Bücher: Hinter den Kulissen wird intensiv an einer Entscheidung in der Stadiondiskussion gearbeitet. Das Ergebnis ist noch spannender, weil weitreichender, als der Ausgang der nächsten Partien auf dem Platz. Zur Debatte stehen die Fragen: Ist es wirtschaftlich, das bestehende Stadion in der Innenstadt zu erweitern und möglicherweise von Stadionbesitzer Michael Kölmel zu kaufen? Oder baut Red Bull lieber eine Arena für 70.000 Zuschauer am Stadtrand neu?

Die aktuelle Informationslage zur RB Leipzig-Stadionfrage

Ursprünglich hatte der Verein verkündet, bis Ende des Jahres eine Entscheidung bekanntgeben zu wollen. Am Rande der Weihnachtsfeier von RB Leipzig an diesem Montag ließ RBL-Boss Oliver Mintzlaff allerdings durchscheinen, dass es wohl doch erst im neuen Jahr zu einer endgültigen Aussage komme. „Wir beschäftigen uns weiter mit dem Thema, das ist sehr facettenreich. Deswegen haben wir auch noch nicht alle Punkte zusammentragen können”, sagte der Leipziger Manager. „Aber wir befinden uns auf der Zielgeraden, sodass wir in den nächsten Tagen und Wochen entscheiden können, wie es weitergeht.”

Zu Weihnachten und zwischen den Jahren, teilte Mintzlaff süffisant mit, werde er sich jedoch ausnahmsweise eher mit Rinderbraten, als mit dem Stadion beschäftigen. Viel mehr, als Mintzlaffs „leichte Tendenz zum Neubau”, ist seit einem halben Jahr nicht zu erfahren.

Ebenso bedeckt hielten sich die Stadt und Stadionbesitzer Kölmel zu der sensiblen Thematik. Erst auf eine Anfrage der Linkspartei hin teilte die Stadt an diesem Mittwoch mit, dass eine Bauvoranfrage „zum Ausbau der RB-Arena mit einer Kapazität für 57.000 Besucher” vorliege. Gleichzeitig wiederholte die Stadt, „ihre Erwartung, dass RB Leipzig in der RB-Arena, am Standort des ehemaligen Zentralstadions, verbleibt”.

Die Stadt, das hat Jung bereits mehrfach bekundet, bevorzugt, dass RB Leipzig im aktuellen, erst zwölf Jahre alten Stadion im Herzen der Stadt bleibt. RB Leipzig freilich will vor allem das finanzielle Potenzial der RB-Begeisterung in der Region ausschöpfen. Wie also ließen sich durch einen Um- und Ausbau beide Interessen verknüpfen?
Lässt sich die Red-Bull-Arena überhaupt sinnvoll erweitern?

57.000 Zuschauer in der Red Bull-Arena? Architekt ist skeptisch

Laut einer von RB Leipzig in Auftrag gegebenen Machbarkeitsstudie lasse sich die Kapazität von derzeit knapp 43.000 auf 55.000 bis maximal 57.000 Zuschauer erweitern. Seltsam aber, dass der Verein mit dem Architekten Johannes Zech, der die Spielstätte von 2000 bis 2004 mit konzipiert und gebaut hat, bisher gar nicht gesprochen hat – ebenso wie mit anderen entscheidenden Experten, wie etwa dem Tragwerksplaner.

Eine Mail von Zech, international renommierter Architekt, beantworteten die Rasenballsport-Chefs nicht. Dabei ist Zech, der für die Ausführungsplanung zuständig war und die Arena aus architektonischer Sicht so gut kennt wie kaum ein anderer, durchaus gesprächsbereit. Der 50-Jährige traf sich mit der MZ, um ein mögliches Umbauszenario zu besprechen.

Zech sagt: „Das Stadion ist generell sehr filigran gebaut. Weitere 14.000 Menschen unterzubringen, halte ich für sehr ambitioniert.” Wenn man nicht die hochkomplexe und einmalige Dachkonstruktion aus Stahlprofilen anpassen wolle, was immens teuer wäre, bliebe nur eine Lösung mit zusätzliche Tribünen an den offenen Stirnseiten des Stadions neben den Anzeigentafeln. Zudem könnten die Zuschauertraversen ringsum bis zum Spielfeldrand erweitert werden.

Aktuell sind Ränge und Innenraum durch eine etwa 3,25 Meter hohe Betonmauer getrennt. Problematisch dabei sei die Entfluchtung im Notfall, betont Zech. Da das Stadion in das alte 100.000 Zuschauer fassende Zentralstadion hineingebaut wurde, ist die Arena über 18 Brücken mit dem umliegenden Stadionwall verbunden. Um eine mögliche Evakuierung von 14.000 weiteren Zuschauern zu gewährleisten, müssten weitere Brücken und Treppen gebaut werden. „Das ist sehr kompliziert”, sagt Zech.

Stehplätze im Block B? In Leipzig könnten sich Magdeburger Verhältnisse wiederholen

Zudem fordert der harte Kern der Fans seit Jahren, den Fansektor B zum Stehplatzbereich zu machen. Doch das sei aus statischen Gründen ebenfalls durchaus schwierig, sagt Zech. Es geht dabei um zusätzliche Schwingungen, denen die Tribünen ausgesetzt wären und für die die Traversen möglicherweise nicht ausgelegt seien. Aus diesem Grund herrscht beim 1. FC Magdeburg derzeit ein Hüpfverbot für die Anhänger in der Fankurve.

Und auch die Beschaffenheit des Bodens spielt eine Rolle. „Der Boden besteht aus Torf, Schlamm und Braunkohle”, sagt Zech. „Eigentlich denkbar ungünstige Voraussetzungen für ein Stadion.” Bei einer Erweiterung der Zuschauerkapazität um etwa ein Drittel ebenfalls eine große Herausforderung.

Lösungsvorschlag für die Red Bull-Arena von Architekt Zech

Zech schlägt vor, die Zuschauerkapazität nur moderat zu erhöhen und den vorhanden Platz lieber in die Erweiterung der Logenplätze beziehungsweise Sky-Boxen zu investieren. Derzeit kann Rasenballsport 18 separate Logen für je 15 Personen vermarkten. Bei einem Preis von 10.000 Euro pro Person und Saison ergibt das insgesamt 2,7 Millionen Euro an Einnahmen.

Laut Zech sei es machbar, auf den kurzen Stadionseiten - den Sektoren B und D - je 18 weitere Boxen für VIP-Gäste einzurichten, wenn man jeweils zwei Reihen an VIP-Containern oberhalb eines Durchgangs für die „gewöhnlichen“ Zuschauer übereinanderstapelte. Der Standort hinter den Toren ist freilich nicht so attraktiv wie der aktuelle. Doch auch in anderen Stadien sind VIP-Logen über das gesamte Stadionrund verteilt.

Dazu ließen sich auf der Gegengeraden in Sektor C noch etwa zehn weitere Logen einrichten. Das wären insgesamt bis zu 46 weitere Sky-Boxen-Plätze – bei voller Belegung von jeweils 15 Personen 6,9 Millionen Euro an Mehreinnahmen. Das brächte dem Verein finanziell mehr ein als 14.000 einfache Zuschauerplätze (bei einem Dauerkartenpreis von durchschnittlich 400 Euro), würde die Umbaukosten im Rahmen halten und wäre architektonisch vergleichsweise einfach umsetzbar. Vorausgesetzt, RBL hat überhaupt vor, im Zentralstadion zu bleiben. (mz)