Schmidt fliegt aus Bundestagsfraktion Kritiker der Vetternwirtschaft muss gehen: „Die da oben“ gibt es auch in der AfD (Kommentar)
Jan Wenzel Schmidt fliegt aus der AfD-Bundestagsfraktion, nachdem er massive Vetternwirtschaft und andere Missstände anprangerte. MZ-Redakteur Jan Schumann kritisiert den Umgang der AfD mit ihren internen Problemen.

Magdeburg/MZ - Die AfD-Vetternaffäre erschüttert die Partei stärker als viele andere Skandale, die sie in ihrer kurzen Geschichte erlebt hat. Rechtsextreme Tendenzen, Beobachtung durch den Verfassungsschutz, dreckige Machtkämpfe in der Partei: All das konnte der AfD wenig anhaben, viele Anhänger scheren sich nicht darum.
Doch die Vetternaffäre, in der es um massig Jobs für Politiker-Verwandte im AfD-Kosmos geht, ist anders. Die Parteispitzen in Land und Bund sind zu recht sichtlich nervös, dass die AfD Schaden nehmen könnte.
Nicht die Strippenzieher der Vetternwirtschaft werden sanktioniert - sondern Schmidt
Nun soll aufgeräumt werden. Allerdings anders als man erwarten könnte. Aus der Bundestagsfraktion fliegt jetzt Jan Wenzel Schmidt, also der Mann, der die Missstände in der Partei als erster anprangerte.
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Offizieller Grund für den Rauswurf ist ein Interview, in dem er über eine „Beutegemeinschaft“ in der AfD sprach. Die Beute ist in diesem Fall Steuergeld.
Vieles, was Schmidt in der AfD anprangerte, hat sich als zutreffend herausgestellt
Egal, wie man zu Schmidt steht: Vieles, was er anprangert, hat sich als zutreffend herausgestellt. Längst hat sich in der AfD eine führende Kaderebene herausgebildet, die Macht und Einfluss in der Partei unter sich aufteilt. Das geschieht offenbar auch über die Vergabe von Jobs.
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„Die da oben“ – es gibt sie auch in der AfD. Dass das stimmt, zeigt nun auch der Umgang mit der Vetternaffäre. Es sind nicht die Organisatoren des Job-Netzwerks, die jetzt sanktioniert werden. Sondern derjenige, der das System anprangert.