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0340 Newsletter Dessau 23. Januar #132 Wie man Erdbeben misst und wie sich die Reden zum Neujahrsempfang auf der Ruckskala einordnen

Was zwei Hundertjährige für Lebensgeheimnisse haben - Was Mosigkau mit einer Klage vor dem Verwaltungsgericht zu tun hat

23.01.2026, 08:00
0340 Newsletter Dessau
0340 Newsletter Dessau Thomas Ruttke

die Stärke von Erdbeben wird in der Richterskala angeben. Ab Stärke 4 sind Erschütterungen spürbar. Bei politischen Reden gibt es für mich die Ruckskala, spaßeshalber benannt nach dem damaligen Bundespräsident Roman Herzog. 1997 forderte der CDU-Mann im noblen Berliner Hotel „Adlon“, dass ein Ruck durch Deutschland gehen müsse. Das Wort „Reformstau“ wurde wenig später zum Wort des Jahres gewählt. Fast scheint die Zeit seither stehen geblieben.

Die Reden zum Dessau-Roßlauer Neujahrsempfang auf der Ruckskala einordnen zu wollen, ist vielleicht etwas vermessen. Ein Ruckchen hätte es aber - auch in schwierigen Zeiten - schon sein dürfen.

Was bleibt von Robert Recks Rede in Erinnerung? 1. Die Buga. Mit der Dessau-Roßlau Stadtentwicklung betreiben will. Und bei der trotzdem immer noch die Frage bleibt: Was sollen sich Besucher von außerhalb 2035 eigentlich hier ansehen?

2. Das Klinikum. Einen Verlust von 31 Millionen Euro musste die Stadt 2025 ausgleichen, 24 Millionen Euro werden es 2026 sein. Trotz erfolgreicher Sparanstrengungen. Rückblickend fragt man sich schon etwas fassungslos, worauf die alte Klinikumsleitung eigentlich gewartet hat, um das Ruder herumzureißen. Die müssen das Minus doch auch gesehen haben...

Robert Reck bei der Neujahrsansprache im Anhaltischen Theater.
Robert Reck bei der Neujahrsansprache im Anhaltischen Theater.
Foto: Thomas Ruttke

3. Das Projekt der „Bauhaushochschule Dessau“. Das wirf viele Fragen auf, weil Robert Reck kaum Antworten gab.

Vielleicht erinnern sich noch manche: 2024 hatte die Stadt das Projekt „Universität Dessau - One Health“ präsentiert, maßgeblich initiiert vom Dessauer Klinikum. Ab Herbst 2025 sollten die ersten 120 Studenten an der Uni lernen, später war geplant, die Kapazität auf bis zu 3.000 Studenten und 15 Studiengänge auszubauen. Bei Studiengebühren von bis zu 9.000 Euro. Rückblickend könnte man das Projekt als kühn bezeichnend, vielleicht war es in der Lage des Klinikums auch einfach etwas größenwahnsinnig. Die Hochschule Anhalt jedenfalls protestierte heftig.

Wenn Reck also 2.500 Studenten an der Hochschule Anhalt in Dessau als Ziel nennt und eine neue pädagogische Hochschule plant, für die man mal eben ein „gutes Grundstück direkt am Campus und Bahnhof dazu geben will“, dann ist das zu untersetzen. Vor allem auch mit Blick auf 2028, wenn Recks siebenjährige Amtszeit endet. Spätestens zum Neujahrsempfang 2027 dürfte langsam der Wahlkampf beginnen. Mit der Buga allein wird - noch? - nichts zu gewinnen sein. Robert Reck braucht ein Erfolgsprojekt. Und mehr als eine Ruckrede.

Wahlkampf gibt es natürlich auch schon in diesem Jahr. Im September entscheidet sich ein Stück Zukunft des Landes Sachsen-Anhalt. Das weiß auch Sepp Müller, der beim Neujahrsempfang allerdings einen eher irritierenden Auftritt hatte. „Von Dessau-Roßlau lernen heißt deutsche Tugenden lernen“, erklärte der CDU-Bundestagsabgeordnete pathetisch und nannte „Zusammenhalt in stürmischen Zeiten“, „Mut zu politischen Entscheidungen für die Buga“ und „Zielstrebigkeit“ als Beispiele.

Ich verstehe das Ziel. Müller und mit ihm die CDU will der AfD den Patriotismus nicht allein überlassen. Doch Dessau war auch die Stadt, in der die NSDAP schon 1931 stärkste Kraft im Gemeinderat war, in der das Bauhaus geschlossen wurde, aus der das Zyklon B kam, mit dem in den 1940er Jahren Millionen Menschen vergiftet wurden. Ich weiß nicht, ob man sich ausgerechnet in Dessau-Roßlau auf deutsche Tugenden berufen sollte. Ein Ruck geht damit weder durch die Stadt noch durch das Land. Viele Grüße, Steffen Brachert

RÜCKBLICK

Dessauer der Woche

Gleich zwei Dessauerinnen haben am Mittwoch, 21. Januar, ihren 100. Geburtstag gefeiert. Als erstes wurde Lonny Schröpfer, die am Lustgarten wohnt, von Oberbürgermeister Robert Reck beglückwünscht. Der musste dafür nicht weit laufen vom Rathaus. Die Jubilarin habe sich sehr über den Besuch von Reck gefreut und auch über die Glückwünsche des Landes Sachsen-Anhalt, teilte die Stadtverwaltung mit.

Die 100-Jährige Lonny Schröpfer.
Die 100-Jährige Lonny Schröpfer.
Foto: Stadt Dessau-Roßlau

Lonny Schröpfer wurde in Mildensee geboren, wuchs auf dem Lande auf und arbeitete in der Landwirtschaft. 1994 habe es sie dann in die Innenstadt von Dessau gezogen. Reisen sei bis zu ihrem 88. Lebensjahr ihr großes Hobby gewesen. Mit dem Oberbürgermeister habe sie sich beim Gratulationsbesuch „hervorragend verstanden“ und hätte gerne noch länger mit ihm gesprochen.

Die zweite Frau, die am vergangenen Mittwoch ein ganzes Jahrhundert vollendet hat, war Waltraut Schank im Fischereiweg. Dort wohnt die „rüstige“ 100-jährige Dame bereits seit 1957. Hergezogen ist sie aus ihrer Geburtsstadt Steckby.

Die 100-jährige Waldtraut Schank.
Die 100-jährige Waldtraut Schank.
Foto: Stadt Dessau-Roßlau

Auf die Frage nach dem Geheimnis ihres Alters verriet ihre Tochter, dass Wandern viele Jahre lang eine Leidenschaft ihrer Mutter gewesen sei. Bis zu ihrem 98. Lebensjahr habe sie auch regelmäßig am Gymnastikangebot im Marienheim in Dessau teilgenommen. Nach ihrem 100. Geburtstag wolle sie nun alles etwas ruhiger angehen.

MZ-Geschichten der Woche

+++Ein Großteil der Kitas in Dessau-Roßlau meldet Entwicklungsverzögerungen bei einem Teil der Kinder. Besonders dramatisch ist es in der Kita „Farbkleckse“. Die Gründe dafür und wie der Missstand angegangen werden soll, das hat sich MZ-Kollege Robert Horvath bei einem Vorort-Besuch erklären lassen.

+++Projektentwickler haben am Montag ein Windenergie-Projekt für den Ortsrand von Mosigkau vorgestellt. Obwohl es nur um ein neues Windrad geht, ist die Skepsis groß. Wie die rechtliche Lage ist und was der Investor verspricht, das hat MZ-Kollege Danny Gitter erfahren.

+++Der ehemalige Ortsbürgermeister Mosigkaus, Jakob Uwe Weber, klagt gegen die Sitzverteilung in seiner Ortschaft. Es geht um die Frage, ob ein Passus im Wahlgesetz angewendet werden soll oder nicht. Gemeinden in Sachsen-Anhalt hatten das unterschiedlich gehandhabt. Was das Verwaltungsgericht in Halle sagt: MZ-Kollege Oliver Müller-Lorey war bei der Verhandlung dabei.

Innenministerin Tamara Zieschang lässt sich die „ResQnect“-App erklären.
Innenministerin Tamara Zieschang lässt sich die „ResQnect“-App erklären.
Foto: Müller-Lorey

+++Polizisten in Dessau haben seit November eine spezielle Anwendung getestet, die auf 6.400 Diensthandys und allen Streifenwagen landesweit installiert wird. Am Mittwoch wurde die „ResQnect“-App im Beisein der Innenministerin in Dessau vorgestellt. MZ-Kollege Oliver Müller-Lorey war dabei.

AUSBLICK

Fest und Bühne

+++Das 2020 gegründete „WOW-Varieté“ gastiert von Freitag, 23. Januar, bis Sonntag, 25. Januar, zum zweiten Mal und mit einer neuen Show im Mitteldeutschen Theater in der Dessauer Marienkirche und gibt dort fünf Vorstellungen. Das Varieté setzt auf Artistik, Akrobatik und Entertainment. Premiere ist am Freitag, 19 Uhr.

Das „WOW“-Varieté gastiert am Wochenende im Mitteldeutschen Theater in Dessau.
Das „WOW“-Varieté gastiert am Wochenende im Mitteldeutschen Theater in Dessau.
Foto: Wow Theater

+++ Unter der Überschrift „Musica Magnetica“ widmet sich die Reihe „Raum für Klang“ in ihrer sechsten Ausgabe ganz der elektronischen Musik. Die Konzerte finden am Freitag, 23. Januar, und Sonnabend, 24. Januar, jeweils um 19.30 Uhr im Bauhaus Museum Dessau in der Kavalierstraße statt. Die Abende beleuchten unter anderem den Komponisten Paul Arma, der 1931/32 die musikalische Arbeit im Bauhaus Dessau kuratierte und nach 1933 in Frankreich ein Pionier der Neuen Musik wurde.

+++Noch vier Mal steht „Räuber Hotzenplotz“ auf dem Spielplan des Anhaltischen Theaters, das nächste Mal am Sonntag, 25. Januar, 17 Uhr. Danach ist das Weihnachtsmärchen noch am 22. Februar, am 22. März und zum großen Finale am 5. April auf der großen Bühne zu sehen. Das Märchen nach einer Geschichte von Otfried Preußler hatte Ende November Premiere.

+++Eine „Cuba-Party“ gibt es am Sonnabend, 24. Januar, im „Shamrock“ in der Zerbster Straße. Ab 21 Uhr spielen die „Los Cuban Boys“ auf. Der Eintritt ist frei.

Topf und Pfanne

+++Früher war alles besser? Auf diesen „Trend“ setzt das Hotel „Stadt Köthen“ und bietet am 1. März von 11.30 bis 13 Uhr wieder ein DDR-Buffet an. Serviert werden Klassiker wie Graupensuppe, Soljanka, Eierfrikassee, Matjes, Tote Oma, Makkaroni mit DDR-Tomatensoße, Königsberger Klopse und Rostbrätel. Gezahlt werden muss allerdings in Euro. 28,90 Euro kostet es pro Person, Kinder bis 14 Jahre zahlen 14,90 Euro: Anmeldungen werden ab sofort entgegen genommen.

+++Jeden Mittwoch gibt es im „Ersten Dessauer Kartoffelhaus“ ab sofort ein besonderes Angebot: Ein Eisbein und ein 0,3-Liter-Pils ist für 17,90 Euro zu haben.

+++Zu einem Weinabend mit dem Weingut Proschwitz lädt am Freitag, 30. Januar, 19 Uhr, das „fein.herb“ in der Dessauer Johannisstraße. Versprochen sind „erlesene Weine in gemütlicher Atmosphäre, begleitet von Kleinigkeiten aus der Bistroküche“. Pro Person kostet es 60 Euro.

EINBLICK

Erfolgreichster Social Media Post der Woche

+++In der Dessauer Pestalozzischule ist in der vergangenen Woche ein Streit um eine pädagogische Mitarbeiterin eskaliert. Eltern erhoben Vorwürfe gegen die Frau - und suchten sich Unterstützer bei Influencern im Internet. Der Fall eskalierte - und wurde auf Facebook viel diskutiert. Über 18.700 Personen sahen den Post.

Der Facebook-Post zum Fall der Dessauer Pestalozzischule.
Der Facebook-Post zum Fall der Dessauer Pestalozzischule.
(Screenshot: Facebook/MZ Dessau)

Meist geklickter MZ-Text der Woche

+++Der vom Fußweg geräumte Schnee hat in Kühnau zu Streit unter Nachbarn geführt. Was vorgefallen ist und wie die Vorgaben zur Schneeräumung in Dessau-Roßlau lauten, das interessierte vergangene Woche 27.400 Leser.

QUERBLICK

+++Torsten Plaul aus Wittenberg lebte seinen Traum als Fernfahrer – und gehörte zu den Besten seines Fachs. Doch Stress, Termindruck und fehlende Wertschätzung zwangen ihn zum Ausstieg. Sein Fall steht exemplarisch für ein strukturelles Problem: In Deutschland fehlen inzwischen rund 100.000 Lkw-Fahrer – mit Folgen für Lieferketten und Versorgungssicherheit. Der MDR hat sich mit Plaul über die Gründe unterhalten.

+++„Drei perfekte Tage in der WelterbeRegion Anhalt-Dessau-Wittenberg“ ist ein Reisebericht überschrieben, der auf dem Portal „Bettys Vacation“ veröffentlich wurde. Welche Tipps „Betty“ gibt, das steht hier.

MZ-FOTO DER WOCHE

Polarlichter sorgten am Montag und Dienstag für ein beeindruckendes Himmelsspektakel - wie hier am Leopoldshafen.
Polarlichter sorgten am Montag und Dienstag für ein beeindruckendes Himmelsspektakel - wie hier am Leopoldshafen.
Foto: Uwe Rau

Wer Hinweise oder Anregungen hat, her damit: [email protected]