Richter erlässt Haftbefehl

Entsetzen in Aschersleben:  Josefine H. ist tot - 14-jähriger Ex-Freund in Haft - Trittbrettfahrer auf TikTok

Die 14 Jahre alte Josefine H. aus Aschersleben wurde umgebracht. Am 11. November war das vermisste Mädchen tot aufgefunden worden. Der Ex-Freund des Mädchens ist wegen Verdachts auf Totschlag in Haft. Während die Stadt weiter trauert, herrscht Entsetzen über Trittbrettfahrer im Internet.

Aktualisiert: 19.11.2021, 16:59
Die vermisste Josefine aus Aschersleben ist tot.
Die vermisste Josefine aus Aschersleben ist tot. Foto: Thomas Schulz/dpa, Frank Gehrmann, Matthias Bein/dpa 

Aschersleben/DUR/dpa – Auch eine Woche nach dem Tod der 14-jährigen Josefine H. kommt Aschersleben nicht zur Ruhe. Während viele Menschen in der Kleinstadt weiter trauern, sorgen Trittbrettfahrer im Internet für Entsetzen.

Während der Ex-Freund des Mädchens als mutmaßlicher Täter in Untersuchungshaft sitzt, sind im sozialen Netzwerk TikTok Profile aufgetaucht, die sich als der Verdächtige ausgeben.

Am 11. November war die Leiche des zuvor vermissten Mädchens in einem Garagenkomplex gefunden worden. Noch am gleichen Abend nahm die Polizei den ebenfalls 14 Jahre alten Ex-Freund des Opfers fest. Die Ermittler werfen dem Jugendlichen vor, Josefine getötet zu haben.

Der Vorwurf gegen den 14-Jährigen lautet auf Totschlag. Der zuständige Haftrichter erließ einen Haftbefehl. Der Junge befindet sich laut Staatsanwaltschaft nun in einer Jugendstrafanstalt im Saalekreis. Dort könne er regelmäßigen Kontakt zu seinen Eltern haben.

Durch Recherchen der Volksstimme wurden weitere Einzelheiten zu dem gewaltsamen Tod der 14-Jährigen in Aschersleben bekannt. So soll Josefine H. durch eine Vielzahl an Messerstichen getötet worden sein. Reue zeige der Ex-Freund nicht.

Josefine H. getötet: Weiterer Junge stand Wache

Zudem wird gegen einen weiteren ebenfalls 14 Jahre alten Jungen ermittelt, der nach Informationen der Magdeburger "Volksstimme" während der Tat Wache gestanden haben soll – gegen ihn ist kein Haftbefehl erlassen worden. Er wurde mangels dringenden Tatverdachts aus dem polizeilichen Gewahrsam entlassen.

Josefine H. wurde seit dem 4. November vermisst

Josefine H. wurde seit dem 4. November vermisst. Damals wollte sie sich mit dem jetzigen Tatverdächtigen treffen, um persönliche Gegenstände auszutauschen. Gegen halb vier an dem Tag hatte sie noch mit einem anderen Bekannten telefoniert, danach war sie nicht mehr zu erreichen.

Ihre Eltern meldeten sie später vermisst. In den vergangenen Tagen war intensiv nach der 14-Jährigen gesucht worden. Dabei wurden auch Bekannte, Angehörige und der Ex-Freund befragt.

Die letzten bekannten Aufenthaltsorte von Josefine H. und der Fundort der Leiche in Aschersleben.
Die letzten bekannten Aufenthaltsorte von Josefine H. und der Fundort der Leiche in Aschersleben.
Google Maps/DUR

Am Mittwochnachmittag wurde schließlich der Leichnam des Mädchens in einem Garagenhof zwischen Industriegebiet und Friedhof entdeckt. Zu den näheren Umständen machte die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen zunächst keine Angaben. Auch zur Todesursache äußerten sich die Ermittler nicht. Die Umstände deuteten aber auf ein Verbrechen hin, hieß es.

Tot von Josefine H.: Polizei bildet Sonderkommission

Der Fundort wurde weiträumig abgesperrt. Die wenigen Passanten und Garagennutzer, die sich am Donnerstagmorgen in das Gebiet verirrten, zeigten sich schockiert. Die Polizei sicherte bis in die Nacht hinein Spuren. Eine Sonderkommission wurde gebildet, um die Tat aufzuklären.

Den Beamten könnten auch verschiedene Kameraaufnahmen geholfen haben. Der Komplex mit seinen verwitterten und verbarrikadierten Holztoren sei bekannt dafür, dass Dinge gestohlen werden, sagte ein Garagennutzer. Vor geraumer Zeit sei mal ein Auto in einer der Garagen angezündet worden. Daher hätten viele Besitzer Wildkameras aufgestellt. Auch das angrenzende Industriegelände ist nach Angaben der Ortskundigen mit Kameras ausgestattet.

In Aschersleben wie auch in den sozialen Medien ist die Anteilnahme nach dem Tod von Josefine H. groß. Am Morgen versammelten sich zahlreiche Menschen in der Stadt, um gemeinsam zu trauern. Männer, Frauen, Jugendliche, sie alle legen Blumen nieder und zünden Kerzen für das Mädchen an. Auch viele Schüler waren gekommen, die Josefine noch aus dem Kindergarten oder der Grundschule kannten.

Zudem sagte der Ascherslebener Karnevalsverein ACC den geplanten Saisonauftakt zum 11.11. ab. "Wir möchten Josefines Familie und ihren Angehörigen unser tiefes Beileid aussprechen und trauern wie viele Aschersleber um den sinnlosen Verlust dieses jungen Lebens", teilten die Karnevalisten mit.

Fall Josefine erinnert an Todesfall in Sachsen

Der Fall erinnert an ein Verbrechen Mitte September in Sachsen. Dort war eine 16-Jährige in einem Garagenkomplex so schwer verletzt worden, dass sie starb. Als Tatverdächtiger wurde ein 15-Jähriger ermittelt. Der Teenager ist nun in einer Psychiatrie.