Kommentar zur Finanzhilfe für 3. Liga

Kommentar zur Finanzhilfe für 3. Liga: Die Rechnung des DFB wird nicht aufgehen

Halle (Saale) - Über Geldgeschenke freut sich jeder, ganz besonders in Krisenzeiten. So fiel die Resonanz auf Solidaritätszahlung der Deutschen Fußball-Liga (DFL) an die 19 Teams der 3. Liga auch positiv aus. Zumal das Geld, wie DFL-Boss Christian Seifert auf der Mitgliederversammlung am Donnerstag betonte, „an keine Bedingungen geknüpft“ sei. Ein Geschenk ohne Gegenleistung - was gibt es ...

Von Benjamin Binkle 24.04.2020, 14:02
Der DFB plant Geisterspiele in der 3. Liga. Viele Vereine lehnen das kategorisch ab.
Der DFB plant Geisterspiele in der 3. Liga. Viele Vereine lehnen das kategorisch ab. www.imago-images.de

Über Geldgeschenke freut sich jeder, ganz besonders in Krisenzeiten. So fiel die Resonanz auf Solidaritätszahlung der Deutschen Fußball-Liga (DFL) an die 19 Teams der 3. Liga auch positiv aus. Zumal das Geld, wie DFL-Boss Christian Seifert auf der Mitgliederversammlung am Donnerstag betonte, „an keine Bedingungen geknüpft“ sei. Ein Geschenk ohne Gegenleistung - was gibt es Schöneres?

300.000 Euro erhält jeder Klub als Finanzspritze. Eine solche hatte sich der Hallesche FC schon im März vom Deutschen Fußball-Bund (DFB), unter dessen Dach die 3. Liga ausgetragen wird, gewünscht. Nun kommt das Geld von den Profiklubs der Bundesliga, weil die vier Champions-League-Klubs FC Bayern, Borussia Dortmund, RB Leipzig und Bayer Leverkusen generös verzichteten.

DFB spricht schon offen von Saison-Wiederaufnahme

Dass die Reaktionen vieler Drittligisten aber nicht euphorisch ausfallen, mag an einer Mitteilung des DFB liegen. Kaum hatte Seifert das Geldgeschenk am Donnerstagnachmittag angekündigt, nutzte der Verband dies schon für seine eigenen Ziele: Der höchst umstrittenen Weiterführung der Drittliga-Saison mit Geisterspielen.

„Ich hoffe, dass es gerade den Vereinen der 3. Liga nach den jüngsten Diskussionen hilft, in der geplanten Wiederaufnahme des Spielbetriebs eine geeignete Chance und Perspektive zu sehen", wird Präsident Fritz Keller zitiert. Und wenige Sätze später heißt es dann gleich noch einmal: „Die Gelder können insbesondere helfen, die bei Wiederaufnahme des Spielbetriebs entstehenden Kosten für Organisation und Testungen in der 3. Liga und Frauen-Bundesliga zu decken und die Klubs somit nicht zu belasten.“

Es wirkt, als wolle der DFB mit seiner Mitteilung Fakten schaffen, die es so nicht gibt. Zur Erinnerung: Über die Fortführung der Drittliga-Saison mit Geisterspielen wird heftig gestritten. Es gibt dafür keine Mehrheit unter den Klubs, keinen Verbands-Beschluss – und ob das DFL-Konzept auch für die Bedingungen in Liga drei tauglich ist, darf ebenfalls bezweifelt werden. Am Ende entscheidet ohnehin nicht der DFB, sondern die Politik, ob in Deutschland bald wieder Fußball gespielt werden darf.

Trotz Finanzspritze der DFL: DFB-Rechnung geht für die 3. Liga nicht auf

Dass Deutschlands höchster Fußball-Verband angesichts dieser Sachlage das bedingungslose Geldgeschenk der DFL als „Motivationshilfe“ für die eigenen Pläne verkauft, mag noch keine moralische Erpressung sein. Es setzt aber die Klubs zumindest öffentlich unter Druck. Nach dem Motto: Der Verband ist solidarisch mit seinen Klubs, nun sollen diese auch bitte solidarisch mit den Verband sein.

Aber die DFB-Rechnung geht nicht auf. Das Geld brauchen die klammen Klubs dringend, auch ohne damit anfallende Mehrkosten für Geisterspiele auszugleichen. Zumal die Summe von 300.000 Euro dafür ohnehin viel zu gering ist. Mario Kallnik, Geschäftsführer des 1. FC Magdeburg, rechnet trotz der DFL-Hilfe mit einem Minus von 400.000 Euro durch Geisterspiele bis zum Saisonende.

Entsprechend wird die Front der Geisterspiel-Gegner durch das Vorpreschen des DFB nicht bröckeln. Tobias Leege, Vorstandssprecher des FSV Zwickau, ließ beim MDR schon mal wissen, dass sein Klub am Szenario eines Saison-Abbruchs ohne Absteiger festhalten will. Damit wird er nicht alleine sein. Denn sonst haben die Klubs nichts vom schönen Geldgeschenk der DFL – und zahlen am Ende sogar noch drauf. (mz)

Den Autor erreichen Sie unter [email protected]