Sauberkeit an Bahnhöfen Die Bahn kann nicht überall wie sie will (Kommentar)
Warum die neue Sauberkeitsoffensive für Bahnhöfe an Grenzen stoßen wird.

Bitterfeld/MZ - Man mag es für eigenwillig halten, dass die Bahn bei ihrer neuen Sauberkeitsoffensive an Bahnhöfen in Sachsen-Anhalt ausgerechnet Bitterfeld als erstes ein paar Zusatzrunden mit Wischmopp und Fensterleder spendiert. Jenseits aller Marketing-Erwägungen, die die Bahn-Manager dazu veranlasst haben mögen, fallen einem im Land ein paar Kandidaten ein, die es dringender nötig hätten als der wie aus dem Ei gepellte Bitterfelder Neubau, vor allem kleinere Stationen auf dem Land.
Sei’s drum. Wichtiger ist, dass die Bahn etwas tut. Dass sie anfängt, dort für Verbesserungen zu sorgen, wo diese rasch spürbar sein werden. Bei verspäteten oder defekten Zügen und beim maroden Schienennetz wird es nicht so schnell gehen, das hat die neue Vorstandschefin Evelyn Palla zu Recht betont.
Die Sache hat allerdings einen Haken. Von den 5.400 Bahnhöfen bundesweit verfügen 2.800 noch über ein Gebäude. Davon sind nach Daten des Verbandes „Allianz pro Schiene“ nur 600 im Eigentum der Bahn. Die übrigen gehören zu einem kleineren Teil Kommunen, zu einem weit größeren Teil privaten Eigentümern. Das heißt: Vielfach kann die Bahn nicht uneingeschränkt wie sie will. Wo ihr keine Immobilie gehört, ist sie auf den guten Willen Dritter angewiesen. Erfahrungen aus der Vergangenheit lehren: Das wird manche gute Sauberkeitsinitiative leider ausbremsen.