Bevölkerungsentwicklung

Bevölkerungsentwicklung: Landkreis Mansfeld-Südharz schrumpft und wird immer älter

Eisleben/Hettstedt/Berga - In keiner Region in Deutschland geht die Bevölkerung so stark zurück wie hier.

Von Fabian Wagener 28.04.2018, 07:00

Wenn man durch Berga läuft, kann es einem durchaus passieren, dass man auf eine Gruppe tobender Kinder trifft. Blickt man dann in eine jüngst veröffentliche Datenerhebung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung, so könnte man fast den Eindruck gewinnen, als sei dies eine Seltenheit - denn der Landkreis Mansfeld-Südharz ist in Sachen Bevölkerungsentwicklung bundesweit Schlusslicht.

Um 6,2 Prozent nahm die Bevölkerung zwischen 2010 und 2016 ab. Kein anderer Landkreis ist so stark geschrumpft - und in kaum einem ist die Bevölkerung so alt.

Altersdurchschnitt in Mansfeld-Südharz liegt bei 49,3 Jahre

In Berga spiegelt sich diese Entwicklung indes so nicht wider. Hier kann man leichte Bevölkerungszuwächse feststellen. „Seit 2015 geht es bei uns bergauf“, sagt Ortsbürgermeisterin Katrin Treppschuh (CDU). Familien kämen zurück oder siedeln sich an. „Wir haben ein gutes Gewerbegebiet hier, das ist attraktiv.“

Vor allem seien es die „weichen“ Standortmerkmale, die eine Rolle spielten, sagt sie. Zwar sei die Nähe zum Arbeitsplatz durchaus wichtig, aber nicht elementar. „Wir haben hier noch einen Frauenarzt und einen Kinderarzt, dazu kommen Einkaufsmöglichkeiten.“ Es gibt sie also durchaus, die positiven Nachrichten.

Und dennoch: Mit Blick auf den gesamten Landkreis zeigt sich in der Untersuchung des Bundesinstituts, wie herausfordernd die Lage ist. Mansfeld-Südharz schrumpft nicht nur am stärksten, auch in Sachen Altersstruktur steht der Landkreis auf einem „Spitzenplatz“. So beträgt der Altersdurchschnitt laut der Datenerhebung 49,3 Jahre, nur in wenigen Kreisen ist er höher.

Einwohner in Mansfeld-Südharz älter als der Bundesdurchschnitt

Der Wert für den Bund liegt bei 43,9 Jahren, besonders jung ist die Bevölkerung in der Universitätsstadt Heidelberg (39,7 Jahre). Auch in manchen ländlichen Regionen ist der Altersschnitt weit geringer als in Mansfeld-Südharz, so im Kreis Cloppenburg im Nordwesten der Bundesrepublik (40,2).

Während dort jeder fünfte Einwohner unter 18 Jahre ist, gilt das in Mansfeld-Südharz nur für jeden Zehnten – hier ist jeder vierte Einwohner mindestens 65 Jahre alt.

Regionen, die Bevölkerung verlieren, stünden vor Anpassungsprozessen bei der Infrastruktur, erläutert Antonia Milbert, die beim Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung als Statistikerin tätig ist und die Untersuchung betreut hat. Wenn der Anteil älterer Menschen zunehme, steige der Bedarf an Pflegeeinrichtungen.

Oft fehlt es an Jobs für junge Menschen

Es stelle sich außerdem die Frage, wie viele Schulen gehalten werde könnten. Dem Trend entgegenzuwirken, sei nicht einfach. Es fehlten oft „adäquate Jobs für junge Menschen“. Wichtig sei es, Unternehmen zur Ansiedlung zu bewegen.

Professor Reinhold Sackmann von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg beschäftigt sich ebenfalls mit dem demografischen Wandel. „Selbst innerhalb Sachsen-Anhalts hat der Landkreis eine negative Wanderungsbilanz“, sagt er. Dies berge einige Gefahren.

„Manche Teile des Bevölkerungsrückgangs sind selbstverstärkend“, sagt er und nennt die niedrigen Immobilienpreise als Beispiel, durch die manch potenzieller Käufer abgeschreckt werden könnte, da der Wiederverkauf nicht gesichert ist. Eindämmen könne man den Schwund am besten mit Wirtschaftskraft und der Schaffung von Bildungseinrichtungen.

Für Landrätin sind Ergebnisse keine große Überraschung

Für Landrätin Angelika Klein (Linke) sind die Ergebnisse keine große Überraschung. In der Vergangenheit sei stets ein Bevölkerungsrückgang prognostiziert worden, sagt sie. „Allerdings muss darauf hingewiesen werden, dass die Bevölkerung im Landkreis Mansfeld-Südharz deutlich langsamer schrumpft als ursprünglich vorhergesagt.“

Um dem Bevölkerungsrückgang entgegenzutreten, sind laut Klein verschiedene Maßnahmen sinnvoll. In den Fokus sollen vor allem sogenannte „weiche Standortfaktoren“ rücken. Der Landkreis könne unter anderem mit den Faktoren Sicherheit in den Gemeinden, vorhandenen Kita-Plätzen oder Vergünstigungen für junge Menschen etwa im öffentlichen Nahverkehr punkten. Außerdem müsse der Ausbau der touristischen Infrastruktur vorangetrieben werden. (mz)