RB-Kapitän im Interview

RBL-Kapitän Dominik Kaiser: „Ich hatte mir mehr erhofft“

Seefeld - Noch-Kapitän Dominik Kaiser von RB Leipzig spricht im Interview über seine Rolle, seine Zeit bei RB und die Champions League.

Von Martin Henkel und Ullrich Kroemer
Kapitän, aber kein Stammspieler: Was Dominik Kaiser über seine Situation bei RB Leipzig denkt.
Kapitän, aber kein Stammspieler: Was Dominik Kaiser über seine Situation bei RB Leipzig denkt. imago sportfotodienst

Dominik Kaiser ist der dienstälteste Spieler bei RB Leipzig. Seit 2012 steht der 28-Jährige bei den Sachsen unter Vertrag – und ist seit zwei Jahren ihr Kapitän. Aber wie lange noch?

Seit dem Aufstieg in die 1. Liga ist Kaiser kein Stammspieler mehr. Und jetzt steht auch noch sein Amt zur Disposition.

Die Mitteldeutsche Zeitung hat den Mittelfeldspieler im Trainingslager in Seefeld zu einem Gespräch über sein Dasein als Reservespieler, die Bedeutung des Kapitänsamtes und einen Badspiegelspruch getroffen.

Herr Kaiser, der Verein hat jedem Spieler jeweils einen Spruch an den Badspiegel seines Trainingslagerzimmers geklebt. Welchen bei Ihnen?
Ich muss kurz überlegen, ich bin nämlich im Bad von Stefan Ilsanker. Bei dem steht: „Stefan ist hier, um ein glücklicher Krieger zu sein.“ Und bei mir… ach ja: „Dominik ist hier, um Dinge möglich zu machen.“ 

Was machen Sie in Stefan Ilsankers Bad?
Wir teilen uns ein Zimmer. Und weil sein Bad größer ist, habe ich mir seins genommen.

Was entnehmen Sie Ihrem Spruch, wenn Sie doch mal in Ihr Bad gehen?
Die Idee ist eine coole Sache. Sicher ist der Spruch einer, den man für sich nutzen kann. Aber nicht zwingendnutzen muss. Ich stehe jetzt nicht eine halbe Stunde im Bad vorm Spiegel. Generell nicht. Ich stehe morgens auf und dann geht’s raus zum Training, Gas geben.

Dinge möglich zu machen – spricht Sie das als Kapitän oder als Spieler an?
Weiß ich nicht, beides vermutlich.

Die Wahl des Kapitäns für die neue Saison steht noch aus. Es heißt, der Trainer denke über einen Wechsel nach, weil er gern einen Stammspieler für das Amt hätte.
Für mich persönlich ist das gerade nicht das große Thema. Ich konzentriere mich auf andere Sachen und habe mir für diesen Sommer auch andere Ziele gesetzt, als das Kapitänsamt fortzuführen. Wir werden sehen, wie der Trainer das entscheidet. Ich gehe davon aus, dass er sich mit seiner Entscheidung noch ein bisschen Zeit lässt. Ich war die vergangenen zwei Jahre gern Kapitän. Aber das steht nicht über allem.

Noch sind Sie Kapitän. Beim Test gegen Konyaspor am Dienstag und zuvor gegen Meuselwitz trugen die Binde allerdings jeweils Marcel Sabitzer bzw. Willi Orban, obwohl Sie zusammen aufliefen. Wie das?
Ich weiß nicht, inwieweit die Entscheidung zum Beispiel vor dem Test gegen Meuselwitz bewusst war. Es gab keine Besprechung. Das war eben so. Aber mir war ohnehin wichtiger, dass ich 45 Minuten gespielt habe.

Sie sind seit 2012 im Verein, Sie waren lange Zeit Stammspieler. Seit dem Aufstieg in die 1. Liga allerdings sitzen Sie meist auf der Bank. Jetzt steht auch noch Ihr Amt zur Disposition. Wie würden Sie Ihre derzeitige Situation beschreiben?
Die vorige Rückrunde ist nicht ganz optimal für mich gelaufen. Du siehst deine Kollegen, erlebst mit, wie sie super funktionieren, wie sie Siege einfahren. Natürlich freust du dich mit dem Team. Und weißt gleichzeitig auch: Jetzt wird es ganz, ganz schwierig, da rein zu kommen. Nicht mal, wenn du im Training richtig für Furore sorgst. Ich hatte mir mehr erhofft. Und klar, ich will wieder mehr spielen.

RB Leipzig hat sich im Sommer mit weiteren Feldspielern verstärkt, auch auf Ihrer Position im offensiven Mittelfeld. Wie bewerten Sie Ihre Startelfchancen?
Ich weiß, dass die Konkurrenzsituation dieses Jahr noch höher ist als vergangene Saison. Aber ich traue mir weiterhin zu, der Mannschaft auf dem Platz helfen und meine Akzente setzen zu können. Ich bin überzeugt, ich bekomme meine Spiele.

Wie finden Sie die Zugänge?
Die haben alle richtig Qualität. Ibu Konaté hat mich aber schon besonders überrascht. Der brauchte zwei, drei Einheiten bis er reinkam, aber jetzt ist er richtig präsent. Er macht das hinten drin extrem souverän und lässt sich kaum ausspielen. Er hat in kurzer Zeit einen großen Schritt gemacht.

Wenn Sie Trainer wären, auf welche Position würden Sie sich stellen?
Dorthin, wo ich die letzten Jahre auch gespielt habe: auf der Zehner-Halbposition.

Mit Marcel Sabitzer, Emil Forsberg und Bruma und Ihnen stehen Ralph Hasenhüttl vier Spielmacher zur Verfügung.
Mir ist bewusst, dass die Position sehr umkämpft ist. Da haben wir hochkarätiges Personal. Aber der Trainer hat mich vergangene Saison variabel auch woanders einsetzt.

Im Dezember gegen Schalke hat er Sie zum Rechtsverteidiger gemacht.
(lacht) Auch das. Am wohlsten aber fühle ich mich im zentralen Mittelfeld. Ob das dann einen Tick defensiver ist oder als offensiverer Zehner, das ist mir gleich. Ich will meine Stärken auf dem Platz zeigen dürfen. Dafür arbeite ich gerade hart.

Stellen Sie sich vor, Sie könnten wählen zwischen dem Stammplatz in einer Mannschaft, die sich zwischen den Tabellenrängen zwölf und sechs bewegt, und Ihrer derzeitigen Situation, also Champions League mit unsichere Einsatzzeiten. Wie würden Sie sich entscheiden?
Grundsätzlich, wenn du mit der Mannschaft Erfolg hast, ist das immer etwas Besonderes. Also Champions League, klar. Und wenn du dabei auch noch spielst – das wäre das Optimum.

Wenn Sie Ihre ästhetischen Vorlieben als Kriterium nehmen, welche Gegner hätten Sie gern in der Champions League?
Die Spanier wären nicht so verkehrt.

Von der Stimmung her?
Liverpool.

Wenn Sie die Stadien als Kriterium nehmen?
Das Bernabéu von Real Madrid, da würde ich gern mal drin spielen.

Was hat die Champions League, was andere Wettbewerbe nicht haben?
Sie ist das Nonplusultra im Vereinsfußball. Dort spielen die besten Teams Europas. Wenn du als Fußballer jahrelang mittwochs oder dienstags die Spiele siehst, dann willst du das auch.

Sie haben mit RB Leipzig 4., 3., 2.Liga gespielt. Haben Sie in diesen Jahren jemals an die Champions League gedacht?
(lacht) Nein, nie. Das war für mich so weit weg.

Was bedeutet es Ihnen, jetzt so nah davor zu stehen? Sechs Spiele sind es Minimum.
Für mich persönlich ist das etwas sehr, sehr Besonderes. Nur ganz wenige Spieler schaffen das in ihren Karrieren. Dafür bin ich sehr dankbar.

(mz)