Bernstein-Fieber

Bernstein-Fieber in Pouch: Neue Erlebniswelt soll mehr Besucher an die Goitzsche locken

Pouch - Goitzsche-Akteure arbeiten an Konzepten, um mit dem fossilen Harz aus dem See weitere Besucher in die Region zu locken.

Von Detmar Oppenkowski 06.08.2017, 08:58

Die Aussage ist recht einfach: Die Besucherzahlen am Goitzsche-See stehen und fallen mit dem Wetter. Scheint die Sonne, dann strömen die Gäste in Scharen ans Wasser.

Regnet es oder ist es kalt, dann bleiben sie weg. Um dem etwas entgegenzusetzen, tüfteln sowohl der Zweckverband Goitzsche als auch die Goitzsche Tourismusgesellschaft (GTG) an „Schlechtwetterattraktionen“.

Im Mittelpunkt der Überlegungen steht dabei der Bitterfelder Bernstein. Hunderte Tonnen des fossilen Harzes sollen noch auf dem Grund des gefluteten Tagebaus liegen. Das will man sich touristisch zunutze machen.

Bernstein-Erlebniswelt im Bitterfelder Wasserzentrum geplant

Während die GTG kleine Mengen des Goitzsche-Goldes bereits gefördert hat und nun über eine Manufaktur zur Verarbeitung nachdenkt, plant der Verband nach wie vor eine Bernstein-Erlebniswelt im Bitterfelder Wasserzentrum.

Sie soll für den Ort das werden, was die Himmelsscheiben-Arche für Nebra schon ist. Doch wie ist der Stand der Dinge bei den einzelnen Projekten?

Folgt man den Aussagen der GTG, so ist die Bernsteinförderung unter Wasser ein „weltweites Alleinstellungsmerkmal“.

Bereits ab 2018 soll dauerhaft Bernstein aus der Goitzsche gefördert werden

In den vergangenen drei Jahren haben zunächst die Eurasia Amber GmbH und danach die Goitzsche Bernstein OHG die Wintermonate dazu genutzt, um bei Feldversuchen unterschiedliche Technologien zur Probeförderung von Bernstein auszuprobieren.

Zuletzt war nach Landkreisinformationen ein Ponton mit Saugbagger und Siebanlage auf dem Wasser im Einsatz und brachte die wertvollen Steine ans Tageslicht. „Die neue Technik funktioniert. Wir müssen nur noch an einigen Details arbeiten, dann ist die Experimentierphase abgeschlossen“, heißt es von der federführenden GTG. Bereits ab 2018 wolle man „dauerhaft kleine Mengen des Rohbernsteins“ fördern und die „Endprodukte in der Region vermarkten“.

Millionen Jahre alte Insekten im Bernstein eingeschlossen

Eine Besonderheit seien bereits jetzt Inklusen, die man vom Grund der Goitzsche geborgen hat. Dabei handelt es sich beispielsweise um Insekten, die vor vielen Millionen Jahren im Baumharz eingeschlossen wurden und bis heute in den Steinen erhalten sind.

Derzeit werden die Funde von Experten begutachtet. In der Bitterfelder Bernsteingeschichte sind bislang 580 unterschiedliche Arten aus 260 Familien der Tier- und Pflanzenwelt nachgewiesen worden. Damit steht Bitterfeld nach Aussagen von Fachleuten weltweit an vierter Stelle.

Bernstein-Erlebniswelt soll überregionale Anziehungskraft entwickeln

Parallel zu den GTG-Plänen, Bernstein zu fördern, hält der Goitzsche-Zweckverband an der Umsetzung der Bernstein-Erlebniswelt fest.

Nachdem eine 40.000 Euro teure und zum Teil durch Fördermittel finanzierte Machbarkeitsstudie die Umsetzbarkeit des Vorhabens bereits festgestellt hat, soll eine Ideenkonzeption plus Rahmenkonzept bis Ende dieses Jahres nun klären, wie die Erlebnisstätte genau ausgestaltet werden soll, damit sie überregionale Anziehungskraft entwickelt.

Derzeit überlegt man das gesamte Wasserzentrum an der B100 in Bitterfeld mit einzubeziehen, konzeptuell neu auszurichten und alles dem Bernsteinthema zu widmen. Dafür müsste das Gelände dem Zweckverband übertragen werden. Eine Zustimmung des Stadtrates von Bitterfeld-Wolfen ist hierfür allerdings noch erforderlich.

Erlebniswelt soll bis zu 30.000 Besucher pro Jahr an die Goitzsche locken

Sollten dann noch die Fördermittel in nicht näher bezifferbarer Millionenhöhen des Landes Sachsen-Anhalt bereit stehen, so könnte die Bernsteinerlebniswelt mit „attraktiver und interaktiver Ausstellung in unmittelbarer Nähe des Bernsteinfundorts“ nach vorsichtigen Schätzungen ab 2020 ihre Pforten öffnen.

Der neue Tourismusmagnet soll - so zumindest die Hoffnungen - bis zu 30.000 Besucher pro Jahr an den Goitzsche-See locken.

Zwischen den Zeilen setzen alle Protagonisten bei der Umsetzung des Projekts auf ausreichende Unterstützung durch die Landesregierung.

Lutherjahr, Bauhausjahr, Bernsteinjahr

Nach dem Lutherjahr in Wittenberg (2017) und dem Bauhausjahr in Dessau (2019) wäre für den Zweckverband auch ein Bernsteinjahr in Bitterfeld im Jahr 2020 denkbar.

Die Effekte, die man sich davon erhofft, sind klar: Neben der finanziellen Förderung will man sowohl national als auch international stärker auf die Region aufmerksam machen, um Touristen aus nah und fern nicht nur an schönen, sondern auch an weniger schönen Tagen an den Goitzsche-See zu locken. (mz)