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Gedenken in Halle Vier Jahre danach: Anschlag von Halle sorgt noch immer für Betroffenheit

Das Blutbad der Hamas in Israel überlagert die Vorbereitungen auf den Erinnerungstag zum Anschlag von Halle vor vier Jahren. Die MZ sammelt Stimmen – erstmals mit einer Dialogbank.

Von Dirk Skrzypczak Aktualisiert: 09.10.2023, 15:18
Auch Carla (rechts) von der Firma tactile.news, die die Dialogbank für die MZ entwickelt hat, kümmerte sich um die Gesprächspartner.
Auch Carla (rechts) von der Firma tactile.news, die die Dialogbank für die MZ entwickelt hat, kümmerte sich um die Gesprächspartner. Foto: Dirk Skrzypczak

Halle/MZ - Wilfried Allgäuer ist der erste Passant, der sich Samstag auf dem Boulevard auf die Dialogbank der MZ setzt. Über den 9. Oktober 2019 kann der pensionierte Lehrer aus der Gemeinde Muldestausee viel erzählen, wie er beispielsweise mit Schülern über das Attentat von Halle gesprochen hatte.

Doch die Nachrichten des Tages überschatten die Vorbereitungen auf den Gedenktag vier Jahre nach dem Terror in der Saalestadt. Dass Kämpfer der radikal-islamischen Hamas Israel angreifen und ein Blutbad unter Zivilisten anrichten, macht betroffen: „Ich verstehe nicht, dass doch eigentlich intelligente Menschen noch immer einen Krieg anzetteln.“

„Krieg ist schrecklich“, sagte Wilfried Allgäuser im Dialog mit der MZ.
„Krieg ist schrecklich“, sagte Wilfried Allgäuser im Dialog mit der MZ.
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Fanatismus sei eben nicht rational zu erklären, meint ein Mann, der kurz stehenbleibt. Der Attentäter von Halle sei ein Rassist und „geistesgestört“. Wenn sich solche Personen radikalisieren, „hat keine Stadt eine Chance, so wie Halle vor vier Jahren“.

Mehrere junge Frauen stoppen an der Dialogbank. Darunter ist Emilia (19) aus Luxemburg, die an der Hochschule Harz studiert. „Meine Oma stammt aus Wernigerode, mein Vater aus Magdeburg. Da interessiere ich mich schon dafür, was hier in Sachsen-Anhalt passiert“, sagt sie. Ob so ein Anschlag auch in Luxemburg passieren könne, wisse sie nicht. „Wir haben nur 600.000 Einwohner und sind sehr multikulturell.“

Unter dem Motto „#Sags einfach“ war die MZ auf Meinungssuche.
Unter dem Motto „#Sags einfach“ war die MZ auf Meinungssuche.
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Sarah (23) gibt zu, dass der Anschlag 2019 im normalen Alltag für sie keine Rolle mehr spiele. „Wenn ich an der Synagoge vorbeilaufe, dann denkt man natürlich daran. Und auch am Gedenktag selbst.“ Vor vier Jahren hatte sie von Arbeitskollegen von dem Terror erfahren.

„Ich hatte Angst und war erst beruhigter, als ich wieder zu Hause war.“ Der Dialogbank sagt sie, was sie sich für die Zukunft wünscht: Treffs für Eltern, Kinder und Jugendliche, „damit man wieder miteinander ins Gespräch kommt.“

Alexander hat seine Wurzeln in Wiesbaden, jetzt studiert er in Halle. „Vor vier Jahren waren die schlimmen Ereignisse für mich zu weit weg, als dass sie mich beeinflusst hätten.“ Er wisse aber noch, dass er sich gewundert habe. „Halle kannte ich bis dahin nur durch den HFC. Und große Anschläge würde man in Berlin und München vermuten, doch aber nicht hier“, sagt der Fußballfan.

MZ-Chefredakteur Marc Rath platzierte  den letzten Bodenaufkleber der MZ-Serie zum 9. Oktober auf dem unteren Boulevard kurz vor dem Markt.
MZ-Chefredakteur Marc Rath platzierte den letzten Bodenaufkleber der MZ-Serie zum 9. Oktober auf dem unteren Boulevard kurz vor dem Markt.
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Eleni (18) interessiert sich als Leipzigerin schon, was in Halle passiert. In der Schule hatte man damals über die furchtbaren Ereignisse gesprochen.

Ja, Antisemitismus sei wohl noch immer ein Problem in Deutschland. Dass Halle am 9. Oktober die Menschen im Gedenken zusammenbringen will, die dann miteinander reden und sich austauschen können, „finde ich gut und richtig.“

130 Menschen zeigen in Halle Solidarität mit Israel - Störaktion mit Palästina-Flaggen

Am Sonntag versammelten sich dann 130 Personen, viele von ihnen mit Israel-Fahnen, auf dem Hallmarkt, um den Terrorangriff auf Israel zu verurteilen und ihre Solidarität mit dem jüdischen Volk zu bekunden. 50 Anhänger der Palästinenser versuchten immer wieder, die Kundgebung zu stören.

„Dass hier Menschen eine Gedenkkundgebung angesichts des Massenmords an Israelis stören, ist eine Schande“, sagte der grüne Landtagsabgeordnete Sebastian Striegel. Später drängte die Polizei die Gegendemonstranten ab.