Frust bei RBL

RB Leipzig: Pleite beim FC Porto zeigt RBL-Defizite deutlich auf

Porto - RB Leipzigs Spieler deuteten nach dem 1:3 (0:1) beim FC Porto nur ganz kurz und verhalten Applaus in Richtung der 1100 mitgereisten Fans an und verschwanden dann sofort in der Kabine.

Von Ullrich Kroemer
Enttäuschte RBL-Spieler nach Abpfiff in Porto. Der Vizemeister hat in der Champions League eine unnötige Niederlage kassiert.
Enttäuschte RBL-Spieler nach Abpfiff in Porto. Der Vizemeister hat in der Champions League eine unnötige Niederlage kassiert. dpa-Zentralbild

RB Leipzigs Spieler deuteten nach dem 1:3 (0:1) beim FC Porto nur ganz kurz und verhalten Applaus in Richtung der 1100 mitgereisten Fans an und verschwanden dann sofort in der Kabine.

Auch wenn sich RBL-Verteidiger Lukas Klostermann am Donnerstag für die Aktion entschuldigte: Der Frust über diese Niederlage in der wohl vorentscheidenden vierten Champions-League-Partie (sehen Sie hier die Highlights im Video) war größer als der Willen, sich bei den Anhängern zu bedanken, die vor dem Duell gemeinsam und lautstark durch engen Altstadtgassen Portos in Richtung Stadion gezogen waren.

Leider konnten Leipzigs Spieler auf dem Feld nicht an den euphorischen Auftritt der Fans anknüpfen – weder offensiv, noch in der Abwehr.

„Das ist eine sehr bittere Niederlage. Wir waren nicht das schlechtere, aber das weniger effektive Team heute Abend”, sagte Trainer Ralph Hasenhüttl zerknirscht. „Dass wir nach dem Aufwand, den wir betrieben haben, mit leeren Händen dastehen, ist Wahnsinn.”

RB Leipzig ärgert sich: Beim FC Porto war definitv mehr drin

Ihm war ebenso wie seinen Spielern bewusst, dass der Champions-League-Debütant RB Leipzig beim abgezockten, aber keineswegs furchteinflößenden „Drachen” FC Porto eine riesige Chance vertan hatte, um in der „Königsklasse” zu überwintern. Zumindest ein Punkt wäre möglich gewesen. Nun muss RB als Gruppendritter in den verbleibenden beiden Partien auf Patzer des Konkurrenten aus Portugal hoffen.

Hauptthema nach dem Spiel bei allen Leipziger Protagonisten waren die abermals schlecht verteidigten Standards, die wie schon im Hinspiel zu zwei Gegentoren geführt hatten. Nur dass RB Leipzig das dieses Mal offensiv nicht kompensieren konnte.

RB Leipzig: Erst patzt Kampl, dann Orban bei einer Standardsituation

Portos Spielführer Herrera traf nach einer Ecke schon früh nach einer Ablage aus dem Getümmel heraus (13.). „Wir haben bei Eckbällen eine klare Zuteilung, die sollte man auch bis zum Schluss einhalten, bis der Standard wirklich geklärt ist”, sagte RB-Kapitän Willi Orban. Sein Kollege Kevin Kampl hatte erst sein Kopfballduell gegen Herrera und dann den Torschützen aus den Augen verloren, als der Ball zu ihm zurückkam – ein Doppelfehler sozusagen.

Beim zweiten Gegentreffer durch Portos Defensivhünen Danilo Pereira, der RB Leipzig den Todesstoß versetzte (61.), versäumte es Orban dann selbst, entschlossener zu verteidigen. Selbstkritisch sagte der Spielführer der Leipziger: „Wir müssen uns als Viererkette besser fallen lassen, dürfen die Gegner gar nicht dazwischen in die Lücken laufen lassen. Da haben wir auch zu schludrig agiert.” Generell forderte der Innenverteidiger von sich und anderen bei gegnerischen Standards: „Wir müssen wacher und konsequenter sein, uns mit aller Macht reinschmeißen. Das ist zu naiv.”

Doch auch offensiv agierte RB Leipzig nicht mutig, klar und kreativ, sondern eigentümlich plan- und ratlos. Weder Kampl noch Naby Keita konnten dem Spiel ihren Stempel aufdrücken, durch Dribblings und Pässe Räume schaffen. So kamen kaum Chancen zustande. Ganze vier hatte RB in 90 Minuten – äußerst wenig für den Vize-Meister.

RB Leipzig fehlt beim FC Porto das Tempo in den Aktionen

1. BESIKTAS ISTANBUL 5 3 2 0 9:4 11
2. FC Porto 5 2 1 2 10:8 7
3. RB Leipzig 5 2 1 2 9:9 7
4. AS Monaco 5 0 2 3 4:11 2

Die nächsten Spiele am 6. Dezember:
FC Porto - AS Monaco
RB Leipzig - Besiktas Istanbul (beide 20.45 Uhr)

„Wir sind zu wenig ins letzte Drittel gekommen, haben nicht wirklich etwas mit unserem Ballbesitz anfangen können, haben zu viel quer gespielt, zu viel klein, klein, was nicht unser Spiel ist”, ärgerte sich Kampl. „Wir haben zwar viele Bälle gewonnen, haben es aber versäumt, geradlinig nach vorn zu spielen.”

Statt rasanten Umschaltens drehten die RB-Kicker immer nach hinten ab. Genau das war nicht Ziel des Spiels gewesen. In einem Geheimtraining am Dienstagvormittag hatten die Leipziger noch schnelle Ballgewinne und Automatismen bei überfallartigen Kontern geübt. Doch in der Realität zogen die Portugiesen ihr Abwehrnetz so eng zusammen wie das sonst bei RBL zu beobachten ist.

Richtig befreien konnte sich der Champions-League-Neuling eigentlich nur in der Szene, als Marcel Sabitzer auf den zur zweiten Hälfte eingewechselten Timo Werner in die Schnittstelle der Abwehr spielte und Werner zum 1:1 (48.) traf.

Champions League: RBL agiert nicht abgeklärt genug

Wäre RB nur einen Tick abgeklärter gewesen, hätte der Klub dieses Ergebnis auch über die Zeit gebracht, hätte somit den direkten Vergleich gegen Porto gewonnen und wäre als Gruppenzweiter in die verbleibenden beiden Spiele gegangen.

Doch Hasenhüttl monierte: „Nach dem 1:1 ist die Ordnung flöten gegangen, wir haben sehr euphorisch reagiert, das ist gefährlich, wenn man gegen eine so erfahrene Mannschaft so wild stürmt. Da waren wir dann entblößt.”

Nach dem 2:1 waren die Gäste dann mental und physisch nicht mehr in der Lage noch zuzusetzen, während Porto noch das durch Maxi Pereira 3:1 nachlegte (90.+3).

So ist diese Partie – dritte Niederlage in Serie in drei verschiedenen Wettbewerben - in der Lernkurve des jungen Teams ein empfindlicher Knick. Das lag auch daran, dass die Leipziger seit dem Hinspiel vor zwei Wochen nicht konkret am Verteidigen der Standards gefeilt hatten. (mz)