Zoff im Trainingslager

Zoff im Trainingslager: Timo Werner mit heftigem Foul an Sören Reddemann

Lagos/Ferreiras - RB Leipzig: Bei einem Trainingsspiel hatte Timo Werner Sören Reddemann rüde umgegrätscht.

Von Ullrich Kroemer und Martin Henkel

Streitigkeiten im Training stehen bei RB Leipzig normalerweise auf dem Index. Das Team harmonierte in der gesamten Bundesliga-Hinrunde so gut, dass es so gut wie keinen Zwist bei den Einheiten gab. Am sechsten Tag des Trainingslagers in Portugal jedoch gerieten Timo Werner und Diego Demme aneinander.

Bei einem Trainingsspiel am Montagmittag hatte Werner Youngster Sören Reddemann rüde umgegrätscht. Diego Demme, der in Reddemanns Team war, platzte der Kragen. Der kleine Mittelfeld-Dauerläufer rief dem selbst gerade erst wiedergenesenen Werner zu: „Bist du bescheuert, oder was?”, und schubste den RB-Toptorschützen gegen die Brust. Daraufhin kamen Teamkollegen wie Terrence Boyd dazu, um den Zwist zu schlichten. Rudelbildung wie bei einem Bundesligaspiel.

Ralf Rangnick über Foul von Timo Werner: „Das war eine völlig unnötige Aktion”

Daneben lag Reddemann (20), der vor Schmerz aufgeschrien hatte, das Training beenden und mit einem Golfcar vom Platz gebracht werden musste. Nur wenige Meter daneben stand Ralf Rangnick und beobachtete die Szenerie. Direkt nach dem Ende der Übungseinheit nahm sich der Sportdirektor Timo Werner beiseite und rügte den RB-Star der Hinrunde. „Grätschen ist in unserem Spiel immer das allerletzte Mittel – egal, ob im Training gegen Mitspieler oder im Spiel gegen Gegenspieler”, sagte Rangnick. „Das wollen wir gar nicht sehen, das war eine völlig unnötige Aktion.”

Der 58-Jährige erklärte: „Heute war Aggressivität im Training. Dass das auch mal grenzwertig ist und wie bei dem Foul von Timo auch mal über die Grenze hinausgeht, liegt in der Natur der Sache.”

Ilsanker: „Alle noch angespannt von der Ajax-Partie”

Stefan Ilsanker, der seinen Vertrag bis 2020 verlängerte, sagte: „Wir sind alle noch leicht angespannt von der Ajax-Partie. Jeder will beweisen, dass er Herz und Leidenschaft hat, dass er sich nicht aufgibt.” Dazu komme, dass gestern zwei Football-Spiele im Fernsehen zu sehen waren. „Da haben einige zugeschaut. So kommt dann so ein Training heute raus”, sagte Ilsanker. 

Auch dem Trainerteam war anzumerken, dass die 1:5-Pleite gegen Ajax wachgerüttelt hatte. Co-Trainer Zsolt Löw unterbrach eine Spielform und kritisierte lautstark die Positionierung der Spieler und „zu viel klein-klein” statt klare Bälle. „Wir haben schon besser gespielt”, schimpfte Löw. Ilsanker erklärte nach dem Training: „Das war eine Überzahl-Spielform, bei der wir uns bei Ballbesitz ganz schlecht positioniert haben. Das haben wir schon viel besser gemacht, das hat am Anfang nicht gut ausgeschaut. Aber wenn der Trainer mal lauter wird, dann laufen wir wieder.”

Ralf Rangnick: „Test gegen Ajax kam zu früh”

Insofern hat die Klatsche gegen Amsterdam wohl tatsächlich geholfen, die Sinne zu schärfen – bei Trainerteam und Spielern – wenn auch Timo Werner über das Ziel hinausschoss. Rangnick glaubt auch, dass die hohe Niederlage „den Spielern selber etwas gebracht” habe.

„Aber im Nachhinein muss man sagen”, so der Manager, „dass ein Spiel gegen einen solchen Gegner für uns zu früh kam.” Das habe auch damit zu tun, welche Gegner zur Verfügung stünden. In Portugal sind kaum andere Teams vor Ort. „Da kann man sich die Gegner auch nicht aus dem Katalog raussuchen”, sagte Rangnick. „Für Ajax waren wir der richtige Gegner, aber Ajax für uns zu diesem Zeitpunkt nicht.” (mz)