Dauerzoff in der AfD

Dauerzoff in der AfD: Gottfried Backhaus: „Mir ist das jetzt zu rechtsextrem“

Merseburg - Nach seinem Austritt aus dem Landtag droht AfD-Mann Gottfried Backhaus auch der Parteiausschluss.

Von Robert Briest 30.08.2017, 09:32

Zeitungslektüre kann überraschen. Zumindest hatte Gottfried Backhaus nach eigenem Bekunden am Wochenende dieses Erlebnis, als er aus der Zeitung von dem Parteiausschlussverfahren gegen sich erfuhr. „Offiziell habe ich davon noch nichts erfahren“, erklärte der AfD-Mann.

Eine Darstellung, der Hans-Thomas Tillschneider, ebenfalls Landtagsabgeordneter und Backhaus’ Nachfolger als Kreischef, widerspricht. Das Ausschlussverfahren laufe seit Juni. Seiner Kenntnis nach habe die Schiedsstelle Backhaus darüber informiert. Er habe sogar eine Frist zur Stellungnahme verstreichen lassen. Backhaus hingegen sagt, er kenne auch die Gründe für das Verfahren nicht.

Machtkampf in der AfD entschied Hans-Thomas Tillschneider für sich

Dass sich der rechtsoffene Tillschneider und der eher nationalkonservative Backhaus, der Mitglied der neuen parteiinternen Gruppe „Alternative Mitte“ ist, in ihren Positionen und Aussagen diametral gegenüberstehen, ist kein Novum. Im Winter tobte ein Machtkampf im Kreisverband, den Tillschneider zu seinen Gunsten entschied. Als Grund für das Ausschlussverfahren nannte dieser nun Backhaus’ Austritt aus der Landtagsfraktion im Juni.

Die sei wesentliches Element der Parteiarbeit: „Deswegen schadet der Austritt der Partei schwer“, verweist Tillschneider auf ähnliche Fälle in anderen Parteien.

Landtagsabgeordneter Gottfried Backhaus über die AfD im Saalekreis: „Mir ist das zu rechtsextrem.“

Einen Termin für die Verhandlung im Fall Backhaus gibt es derzeit noch nicht. Der Langeneichstädter kündigte unterdessen schon an, in der Partei bleiben und darum notfalls auch kämpfen zu wollen – auch wenn er mit dem derzeitigen Kurs der Führungsriege um Landeschef André Poggenburg und Tillschneider Probleme habe: „Mir ist das, was jetzt im Land und Kreis läuft, zu rechtsextrem.“

Eine Fehleinschätzung musste Backhaus allerdings einräumen. Er hatte nach seinem Fraktionsaustritt erklärt, er sei überzeugt, dass ihm und Sarah Sauermann weitere AfD-Abgeordnete folgen und sie bald eine neue Fraktion aufmachen würden. „Ich hatte damals nach Gesprächen dieses Gefühl.“ Dies trog. Und so könnte Backhaus bald nicht nur fraktions- sondern auch parteilos sein. (mz)